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Grundlagen & Definition

Chronischer Husten im Kindesalter ist definiert als Husten mit einer Dauer von > 4 Wochen. Er zählt zu den häufigsten Vorstellungsgründen in der pädiatrischen Praxis und erfordert ein strukturiertes diagnostisches Vorgehen, da die zugrundeliegenden Ursachen von harmlosem postinfektiösem Husten bis zu ernsthaften chronischen Lungen- oder Systemerkrankungen reichen.

Schlüsselkonzept – Husten ist ein Symptom, keine Diagnose: Chronischer Husten stellt selbst keine eigenständige Erkrankung dar, sondern ein Leitsymptom, das eine systematische Ursachensuche erfordert. Der erste und wichtigste diagnostische Schritt ist die Unterscheidung zwischen feuchtem (produktivem) und trockenem Husten, da dies die weitere Abklärungsrichtung maßgeblich bestimmt.

> 4 Wochen
Definitionskriterium für „chronisch"
Häufigster
Vorstellungsgrund in der ambulanten Pädiatrie
Feucht vs. trocken
Zentrale erste diagnostische Weichenstellung
Multifaktoriell
Häufig mehrere beitragende Faktoren gleichzeitig
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Klassifikation nach Hustencharakter

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Feuchter/produktiver Husten

Weist auf eine zugrundeliegende Atemwegs-/Lungenerkrankung mit vermehrter Sekretproduktion hin (z. B. protrahierte bakterielle Bronchitis, Bronchiektasen, Mukoviszidose). Erfordert eine aktive diagnostische Abklärung.

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Trockener Husten

Häufiger mit Asthma, postinfektiöser Hyperreagibilität, Reizstoffexposition oder – seltener – psychogenem Husten assoziiert. Abklärungsintensität richtet sich nach Begleitsymptomen und Alarmzeichen.

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„Bellender" Husten

Charakteristisch für Tracheomalazie/Bronchomalazie oder subglottische Prozesse – Klang oft wegweisend für die Lokalisation.

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Staccato-/Stakkatohusten

Charakteristisch für Pertussis (paroxysmal, mit inspiratorischem Ziehen) oder Chlamydien-Pneumonie im Säuglingsalter.

Weitere klassifizierende Merkmale

MerkmalDiagnostischer Hinweis
Nächtliches Auftreten/VerstärkungAsthma, gastroösophagealer Reflux, postnasales Sekret bei Sinusitis
Auftreten nur beim Essen/TrinkenAspiration, tracheoösophageale Fistel (H-Typ), Schluckstörung
Verschwindet im SchlafHinweis auf psychogenen/habituellen Husten
BelastungsabhängigBelastungsinduziertes Asthma, kardiale Ursache (selten)
Seit Geburt/früher Säuglingszeit bestehendKongenitale Atemwegs-/Lungenfehlbildung, PCD, Surfactant-Erkrankung
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Diagnostischer Algorithmus

  1. Strukturierte Anamnese Hustencharakter (feucht/trocken/bellend/paroxysmal), Beginn und Dauer, Trigger-Muster, Symptombeginn (seit Geburt vs. später erworben), Wachstums-/Gedeihverlauf, Rauchexposition, Familienanamnese für Atopie/genetische Erkrankungen.
  2. Körperliche Untersuchung Auskultation, Inspektion auf Trommelschlegelfinger/Uhrglasnägel, Wachstumskurven, HNO-Status (Nasenpolypen, Sinusitis-Zeichen), Herzauskultation.
  3. Basisdiagnostik Röntgen-Thorax bei jedem chronischen Husten unklarer Ursache; Spirometrie mit Reversibilitätstest ab Kooperationsalter (≥ 5–6 Jahre).
  4. Gezielte Zusatzdiagnostik nach Verdachtsdiagnose Schweißtest (Mukoviszidose-Ausschluss), Allergiediagnostik, pH-Metrie/Impedanzmessung (Reflux), nasales NO (PCD), Immunglobuline (Immundefekt), HR-CT (Bronchiektasen, interstitielle Erkrankung) – siehe jeweilige Übersichten.
  5. Bronchoskopie (bei spezifischem Verdacht) Bei Verdacht auf Fremdkörperaspiration, strukturelle Atemwegsanomalie (Malazie, Stenose) oder zur Gewinnung von bronchoalveolärer Lavage bei unklarer chronischer Lungenerkrankung.
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Ursachen nach Altersgruppe

AltersgruppeHäufige Ursachen
Säuglinge (< 1 Jahr) Kongenitale Atemwegsfehlbildung, Tracheo-/Bronchomalazie, gastroösophagealer Reflux, angeborene Infektion (Chlamydien-Pneumonie), PCD
Kleinkinder (1–5 Jahre) Rezidivierende obstruktive Bronchitis, Fremdkörperaspiration, protrahierte bakterielle Bronchitis, beginnendes Asthma
Schulkinder (> 5 Jahre) Asthma bronchiale, postinfektiöser Husten, allergische Rhinitis mit postnasalem Sekret, psychogener Husten, Mykoplasmen-Infektion
Alle Altersgruppen Mukoviszidose, Bronchiektasen, Tuberkulose, chronische Aspiration, Passivrauchexposition
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Alarmzeichen (Red Flags)

Bestimmte Begleitbefunde sollten eine aktive, zügige Ursachensuche statt eines abwartenden Verhaltens auslösen.

ALLGEMEINE ALARMZEICHEN

  • Gedeihstörung/Gewichtsverlust
  • Trommelschlegelfinger/Uhrglasnägel
  • Hämoptyse
  • Persistierendes Fieber

ANAMNESTISCHE ALARMZEICHEN

  • Symptombeginn bereits in der Neonatalperiode
  • Beobachtetes Erstickungs-/Hustenereignis (Fremdkörperaspiration)
  • Bekannter Immundefekt oder TB-Kontakt
  • Rezidivierende Pneumonien im gleichen Lungenareal

BEFUNDBEZOGENE ALARMZEICHEN

  • Fokaler statt diffuser Auskultationsbefund
  • Auffälliger Röntgen-Thorax-Befund
  • Thoraxdeformität
  • Fehlendes Ansprechen auf adäquate empirische Therapie
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Differenzialdiagnosen im Detail

ErkrankungWegweisende KlinikSchlüsseldiagnostik
Protrahierte bakterielle Bronchitis Feuchter Husten > 4 Wochen, gutes Ansprechen auf 2-wöchige Antibiotikatherapie Therapieansprechen, ggf. HR-CT zum Bronchiektasen-Ausschluss
Asthma bronchiale Episodisches Giemen, Atopie-Anamnese, Trigger-Muster Spirometrie mit Reversibilität, FeNO, Allergiediagnostik
Gastroösophagealer Reflux Postprandialer Husten, Regurgitation, nächtliche Verstärkung pH-Metrie/Impedanzmessung
Allergische Rhinitis/postnasales Sekret Nasenobstruktion, Räuspern, nächtlicher Husten Klinische Untersuchung, Allergiediagnostik
Mukoviszidose Gedeihstörung, fettige Stühle, feuchter Husten seit früher Kindheit Schweißtest, CFTR-Genetik
Psychogener/habitueller Husten Verschwindet im Schlaf, oft charakteristischer „honkender" Klang, psychosoziale Belastungsfaktoren Ausschlussdiagnose nach Abklärung organischer Ursachen
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Stufenweises Vorgehen

Das therapeutische Vorgehen richtet sich streng nach der identifizierten Grunderkrankung. Ein empirischer Therapieversuch kann in bestimmten Konstellationen sinnvoll sein.

  • SCHRITT 1 Basisabklärung & Alarmzeichen-Screening

    Strukturierte Anamnese und körperliche Untersuchung zur Klassifikation (feucht/trocken) und Identifikation von Alarmzeichen. Bei Vorliegen von Red Flags: zügige, aktive weiterführende Diagnostik statt Zuwarten.

    Anamnese, Untersuchung, Basis-Röntgen
  • SCHRITT 2 Empirischer Therapieversuch (bei fehlenden Alarmzeichen)

    Bei feuchtem Husten ohne Alarmzeichen: 2-wöchiger Antibiotikaversuch (Verdacht protrahierte bakterielle Bronchitis). Bei trockenem Husten mit Atopiehinweisen: Therapieversuch mit ICS (Asthma-Verdacht). Klares Therapieansprechen unterstützt die Verdachtsdiagnose retrospektiv.

    Zeitlich begrenzter, zielgerichteter Therapieversuch
  • SCHRITT 3 Erweiterte Diagnostik bei fehlendem Ansprechen

    Bei fehlendem Ansprechen auf den initialen Therapieversuch oder bei Vorliegen von Alarmzeichen: gezielte Zusatzdiagnostik entsprechend der wahrscheinlichsten Differenzialdiagnosen (siehe Abschnitt 6), ggf. Überweisung an ein pädiatrisch-pneumologisches Zentrum.

    Individualisierte, ursachenorientierte Diagnostik
  • SCHRITT 4 Spezifische Therapie der Grunderkrankung

    Nach Identifikation der zugrundeliegenden Ursache erfolgt die spezifische, leitliniengerechte Therapie der jeweiligen Erkrankung (siehe entsprechende Einzelübersichten zu Asthma, Mukoviszidose, PCD, Reflux etc.).

    Ursachenspezifische Therapie
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Expertenzentren D-A-CH

Bei unklarem chronischem Husten nach Basisabklärung ist die Anbindung an ein spezialisiertes pädiatrisch-pneumologisches Zentrum empfohlen.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. Monika Gappa
Kinderpneumologin
Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf
DÜSSELDORF
Chronischer Husten; Differenzialdiagnostik seltener Atemwegserkrankungen
Differenzialdiagnostik
🇦🇹 Österreich
Prim. Dr. Angela Zacharasiewicz
Leiterin Pädiatrische Pneumologie & Allergologie
Wilhelminenspital Wien
WIEN
Chronischer Husten; Leitlinienarbeit
Leitlinien
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. Alexander Moeller
Leiter Kinderpneumologie
Universitäts-Kinderspital Zürich (Kispi)
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Differenzialdiagnostik chronischer Atemwegssymptome
Differenzialdiagnostik

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