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Grundlagen & Bedeutung

Die Lungenfunktionsdiagnostik im Kindesalter ist ein zentraler Baustein der pädiatrisch-pneumologischen Diagnostik und Verlaufskontrolle. Im Gegensatz zur Erwachsenenmedizin stellt die alters- und entwicklungsabhängige Kooperationsfähigkeit des Kindes die entscheidende Determinante dar, welche Methode zum Einsatz kommen kann.

Schlüsselkonzept – altersabhängige Methodenwahl: Während Schulkinder ab etwa 5–6 Jahren in der Regel eine kooperative Standard-Spirometrie durchführen können, benötigen Säuglinge und Vorschulkinder spezialisierte Verfahren, die entweder auf der natürlichen Ruheatmung basieren (Tidal-Atmungsanalyse, Lungenclearance-Index) oder eine Sedierung erfordern (Säuglings-Bodyplethysmographie). Diese Verfahren sind überwiegend spezialisierten Zentren vorbehalten.

5–6 Jahre
Übliches Mindestalter für zuverlässige Spirometrie
GLI-2012
Aktueller internationaler Referenzwert-Standard
3× Reproduzierbarkeit
Qualitätskriterium für verwertbare Spirometrie-Manöver
Zentrumsabhängig
Säuglings-/Vorschul-Lungenfunktion nur in spezialisierten Zentren
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Methoden nach Altersgruppe

Säuglinge & Kleinkinder (< 2–3 Jahre)

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Sedierte Säuglings-Lungenfunktion

Durchführung unter leichter Sedierung (z. B. Chloralhydrat) mittels Rapid-Thoraco-Abdominal-Compression-Technik (RTC) zur Messung forcierter exspiratorischer Flüsse – nur in spezialisierten Zentren verfügbar.

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Tidal-Atmungsanalyse

Nicht-invasive Analyse der Ruheatmungskurve (Fluss-Volumen-Schleife während normaler Atmung) – erfordert keine Sedierung, liefert jedoch weniger detaillierte Information als forcierte Manöver.

📊 Multiple-Breath-Washout (MBW)

Ermöglicht die Bestimmung des Lungenclearance-Index (LCI) bereits im Säuglings-/Kleinkindalter unter Ruheatmung, sensitiv für früh beginnende periphere Atemwegserkrankungen (z. B. Mukoviszidose).

Vorschulkinder (2–5 Jahre)

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Impulsoszillometrie (IOS)

Misst den Atemwegswiderstand während normaler Ruheatmung mittels aufgesetzter Schalldruckimpulse – erfordert nur minimale Kooperation und ist daher gut für Vorschulkinder geeignet.

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Spielerisch adaptierte Spirometrie

Bei guter Kooperation und geeigneter Anleitung (Anreiz-Software, Ausblastechniken) kann bei manchen Vorschulkindern bereits eine eingeschränkt verwertbare Spirometrie gelingen.

Schulkinder & Jugendliche (> 5–6 Jahre)

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Standard-Spirometrie

Goldstandard-Verfahren mit forcierter Ein- und Ausatmung zur Bestimmung von FEV₁, FVC und weiteren Flussparametern – zuverlässig ab ausreichender Kooperationsfähigkeit.

🫁 Bodyplethysmographie

Ergänzt die Spirometrie um die Bestimmung von Residualvolumen und Atemwegswiderstand – wichtig bei Verdacht auf Überblähung oder restriktive Ventilationsstörung.

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Spirometrie im Detail

Die Spirometrie ist das am häufigsten eingesetzte Verfahren zur Beurteilung der Lungenfunktion bei kooperationsfähigen Kindern.

ParameterBedeutungTypisches Muster bei Erkrankung
FEV₁ (forciertes exspiratorisches Volumen in 1 Sekunde) Zentraler Parameter zur Beurteilung der Atemwegsobstruktion Erniedrigt bei obstruktiven Erkrankungen (Asthma, Mukoviszidose)
FVC (forcierte Vitalkapazität) Maximal ausatembares Volumen nach maximaler Einatmung Erniedrigt bei restriktiven Erkrankungen (interstitielle Lungenerkrankungen)
FEV₁/FVC-Ratio (Tiffeneau-Index) Unterscheidung obstruktiv vs. restriktiv Erniedrigt bei obstruktiver, normal/erhöht bei restriktiver Ventilationsstörung
MEF25-75 (mittlerer exspiratorischer Fluss) Sensitiver Parameter für periphere kleine Atemwege Frühzeitig erniedrigt bei beginnender kleiner Atemwegsobstruktion

Reversibilitätstest

Nach Basisspirometrie wird ein kurzwirksamer Bronchodilatator (Salbutamol) inhaliert und die Messung nach 10–15 Minuten wiederholt. Eine FEV₁-Verbesserung ≥ 12 % gilt als positiver Reversibilitätstest und unterstützt die Diagnose eines Asthma bronchiale – ein negativer Test schließt Asthma jedoch nicht sicher aus.

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Weitere Verfahren

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Lungenclearance-Index (LCI)

Aus dem Multiple-Breath-Washout-Verfahren gewonnener Parameter, der die Ventilationsinhomogenität der peripheren Atemwege quantifiziert – besonders sensitiv für frühe Atemwegsveränderungen bei Mukoviszidose, auch bei normaler Spirometrie.

🫁

Bodyplethysmographie

Misst das intrathorakale Gasvolumen und den Atemwegswiderstand unabhängig von forcierten Atemmanövern – wichtig zur Detektion von Überblähung (Air trapping) bei obstruktiven Erkrankungen.

💨

Diffusionskapazität (DLCO)

Beurteilt den Gasaustausch über die Alveolarmembran – reduziert bei interstitiellen Lungenerkrankungen und pulmonalvaskulären Erkrankungen; Durchführung erfordert gute Kooperation.

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Belastungstest (Ergospirometrie/Laufbandtest)

Zur Objektivierung von belastungsinduziertem Asthma (EIB) oder zur Abklärung unklarer Belastungsdyspnoe – FEV₁-Abfall ≥ 10 % nach Belastung gilt als positiv für EIB.

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FeNO (fraktioniertes exhaliertes NO)

Nicht-invasiver Marker für eosinophile Atemwegsentzündung, unterstützt die Asthma-Diagnostik und Therapiesteuerung – kein Ersatz für Spirometrie, sondern ergänzendes Verfahren.

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Nasales Stickstoffmonoxid (nNO)

Screening-Test bei Verdacht auf primäre ciliäre Dyskinesie – deutlich erniedrigte Werte sind hochsuggestiv für PCD (siehe eigenständige Übersicht).

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Interpretation der Befunde

VentilationsmusterFEV₁FVCFEV₁/FVCTypische Erkrankungen
Obstruktiv Erniedrigt Normal/leicht erniedrigt Erniedrigt Asthma, Mukoviszidose, Bronchiektasen, Bronchiolitis obliterans
Restriktiv Erniedrigt (proportional zu FVC) Erniedrigt Normal/erhöht Interstitielle Lungenerkrankungen (chILD), Thoraxdeformitäten, neuromuskuläre Erkrankungen
Gemischt obstruktiv-restriktiv Erniedrigt Erniedrigt Variabel Fortgeschrittene Mukoviszidose, kombinierte Erkrankungen

Wichtiger Interpretationshinweis: Lungenfunktionswerte müssen immer im klinischen Gesamtkontext bewertet werden – ein normaler Befund schließt eine relevante zugrundeliegende Erkrankung nicht sicher aus (z. B. bei früher Bronchiektasen-Bildung mit noch kompensierter Spirometrie, aber bereits pathologischem LCI).

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Wichtige Indikationen

IndikationBevorzugtes Verfahren
Asthma-Diagnostik/-VerlaufskontrolleSpirometrie mit Reversibilitätstest, FeNO, ggf. Belastungstest
Mukoviszidose-VerlaufskontrolleSpirometrie, LCI (besonders sensitiv bei jungen Kindern/früher Erkrankung)
PCD-DiagnostikNasales NO als Screening, ergänzend Spirometrie im Verlauf
chILD/interstitielle LungenerkrankungenSpirometrie (restriktives Muster), DLCO, Säuglings-Lungenfunktion bei jungen Kindern
Bronchiolitis obliterans/BronchiektasenSpirometrie mit fehlender Reversibilität als Hinweis auf fixierte Obstruktion
Präoperative RisikoeinschätzungSpirometrie, ggf. Bodyplethysmographie je nach geplanter Operation
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Grenzen & Fehlerquellen

🎯

Kooperationsabhängigkeit

Unzureichende Anstrengung oder fehlerhafte Technik können falsch-niedrige Werte vortäuschen – qualifiziertes, kindgerechtes Coaching ist essenziell für valide Ergebnisse.

📏

Referenzwert-Unsicherheiten

Bei sehr kleinen oder untergewichtigen Kindern sowie bei extremen Wachstumsverläufen (z. B. nach Frühgeburtlichkeit) können Referenzwertberechnungen an Grenzen stoßen.

⏱️ Tagesschwankungen

Lungenfunktionswerte können zirkadianen Schwankungen unterliegen – Verlaufsmessungen sollten möglichst zu ähnlichen Tageszeiten erfolgen.

🔍

Fehlende Frühsensitivität

Die konventionelle Spirometrie kann bei früher, auf die kleinen Atemwege beschränkter Erkrankung noch normal sein – sensitivere Verfahren (LCI, Impulsoszillometrie) können hier zusätzliche Information liefern.

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Expertenzentren D-A-CH

Spezialisierte pädiatrisch-pneumologische Lungenfunktionslabore mit Säuglings- und Vorschul-Lungenfunktionsdiagnostik.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. Monika Gappa
Kinderpneumologin
Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf
DÜSSELDORF
Lungenfunktionsdiagnostik; Säuglings-Lungenfunktion
Lungenfunktion
Prof. Dr. Erika von Mutius
Pädiatrische Pneumologie
Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU München
MÜNCHEN
Lungenfunktionsforschung; Kohortenstudien
Forschung
🇦🇹 Österreich
Dr. Ernst Eber
Pädiatrische Pneumologie
Medizinische Universität Graz
GRAZ
Lungenfunktionsdiagnostik im Kindesalter
Lungenfunktion
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. Alexander Moeller
Leiter Kinderpneumologie
Universitäts-Kinderspital Zürich (Kispi)
ZÜRICH
Säuglings-Lungenfunktion; LCI-Diagnostik
Säuglings-Lungenfunktion
Prof. Dr. Claudia Kuehni
Epidemiologie & Pädiatrische Pneumologie
Universität Bern / Inselspital
BERN
Lungenfunktions-Epidemiologie; Referenzwertforschung
Epidemiologie

Fachgesellschaften & Referenzorganisationen: GPP – Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie · Global Lung Function Initiative (GLI) · ERS Task Force Lung Function Testing in Preschool Children · ATS/ERS Standardization of Spirometry