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Grundlagen & Übersicht

Als Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen) bezeichnet man eine Gruppe seltener, chronisch-entzündlicher Systemerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen körpereigenes Bindegewebe richtet und dabei – im Unterschied zur JIA – bevorzugt Haut, innere Organe, Muskulatur, Gefäße und seröse Häute statt vorrangig der Gelenke betrifft. Sie sind im Kindesalter deutlich seltener als die JIA, verlaufen aber häufiger mit relevanter Organbeteiligung und werden dadurch oft erst spät erkannt.

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SLE

Multiorganbeteiligung mit Haut-, Nieren-, ZNS- und Blutbildveränderungen; ANA/dsDNA-positiv. Häufigste Kollagenose im Kindesalter.

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Dermatomyositis (JDM)

Proximale Muskelschwäche mit charakteristischen Hautzeichen (Gottron-Papeln, heliotropes Exanthem) und Vaskulopathie.

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Sklerodermie (systemisch/lokalisiert)

Hautverdickung und Raynaud-Phänomen; lokalisierte Formen (Morphea) im Kindesalter deutlich häufiger als die seltene systemische Form.

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MCTD & Sjögren

Überlappungssyndrom mit Anti-U1-RNP-Antikörpern bzw. seltenes Sicca-Syndrom mit rezidivierender Parotisschwellung.

15–20 %
Aller SLE-Fälle beginnen bereits im Kindes- oder Jugendalter (jSLE/cSLE)
75 %
Klinisch manifeste Nierenbeteiligung beim jSLE (deutlich häufiger als bei Erwachsenen-Beginn)
~3/1 Mio.
Jährliche Neuerkrankungsrate der juvenilen Dermatomyositis
5:1
Verhältnis Mädchen zu Jungen bei den meisten Kollagenosen im Kindesalter

Übersicht der Kollagenose-Subtypen

ErkrankungLeitbefundDiagnostischer Autoantikörper
SLEMultiorganbeteiligung (Haut, Niere, ZNS, Serositis, Hämatologie)ANA, Anti-dsDNA, Anti-Sm
Juvenile DermatomyositisProximale Muskelschwäche + HautzeichenMyositis-spezifische Antikörper (Anti-TIF1γ, Anti-NXP2, Anti-MDA5 u. a.)
Juvenile systemische SkleroseHautverdickung, Raynaud, OrganfibroseAnti-Scl-70 (diffus), Anti-Zentromer (limitiert, im Kindesalter selten)
Lokalisierte SklerodermieZirkumskripte Hautverdickung ohne SystembeteiligungANA teils positiv, kein spezifischer Marker
MCTDÜberlappung aus SLE, Sklerodermie und MyositisAnti-U1-RNP (definierend)
Sjögren-Syndrom (juvenil)Rezidivierende Parotisschwellung, Sicca-SymptomatikAnti-Ro/SSA, Anti-La/SSB
Undifferenzierte KollagenoseErfüllt keine vollständigen Kriterien einer definierten KollagenoseVariabel, häufig ANA-positiv

Molekulargenetischer Hintergrund – Überblick

Kollagenosen sind überwiegend polygene Autoimmunerkrankungen mit einer geschätzten Heritabilität von bis zu 50 % beim SLE. Bei sehr frühem Erkrankungsbeginn, Konsanguinität oder untypischem Verlauf können jedoch seltene monogene Formen zugrunde liegen, deren Identifikation therapeutisch relevant sein kann (z. B. gezielter Einsatz von JAK-Inhibitoren bei Interferonopathien).

Wichtigste Genorte je Krankheitsbild (Übersicht)

HLA-DR2, HLA-DR3, ITGAM, STAT4, IRF5, BLK, TNFAIP3SLE – polygene Suszeptibilitätsloci
C1Q/C1R/C1S/C2/C4-Mangel, TREX1, DNASE1L3, IFIH1, ACP5, PRKCDSLE – seltene monogene Formen, meist sehr früher Beginn
HLA-DRB1*03, DQA1*0501, TNF-α -308A, PTPN22Juvenile Dermatomyositis
HLA-DRB1*11, DPB1*1301, STAT4, IRF5 (aus Erwachsenendaten abgeleitet)Systemische Sklerose
HLA-DR4 (DRB1*04:01) – starke EinzelassoziationMixed Connective Tissue Disease
HLA-DR3/DQ2, IRF5, STAT4Sjögren-Syndrom
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Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Der juvenile/kindliche SLE (jSLE/cSLE) ist die häufigste Kollagenose im Kindesalter und macht 15–20 % aller SLE-Fälle aus. Er betrifft bevorzugt Mädchen in der Adoleszenz (Verhältnis ca. 5:1), verläuft im Vergleich zum Erwachsenen-SLE jedoch mit höherer Krankheitsaktivität und häufigerer Organbeteiligung – insbesondere Niere (bis 75 %) und ZNS (bis 40 %).

LEITSYMPTOME

  • Schmetterlingserythem, Photosensitivität
  • Orale/nasale Ulzerationen (meist schmerzlos)
  • Arthritis (meist nicht-erosiv)
  • Serositis (Pleuritis, Perikarditis)
  • Fieber, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit
  • Lymphadenopathie, Hepatosplenomegalie

ORGANBETEILIGUNG (KINDER > ERWACHSENE)

  • Lupusnephritis: bis 75 % (Proteinurie, Hämaturie, Hypertonie)
  • NPSLE: bis 40 % (Kopfschmerz, Krampfanfall, Psychose, kognitive Defizite)
  • Hämatologisch: Coombs-positive Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie
  • Antiphospholipid-Syndrom (Thrombosen, Livedo racemosa)

🧬 Molekulargenetische Aspekte

Polygene Suszeptibilität: HLA-DR2/HLA-DR3, ITGAM, STAT4, IRF5, BLK und TNFAIP3 gehören zu den am besten replizierten Risikoloci. Monogene Lupus-Formen sollten insbesondere bei Erkrankungsbeginn <10 Jahre, Konsanguinität oder atypischer Klinik erwogen werden: Homozygoter Mangel an Komplementfaktor C1q geht mit einem Erkrankungsrisiko von >90 % einher, auch C1r/C1s-, C2- und C4-Mangel prädisponieren durch gestörte Clearance apoptotischen Materials. TREX1- und DNASE1L3-Mutationen sowie IFIH1-Gain-of-Function-Varianten führen über eine Aktivierung des Typ-I-Interferon-Signalwegs zu einer schweren, früh beginnenden Erkrankung (Interferonopathie-Spektrum, Überlappung mit dem Aicardi-Goutières-Syndrom). Diese genetische Subtypisierung gewinnt therapeutisch an Bedeutung, da JAK-Inhibitoren gezielt bei Interferon-getriebenen Verläufen wirksam sein können.

Labordiagnostik

ParameterBefundBedeutung
ANAPositiv bei >95 %Hohe Sensitivität, Screening-Test
Anti-dsDNAHochspezifisch, Titer korreliert mit Aktivität (v. a. Nephritis)Verlaufsparameter
Anti-SmHochspezifisch, jedoch niedrige SensitivitätDiagnosesicherung
Komplement C3/C4Erniedrigt bei aktiver ErkrankungAktivitäts- und Verlaufsmarker
Coombs-Test, BlutbildHämolytische Anämie, ZytopenienHämatologische Manifestation

Therapie

SubstanzDosierungBemerkung
Hydroxychloroquin≤5 mg/kg/d Idealgewicht (max. 400 mg/d)Basistherapie bei praktisch allen SLE-Patient:innen, unabhängig von Organbeteiligung
Prednisolon0,5–2 mg/kg/d, ggf. Pulstherapie (Methylprednisolon 30 mg/kg/d, max. 1 g, an 3 Tagen)Bei mäßiger bis schwerer Aktivität; rasches Ausschleichen anstreben
Mycophenolatmofetil600 mg/m² 2×/d (max. 3 g/d)Induktions- und Erhaltungstherapie der Lupusnephritis (Klasse III/IV)
Cyclophosphamid (Euro-Lupus-Schema)500 mg i.v. alle 2 Wochen, 6 DosenAlternative Induktionstherapie bei schwerer Nephritis/NPSLE
Belimumab10 mg/kg i.v. alle 4 Wochen (nach Aufsättigung) bzw. s.c. wöchentlichZusatztherapie bei aktivem, autoantikörperpositivem SLE ab 5 Jahren zugelassen
Rituximab375 mg/m² wöchentlich ×4 oder 2×1000 mg im Abstand von 2 WochenOff-Label bei refraktärem SLE, insbesondere hämatologischer/renaler Beteiligung
Anifrolumab300 mg i.v. alle 4 Wochen (Erwachsenendosierung, pädiatrische Daten limitiert)Anti-Typ-I-Interferon-Antikörper, insbesondere bei hoher Interferon-Signatur

Lupusnephritis & NPSLE: Bei Verdacht auf Nierenbeteiligung ist eine Nierenbiopsie zur histologischen Klassifikation (ISN/RPS-Klassen I–VI) obligat, da sie die Therapieintensität bestimmt. Bei neuropsychiatrischen Symptomen (NPSLE) MRT des Neurokraniums und Liquordiagnostik zur Abgrenzung infektiöser Ursachen; hochdosierte Immunsuppression frühzeitig einleiten.

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Juvenile Dermatomyositis (JDM)

Die juvenile Dermatomyositis ist die häufigste entzündliche Myopathie im Kindes- und Jugendalter. Sie ist gekennzeichnet durch eine progrediente, proximal betonte Muskelschwäche in Kombination mit charakteristischen Hautveränderungen; als Multisystemerkrankung können zusätzlich Gastrointestinaltrakt, Lunge und Herz betroffen sein.

MUSKULÄRE SYMPTOME

  • Proximale Muskelschwäche (Treppensteigen, Aufstehen erschwert)
  • Gowers-Zeichen positiv
  • Muskelschmerzen, Dysphagie bei Beteiligung der Schluckmuskulatur
  • Erhöhte Muskelenzyme (CK, LDH, Aldolase, AST)

KUTANE LEITZEICHEN

  • Heliotropes Exanthem (violett, periorbital)
  • Gottron-Papeln (über Fingerknöcheln)
  • Nagelfalzkapillarveränderungen
  • Kalzinose (subkutan, insbesondere bei verzögerter Therapie)
  • Vaskulopathie: Risiko für gastrointestinale Ulzerationen/Perforation

🧬 Molekulargenetische Aspekte

Assoziation mit HLA-DRB1*03 und DQA1*0501 ähnlich wie bei anderen Autoimmunerkrankungen mit Interferon-Signatur; der TNF-α -308A-Polymorphismus wird mit schwereren, chronisch-persistierenden Verläufen und vermehrter Kalzinose in Verbindung gebracht. PTPN22-Varianten sind ebenfalls beschrieben. Klinisch bedeutsamer als die zugrunde liegende Genetik sind die Myositis-spezifischen Autoantikörper (MSA), die eng mit klinischen Subphänotypen korrelieren: Anti-TIF1γ (hohes Malignomrisiko bei Erwachsenen, bei Kindern eher ausgeprägte Hautbeteiligung), Anti-NXP2 (Kalzinose-Risiko), Anti-MDA5 (interstitielle Lungenerkrankung, geringe Muskelschwäche).

Therapie

SubstanzDosierungBemerkung
Methylprednisolon-Pulstherapie30 mg/kg/d i.v. (max. 1 g), 3 Tage, dann wöchentliche PulseInitialtherapie bei mäßiger bis schwerer Aktivität
Prednisolon oral1–2 mg/kg/d, langsames Ausschleichen über MonateAnschluss an Pulstherapie
Methotrexat15 mg/m² KOF 1×/Woche s.c. + FolsäureSteroideinsparendes Basistherapeutikum der 1. Wahl
IVIG2 g/kg über 2–5 Tage, monatlichBei ausgeprägter Vaskulopathie oder Steroid-Kontraindikation
Ciclosporin A / Rituximabgewichtsadaptiert bzw. 375 mg/m² wöchentlich ×4Reserveoptionen bei therapierefraktärem Verlauf

Kalzinose-Management: Die subkutane Kalzinose ist eine gefürchtete Spätkomplikation, die durch frühzeitige und ausreichend intensive Entzündungskontrolle (insbesondere bei Anti-NXP2-Positivität) reduziert werden kann. Etablierte spezifische Kalzinose-Therapien fehlen; Fallberichte zu Diltiazem, Bisphosphonaten und niedrig dosiertem Warfarin liegen vor, die Evidenzlage ist jedoch begrenzt.

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Juvenile systemische Sklerose

Die juvenile systemische Sklerose (jSSc) ist mit einer geschätzten Prävalenz von rund 3 pro 1 Million Kindern eine sehr seltene Erkrankung, gekennzeichnet durch fortschreitende Hautverdickung, Raynaud-Phänomen und potenzielle Fibrosierung innerer Organe (Lunge, Herz, Gastrointestinaltrakt, Niere).

KLINIK

  • Raynaud-Phänomen (häufig Erstsymptom)
  • Progrediente Hautverdickung (diffus oder limitiert)
  • Nagelfalzkapillarveränderungen (Megakapillaren, Rarefizierung)
  • Digitale Ulzerationen
  • Gelenkkontrakturen

ORGANBETEILIGUNG

  • Interstitielle Lungenerkrankung (führende Mortalitätsursache)
  • Pulmonal-arterielle Hypertonie
  • Gastrointestinale Dysmotilität (Refluxösophagitis)
  • Renale Krise (selten, aber akut lebensbedrohlich)
  • Kardiale Beteiligung (Perikarderguss, Arrhythmien)

🧬 Molekulargenetische Aspekte

Aus Erwachsenendaten abgeleitete Assoziationen mit HLA-DRB1*11 und DPB1*1301 sowie den Zytokin-/Interferon-Signalweg-Genen STAT4 und IRF5 werden diskutiert; eine belastbare eigenständige genetische Charakterisierung der juvenilen Form steht aufgrund der Seltenheit noch aus. Internationale Kohortenstudien (u. a. die Juvenile Systemic Sclerosis Inception Cohort) sollen die Datenlage künftig verbessern.

Therapie

Substanz/MaßnahmeDosierungIndikation
Methotrexat10–15 mg/m² KOF 1×/Woche s.c.Hautfibrose, Gelenkbeteiligung
Mycophenolatmofetil / Cyclophosphamid600 mg/m² 2×/d bzw. i.v.-ProtokollInterstitielle Lungenerkrankung
Kalziumkanalblocker (Nifedipin)0,25–0,5 mg/kg/d retardRaynaud-Phänomen
PDE5-Inhibitoren (Sildenafil), Endothelin-Rezeptor-AntagonistengewichtsadaptiertPulmonal-arterielle Hypertonie, schwere digitale Ischämie
ACE-Hemmerbei Krise sofort hochdosiertRenale Krise – Notfalltherapie

Monitoring: Regelmäßige Lungenfunktionsdiagnostik (inkl. Diffusionskapazität) und hochauflösendes CT bei Verdacht auf ILD, Echokardiographie zum PAH-Screening sowie Kapillarmikroskopie zur Verlaufsbeurteilung. Bei schwerem, therapierefraktärem Verlauf kann in spezialisierten Zentren eine autologe Stammzelltransplantation erwogen werden (Evidenz überwiegend aus Erwachsenenstudien).

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Lokalisierte Sklerodermie (Morphea)

Die lokalisierte Sklerodermie ist die im Kindesalter mit Abstand häufigste Form der Sklerodermie und verläuft – anders als die systemische Form – in der Regel ohne relevante Organbeteiligung. Unterschieden werden die zirkumskripte Plaque-Morphea und die lineare Sklerodermie, einschließlich der Sonderform „en coup de sabre“ (lineare Sklerodermie im Bereich von Stirn/Kopfhaut).

KLINIK

  • Plaque-Morphea: umschriebene, indurierte, meist ovaläre Hautareale
  • Lineare Sklerodermie: bandförmig, häufig an Extremitäten, mit Risiko für Wachstumshemmung und Kontrakturen
  • „En coup de sabre“: säbelhiebartige lineare Läsion an Stirn/Kopfhaut
  • Initial entzündliches (erythematöses) Stadium, später Sklerose und Atrophie

BESONDERHEITEN „EN COUP DE SABRE“

  • Überlappung mit Parry-Romberg-Syndrom (progressive Hemiatrophie) möglich
  • Risiko für ZNS-Beteiligung: Krampfanfälle, Kopfschmerzen, MRT-Auffälligkeiten
  • Augenbeteiligung möglich (Uveitis, Episkleritis)
  • Interdisziplinäre Mitbetreuung durch Neuropädiatrie und Ophthalmologie empfohlen

🧬 Molekulargenetische Aspekte

Im Gegensatz zur systemischen Sklerose ist die genetische Grundlage der lokalisierten Sklerodermie deutlich weniger gut charakterisiert; eine eigenständige, reproduzierbare HLA-Assoziation ist nicht etabliert. Vereinzelt werden Zusammenhänge mit HLA-Klasse-II-Allelen diskutiert, die Datenlage gilt jedoch als vorläufig. Die Erkrankung wird nicht als klassisch vererbte monogene Störung, sondern als multifaktoriell (Trauma, lokale Autoimmunreaktion) eingeordnet.

Therapie: Bei aktiver linearer Sklerodermie (einschließlich „en coup de sabre“) gilt die Kombination aus Methotrexat (10–15 mg/m² KOF 1×/Woche s.c.) und initialer Kortikosteroid-Pulstherapie als Standard, um Progression und Wachstumsstörungen zu verhindern. Bei rein oberflächlicher Plaque-Morphea können topische Kortikosteroide oder Calcineurin-Inhibitoren ausreichen. Regelmäßige Verlaufsdokumentation (Fotografie, Hautscores) zur Aktivitätsbeurteilung; bei „en coup de sabre“ MRT-Verlaufskontrollen des Neurokraniums.

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Mixed Connective Tissue Disease (MCTD)

Die Mixed Connective Tissue Disease ist ein Überlappungssyndrom mit Merkmalen von SLE, systemischer Sklerose und Myositis, definiert durch das Vorliegen von Anti-U1-RNP-Antikörpern in hohem Titer. Der Verlauf im Kindesalter ist variabel und kann sich im Zeitverlauf in Richtung einer der Einzelerkrankungen entwickeln.

KLINIK

  • Raynaud-Phänomen (nahezu obligat)
  • „Puffy hands“ – teigige Fingerschwellung
  • Arthritis, häufig nicht-erosiv
  • Myositis mit proximaler Muskelschwäche
  • Sklerodaktylie im Verlauf möglich

ORGANBETEILIGUNG

  • Pulmonal-arterielle Hypertonie – wichtigste Mortalitätsursache
  • Interstitielle Lungenerkrankung
  • Serositis (Perikarditis, Pleuritis)
  • Nierenbeteiligung seltener und meist milder als beim SLE

🧬 Molekulargenetische Aspekte

Die MCTD zeigt eine der stärksten HLA-Assoziationen unter den Kollagenosen: HLA-DR4 (insbesondere DRB1*04:01) ist deutlich mit dem Vorliegen von Anti-U1-RNP-Antikörpern und der Krankheitsausprägung assoziiert. Dies unterscheidet die MCTD genetisch von den überlappenden Einzelerkrankungen SLE und Sklerodermie.

Therapie: Orientiert sich am führenden klinischen Bild – Hydroxychloroquin als Basistherapie, Kortikosteroide und Methotrexat bei Arthritis/Myositis, Mycophenolatmofetil oder Cyclophosphamid bei Lungen-/Organbeteiligung. Aufgrund des PAH-Risikos ist ein regelmäßiges kardiopulmonales Screening (Echokardiographie, Lungenfunktion) obligat, unabhängig von der aktuellen Symptomatik.

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Sjögren-Syndrom (juvenil)

Das juvenile Sjögren-Syndrom ist selten und unterscheidet sich klinisch vom Erwachsenen-Sjögren-Syndrom: Die klassische Sicca-Symptomatik (Xerostomie, Xerophthalmie) ist bei Kindern oft nur gering ausgeprägt oder fehlt, während rezidivierende Parotisschwellungen häufig das führende und oft erste Symptom darstellen.

KLINIK

  • Rezidivierende, meist schmerzlose Parotisschwellung
  • Sicca-Symptomatik meist mild oder subklinisch
  • Arthralgien/Arthritis möglich
  • Kutane Vaskulitis, Raynaud-Phänomen
  • Selten: renal-tubuläre Azidose

SEROLOGIE

  • Anti-Ro/SSA-Antikörper (häufig positiv)
  • Anti-La/SSB-Antikörper
  • ANA häufig positiv, Rheumafaktor gelegentlich positiv
  • Hypergammaglobulinämie
  • Cave: Anti-Ro-Positivität der Mutter → Risiko für neonatalen Lupus/kongenitalen AV-Block bei zukünftigen Schwangerschaften

🧬 Molekulargenetische Aspekte

Assoziation mit HLA-DR3/DQ2 sowie den Interferon-Signalweg-Genen IRF5 und STAT4, ähnlich der genetischen Architektur des SLE – was die häufige klinische und serologische Überlappung beider Krankheitsbilder (insbesondere über Anti-Ro/-La-Antikörper) erklären kann.

Therapie: Überwiegend symptomatisch (Tränenersatzmittel, Sialogoga, Mundhygiene). Hydroxychloroquin bei Gelenkbeschwerden und zur allgemeinen Krankheitskontrolle. Bei systemischer/extraglandulärer Beteiligung Kortikosteroide und ggf. Methotrexat oder Rituximab. Langfristiges Lymphom-Risiko ist überwiegend aus Erwachsenendaten bekannt; eine spezifische pädiatrische Vorsorgeempfehlung existiert nicht, eine langfristige Anbindung wird jedoch empfohlen.

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Undifferenzierte Kollagenose

Von einer undifferenzierten Kollagenose spricht man, wenn Zeichen einer autoimmunen Bindegewebserkrankung (z. B. Raynaud-Phänomen, Arthralgien, positive ANA) vorliegen, die klassifikatorischen Kriterien einer der definierten Kollagenosen (SLE, JDM, Sklerose, MCTD, Sjögren) jedoch nicht vollständig erfüllt sind.

Klinische Bedeutung: Ein Teil der Patient:innen entwickelt im Verlauf eine definierte Kollagenose, ein anderer Teil bleibt dauerhaft undifferenziert oder erreicht eine Remission. Regelmäßige klinische und serologische Verlaufskontrollen (ANA-Titer, Komplement, Organfunktion) sind daher auch ohne aktuelle Therapieindikation sinnvoll. Die Behandlung richtet sich pragmatisch nach den führenden Symptomen und folgt den Prinzipien der jeweils ähnlichsten definierten Kollagenose.

🧬 Molekulargenetische Aspekte

Da per Definition keine vollständige Erkrankungsausprägung vorliegt, existiert keine eigenständige genetische Signatur; häufig finden sich unspezifische Autoimmunitäts-assoziierte HLA-Konstellationen, wie sie auch bei den definierten Kollagenosen beschrieben sind.

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Diagnostik (allgemein)

  • Anamnese & klinische UntersuchungHautveränderungen (Exanthem, Sklerose, Ulzerationen), Raynaud-Phänomen, Muskelkraft, Gelenkstatus, Sicca-Symptomatik, Organsymptome (Dyspnoe, Ödeme, neurologische Auffälligkeiten), Familienanamnese für Autoimmunerkrankungen.
  • Autoantikörper-DiagnostikANA als Screening-Test, bei Positivität gezielte Bestimmung von Anti-dsDNA, Anti-Sm, Anti-U1-RNP, Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB, Anti-Scl-70, Anti-Zentromer sowie Myositis-spezifischen Antikörpern je nach klinischem Bild.
  • Komplement & BasislaborC3/C4 (Aktivitätsmarker bei SLE), Blutbild mit Differenzialblutbild, Coombs-Test, Muskelenzyme (CK, LDH, Aldolase, AST) bei V.a. Myositis, Urinstatus mit Protein-Kreatinin-Quotient.
  • OrgandiagnostikNierenbiopsie bei V.a. Lupusnephritis, MRT der Muskulatur (STIR-Sequenz) und ggf. Muskelbiopsie bei JDM, Lungenfunktion und HR-CT bei V.a. ILD, Echokardiographie zum PAH-Screening, Kapillarmikroskopie bei Raynaud-Phänomen/Sklerodermie-Verdacht.
  • Interdisziplinäre AnbindungJe nach Organbeteiligung Kooperation mit pädiatrischer Nephrologie, Neuropädiatrie, Pneumologie, Kardiologie, Dermatologie und Ophthalmologie – zentral für die langfristige Betreuung dieser Multisystemerkrankungen.
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Therapie – Stufenschema

Basis Hydroxychloroquin – Grundpfeiler bei praktisch allen ANA-positiven Kollagenosen

Dosierung ≤5 mg/kg/d Idealgewicht (max. 400 mg/d), unabhängig vom spezifischen Kollagenose-Subtyp. Wirkt immunmodulatorisch, reduziert Krankheitsschübe und hat einen günstigen Effekt auf kardiovaskuläre Risikofaktoren. Augenärztliche Baseline-Untersuchung vor Beginn, danach jährliches Screening auf Retinopathie ab dem 5. Therapiejahr (früher bei Risikofaktoren wie Niereninsuffizienz oder hoher Dosis).

Eskalation Kortikosteroide & klassische Immunsuppressiva

Kortikosteroide: Rückgrat der Akuttherapie bei allen aktiven Kollagenosen, Dosierung und Applikationsweg (oral vs. Pulstherapie) je nach Organbeteiligung und Schweregrad. Konsequentes Ausschleichen anstreben, um kumulative Toxizität zu begrenzen.

Methotrexat, Azathioprin, Mycophenolatmofetil, Cyclophosphamid: Auswahl je nach führender Organbeteiligung (Gelenke/Haut/Muskulatur vs. Niere/Lunge/ZNS) – siehe subtypspezifische Dosierungen in den jeweiligen Abschnitten.

Biologika Zielgerichtete Therapien bei refraktären Verläufen

Belimumab: B-Zell-aktivierender-Faktor-Inhibitor, zugelassen bei aktivem SLE ab 5 Jahren. Rituximab: B-Zell-Depletion, Off-Label-Einsatz bei refraktärem SLE und JDM. Anifrolumab: Anti-Typ-I-Interferon-Rezeptor-Antikörper, insbesondere bei ausgeprägter Interferon-Signatur. JAK-Inhibitoren (Baricitinib, Tofacitinib): Vielversprechend insbesondere bei monogenen Interferonopathien und therapierefraktärer Hautbeteiligung, pädiatrische Evidenz noch überwiegend aus Fallberichten/-serien.

Monitoring & Begleitmaßnahmen: Regelmäßige augenärztliche Kontrollen (HCQ-Retinopathie), Blutbild/Transaminasen/Nierenwerte unter Immunsuppression, Blutdruck- und Lipidkontrolle (kardiovaskuläres Risiko bei SLE erhöht), Knochendichtemessung bei Langzeit-Steroidtherapie, Impfstatus vor Immunsuppression vervollständigen (Lebendimpfungen vorher abschließen). Psychosoziale Unterstützung und strukturierte Transition in die Erwachsenenrheumatologie sind bei diesen oft lebenslang verlaufenden Erkrankungen von zentraler Bedeutung.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Zentren und Expert:innen für Kollagenosen im Kindesalter (SLE, juvenile Dermatomyositis, Sklerodermie, MCTD, Sjögren-Syndrom) in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aufgrund der Seltenheit dieser Krankheitsbilder wird eine Anbindung an spezialisierte kinderrheumatologische Zentren mit Erfahrung in der Kollagenose-Diagnostik und interdisziplinärer Organbetreuung dringend empfohlen.

🇩🇪

Deutschland

Prof. Dr. med. Johannes-Peter Haas
Ärztlicher Leiter / Kinder- und Jugendrheumatologie
Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie, Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen
Garmisch-Partenkirchen
Diagnostik und Therapie der juvenilen Dermatomyositis und weiterer seltener Kollagenosen; eines der größten Zentren für kindliche Kollagenosen im deutschsprachigen Raum.
JDMKollagenosen
Dr. med. Claas Hinze
Pädiatrische Rheumatologie und Immunologie
Universitätsklinikum Münster
Münster
Konsensbasierte Diagnostik- und Therapiestrategien für juvenile Dermatomyositis und systemische JIA; PRO-KIND-Projektgruppe.
JDMPRO-KIND
Dr. med. Kirsten Mönkemöller
Kinder- und Jugendrheumatologie
Kinderkrankenhaus der Stadt Köln, Amsterdamer Straße
Köln
Mitautorin der interdisziplinären S2k-Leitlinie zum juvenilen SLE (GKJR/GPN/AWMF); langjährige Transitionsbetreuung chronisch kranker Jugendlicher.
jSLE-LeitlinieTransition
Prof. Dr. med. Tilmann Kallinich
Sektionsleiter Rheumatologie / Systemrheumatologie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Berlin
Versorgungsforschung zum juvenilen SLE (ECHO-SLE-Projekt); chronische systemische Entzündungserkrankungen im Kindesalter.
jSLEECHO-SLE
Dr. med. Ivan Foeldvari
Kinder- und Jugendrheumatologie / Uveitis & Sklerodermie
Hamburger Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie
Hamburg
International anerkanntes Kompetenzzentrum für juvenile systemische und lokalisierte Sklerodermie; Studien zu Aktivitäts- und Schadensscores.
SklerodermieStudien
🇦🇹

Österreich

Univ.-Prof. Mag. Dr. Jürgen Brunner
Leitender Oberarzt Pädiatrische Rheumatologie
Univ.-Kinderklinik Innsbruck, Medizinische Universität Innsbruck
Innsbruck
Mitautor interdisziplinärer Praxisleitlinien zum patientenzentrierten Management des juvenilen SLE; Diagnostik seltener Kollagenosen.
jSLE-LeitlinieKollagenosen
PD Dr. med. Andrea Skrabl-Baumgartner
Kinderrheumatologische Ambulanz
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz
Graz
Diagnostik und Betreuung von Kindern mit SLE und weiteren Kollagenosen im Rahmen der GKJR-Kerndokumentation.
SLEKollagenosen
🇨🇭

Schweiz

PD Dr. med. Tatjana Welzel
Oberärztin Rheumatologie
Kinderspital Zürich (zuvor Universitäts-Kinderspital beider Basel, UKBB)
Zürich
Klinische Forschung zu Pharmakotherapie bei pädiatrisch-rheumatologischen Systemerkrankungen einschließlich Kollagenosen im Rahmen europäischer Studiennetzwerke.
KollagenosenPharmakotherapie
Prof. Dr. med. Michael Hofer
Médecin-agréé Pädiatrische Rheumatologie
RhumaKids Geneva Center for Pediatric Rheumatology / Centre hospitalier de Rennaz
Genf / Rennaz
Beteiligung an internationalen Kohortenstudien zur juvenilen systemischen Sklerodermie (Juvenile Systemic Sclerosis Inception Cohort) und weiteren seltenen Kollagenosen.
jSSc-KohorteSeltene Kollagenosen

Leitlinien & Referenzen: S2k-Leitlinie „Systemischer Lupus erythematodes mit Beginn im Kindes- und Jugendalter (jSLE)“, GKJR/GPN/AWMF 2025 · GKJR-Fachinformationen zu SLE, JDM und Kollagenosen · Hinze CH et al.: PRO-KIND-Konsensusstrategien · Aringer M et al.: EULAR/ACR-2019-SLE-Klassifikationskriterien · Bader-Meunier B et al.: juvenile Dermatomyositis-Übersichten · Foeldvari I et al.: juvenile Sklerodermie-Aktivitäts-/Schadensscores · Angaben zu Expert:innen und Zentren gemäß öffentlich zugänglichen Angaben der jeweiligen Kliniken/Fachgesellschaften (GKJR, DRFZ, UKM Münster), Stand der Recherche Juli 2026 – für aktuelle Sprechstundeninformationen bitte direkt bei der jeweiligen Klinik nachfragen.