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Grundlagen & Pathophysiologie

Der Fieberkrampf ist definiert als zerebraler Krampfanfall, der im Rahmen einer fieberhaften Erkrankung (meist >38 °C) bei Kindern zwischen 6 Monaten und 5–6 Jahren auftritt, ohne dass eine intrakranielle Infektion, eine akute metabolische Entgleisung oder eine vorbestehende afebrile Epilepsie vorliegt. Er ist das häufigste konvulsive Ereignis des Kleinkindalters und in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle prognostisch günstig.

2–5 %
aller Kinder bis zum 5. Lebensjahr betroffen
12–18 Mon.
Häufigkeitsgipfel des Ersteignisses
~70–75 %
einfache (unkomplizierte) Fieberkrämpfe
~30–40 %
Rezidivrisiko nach Ersteignis

Klassifikation

TypAnteilDefinitionPrognostische Bedeutung
Einfacher (unkomplizierter) Fieberkrampf~70–75 %Generalisiert (meist tonisch-klonisch), Dauer <15 Minuten, kein Rezidiv innerhalb 24 Stunden, vollständige Erholung ohne postiktale AuffälligkeitSehr gute Prognose; minimal erhöhtes Epilepsierisiko (~1–2 %, entspricht annähernd der Normalbevölkerung)
Komplizierter (komplexer) Fieberkrampf~25–30 %Fokale Anfallssemiologie, Dauer >15 Minuten, oder mehrfaches Auftreten innerhalb 24 StundenHöheres Epilepsierisiko (~4–15 % je nach Anzahl der Risikomerkmale); erweiterte Diagnostik meist indiziert
Febriler Status epilepticusselten (~5 % aller Fieberkrämpfe)Anfallsdauer >30 Minuten bzw. keine vollständige Erholung des Bewusstseins zwischen wiederholten AnfällenErfordert notfallmäßige Therapie; assoziiert mit erhöhtem Risiko für spätere Temporallappenepilepsie bei prädisponierenden Faktoren (z. B. Hippokampusanomalien)

Pathophysiologie

🌡️

Unreifes Fieberregulationszentrum

Das unreife kindliche Gehirn reagiert im sensiblen Entwicklungsfenster (6 Monate bis 5–6 Jahre) mit erhöhter neuronaler Erregbarkeit auf den raschen Temperaturanstieg – nicht die absolute Fieberhöhe, sondern insbesondere die Anstiegsgeschwindigkeit scheint relevant.

🧬

Genetische Prädisposition

Familiäre Häufung in bis zu 25–40 % der Fälle; polygener Erbgang mit Kandidatengenen u. a. im Bereich von Ionenkanälen (z. B. SCN1A-assoziierte Spektrumserkrankungen bei atypischen/schweren Verläufen wie GEFS+ oder Dravet-Syndrom).

🦠

Auslösende Infektionen

Meist virale Infekte der oberen Atemwege, Otitis media, Roseola infantum (HHV-6/7) oder Gastroenteritiden; die Fieberhöhe zum Zeitpunkt des Anfalls ist individuell sehr unterschiedlich.

💉

Impfassoziierte Fieberkrämpfe

Selten nach Masern-Mumps-Röteln(-Varizellen)-Impfung (Fieberanstieg 7–10 Tage post-vakzinal) oder Ganzkeim-Pertussis-Impfstoffen; Prognose identisch zu infektassoziierten Fieberkrämpfen, keine Kontraindikation für Folgeimpfungen.

🔥

Zytokin-vermittelte Hyperexzitabilität

Proinflammatorische Zytokine (u. a. IL-1β) senken vermutlich die neuronale Krampfschwelle zusätzlich zur reinen Temperaturwirkung und tragen zur erhöhten Anfallsbereitschaft im fieberhaften Infekt bei.

👨‍👩‍👧

Familienanamnese als Leitbefund

Positive Familienanamnese für Fieberkrämpfe bei Eltern oder Geschwistern ist der stärkste bekannte Risikofaktor für ein Ersteignis und für Rezidive.

Wichtige Abgrenzung: Die Diagnose „Fieberkrampf" setzt definitionsgemäß das Fehlen einer ZNS-Infektion (Meningitis, Enzephalitis) voraus. Insbesondere bei Säuglingen unter 12–18 Monaten können klassische Meningitiszeichen fehlen, sodass die klinische Abgrenzung besondere Sorgfalt erfordert.

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Klinische Symptome

Das klinische Bild wird maßgeblich durch die Unterscheidung zwischen einfachem und kompliziertem Fieberkrampf geprägt, die für die weitere Diagnostik und Risikoeinschätzung entscheidend ist.

Einfacher Fieberkrampf

  • Generalisiert tonisch-klonisch (symmetrisch)
  • Dauer typischerweise 1–5 Minuten, immer <15 Minuten
  • Kein Rezidiv innerhalb von 24 Stunden
  • Bewusstseinsverlust während des Anfalls
  • Kurze postiktale Müdigkeit/Schläfrigkeit, rasche vollständige Erholung
  • Meist zu Beginn eines fieberhaften Infekts

Komplizierter Fieberkrampf

  • Fokale Anfallssemiologie (z. B. einseitige Kloni, Kopf-/Blickwendung)
  • Anfallsdauer >15 Minuten
  • Mehrfaches Auftreten innerhalb von 24 Stunden
  • Postiktale Todd-Parese möglich (passagere fokale Schwäche)
  • Verzögerte oder unvollständige Erholung des Bewusstseins
  • Auffällige neurologische Untersuchung im Intervall

Begleitsymptome des fieberhaften Infekts

  • Rascher Temperaturanstieg (oft >38,5–39 °C)
  • Zeichen des zugrundeliegenden Infekts (Schnupfen, Husten, Otoskopiebefund, Exanthem)
  • Reduzierter Allgemeinzustand vor dem Ereignis
  • Häufig Erstmanifestation zu Beginn des fieberhaften Infekts, bevor Fieber bemerkt wurde

Warnzeichen für alternative Diagnose

  • Meningismus, gespannte/vorgewölbte Fontanelle
  • Anhaltend eingeschränkte Vigilanz >1 Stunde nach Anfallsende
  • Petechien/Purpura (Hinweis auf Meningokokkensepsis)
  • Fokal-neurologisches Defizit, das nicht rasch reversibel ist
  • Alter <6 Monate oder >6 Jahre bei Erstereignis

Zeitlicher Zusammenhang: Der Fieberkrampf tritt meist innerhalb der ersten 24 Stunden eines fieberhaften Infekts auf, nicht selten sogar bevor die Eltern das Fieber überhaupt bemerkt haben – der Anfall selbst ist dann das erste Krankheitszeichen.

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Diagnostik

Die Diagnostik des Fieberkrampfs ist in erster Linie eine klinische Ausschlussdiagnostik: Im Vordergrund steht die sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung zur Abgrenzung von potenziell gefährlichen Differenzialdiagnosen, insbesondere der ZNS-Infektion. Apparative Zusatzdiagnostik ist beim klassischen einfachen Fieberkrampf mit unauffälligem neurologischem Befund in aller Regel nicht erforderlich.

  1. AnamneseAnfallssemiologie (Dauer, Fokalität, Bewusstseinslage), Fieberverlauf, vorausgegangene Impfungen, Familienanamnese für Fieberkrämpfe/Epilepsie, Vorerkrankungen, Entwicklungsstand
  2. Körperliche & neurologische UntersuchungMeningismuszeichen, Fontanelle (bei Säuglingen), Vigilanz, fokal-neurologischer Befund, Fokussuche des fieberhaften Infekts (HNO-Status, Auskultation, Haut)
  3. Lumbalpunktion – gezielte IndikationBei klinischen Meningismuszeichen, Alter <6–12 Monaten mit unsicherer klinischer Beurteilbarkeit, fehlender Erholung des Bewusstseins oder Vorbehandlung mit Antibiotika (kaschierte Meningitiszeichen); nicht routinemäßig bei klassischem einfachem Fieberkrampf
  4. LabordiagnostikNicht routinemäßig erforderlich bei einfachem Fieberkrampf; Blutzucker, Elektrolyte, Blutbild und CRP gezielt bei klinischem Verdacht auf zugrundeliegende Erkrankung oder unklarem Fokus
  5. Bildgebung (cCT/cMRT)Nicht indiziert bei einfachem Fieberkrampf; erwägen bei komplizierten Fieberkrämpfen mit persistierendem fokal-neurologischem Defizit oder Verdacht auf strukturelle Läsion
  6. EEGNicht routinemäßig indiziert, auch nicht nach kompliziertem Fieberkrampf mit unauffälliger Erholung; Erwägung bei atypischem Verlauf, deutlichem Entwicklungsrückstand oder Verdacht auf zugrundeliegendes Epilepsiesyndrom

Zurückhaltung als Prinzip: Internationale Leitlinien (u. a. AAP, DGKJ) betonen ausdrücklich, dass beim klassischen einfachen Fieberkrampf mit unauffälliger neurologischer Untersuchung und raschem Erwachen keine routinemäßige Lumbalpunktion, Bildgebung oder EEG-Ableitung erforderlich ist – die Diagnostik richtet sich primär auf die Fokussuche des fieberhaften Infekts.

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Risikofaktoren & Rezidiv

Die Rezidivwahrscheinlichkeit sowie das spätere Epilepsierisiko lassen sich anhand klinisch gut etablierter Risikofaktoren abschätzen und sind zentrale Inhalte der Elternberatung.

Risikofaktoren für ein Rezidiv

~50 %

Erstereignis <12 Monate

Je jünger das Kind beim Ersteignis, desto höher das Rezidivrisiko innerhalb der folgenden Fieberepisoden.

↑ deutlich

Positive Familienanamnese

Fieberkrämpfe bei Eltern oder Geschwistern erhöhen das Rezidivrisiko signifikant.

↑ moderat

Niedrige Fieberschwelle beim Ersteignis

Anfall bei vergleichsweise niedriger Körpertemperatur spricht für niedrigere individuelle Krampfschwelle.

↑ moderat

Kurzes Intervall Fieberbeginn–Anfall

Anfall innerhalb weniger Stunden nach Fieberbeginn erhöht die Rezidivwahrscheinlichkeit.

~30–40 %

Gesamtes Rezidivrisiko

Über alle Kinder nach einem ersten Fieberkrampf gemittelt; bei Vorliegen mehrerer Risikofaktoren deutlich höher.

Kein Zusammenhang

Fieberhöhe allein

Die absolute maximale Temperatur korreliert nur schwach mit dem Rezidivrisiko; die Anstiegsgeschwindigkeit scheint relevanter.

Späteres Epilepsierisiko

KonstellationEpilepsierisiko im weiteren LebenEinordnung
Einfacher Fieberkrampf, keine weiteren Risikofaktoren~1–2 %Annähernd Bevölkerungsrisiko (~1 %); keine spezifische Überwachung erforderlich
Komplizierter Fieberkrampf (ein Risikomerkmal)~4–6 %Leicht erhöhtes Risiko, insbesondere bei fokaler Semiologie
Mehrere komplizierte Merkmale kombiniert + Entwicklungsauffälligkeit + Familienanamnese für Epilepsie~10–15 %Deutlichste Risikoerhöhung; engmaschigere neuropädiatrische Verlaufskontrolle sinnvoll
Febriler Status epilepticus mit Hippokampusanomalie im MRTErhöht, insbesondere für mesiale TemporallappenepilepsieGegenstand aktueller Forschung (u. a. FEBSTAT-Studie); Langzeit-Follow-up empfohlen
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Akutmanagement

Die meisten Fieberkrämpfe sind bei Eintreffen des Rettungsdienstes oder in der Klinik bereits sistiert. Das akute Management richtet sich nach der Anfallsdauer und zielt auf rasche Anfallsdurchbrechung bei prolongiertem Verlauf sowie supportive Maßnahmen.

Basismaßnahmen0–3 Min.
Notfallmedikationab ca. 5 Min.
Zweite Gabebei Persistenz
Status-Therapie>30 Min.
  1. Schritt 1Basismaßnahmen & Schutz vor Verletzung

    Ziel: Sicherung des Kindes, Zeitmessung, Beobachtung der Anfallssemiologie. Elemente: Stabile Seitenlage sobald möglich, Schutz vor Verletzung, keine Gegenstände in den Mund, Freihalten der Atemwege, engmaschige Beobachtung von Atmung und Hautkolorit, Zeitmessung ab Anfallsbeginn.

  2. Schritt 2Medikamentöse Durchbrechung ab ~5 Minuten

    Ziel: Verhinderung eines prolongierten Anfalls/Status epilepticus. Elemente: Benzodiazepine als Mittel der ersten Wahl – bukkales/nasales Midazolam oder rektales Diazepam (auch für die häusliche Notfalltherapie durch Eltern nach Anleitung geeignet); intravenöses Lorazepam bei bestehendem venösem Zugang in der Klinik.

  3. Schritt 3Zweite Benzodiazepin-Gabe bei Persistenz

    Ziel: Anfallskontrolle bei fehlendem Ansprechen auf erste Gabe. Elemente: Wiederholung nach ca. 5–10 Minuten bei anhaltendem Anfall; parallel Vorbereitung der Klinikeinweisung bzw. Verlegung auf eine Überwachungsstation, falls noch nicht erfolgt.

  4. Schritt 4Therapie des febrilen Status epilepticus (>30 Min.)

    Ziel: Beendigung eines therapierefraktären Anfalls. Elemente: Eskalation nach pädiatrischem Status-epilepticus-Algorithmus (z. B. Phenytoin/Fosphenytoin, Levetiracetam oder Valproat intravenös als zweite Stufe), intensivmedizinische Überwachung, Fokussuche für den zugrundeliegenden Infekt parallel fortführen.

  5. BegleitendFiebersenkung & Fokusbehandlung

    Hinweis: Antipyretika (Paracetamol, Ibuprofen) lindern das Unwohlsein, verhindern nach aktueller Studienlage jedoch keinen weiteren Fieberkrampf und sollten nicht als Präventionsmaßnahme kommuniziert werden. Behandlung des zugrundeliegenden fieberhaften Infekts nach klinischem Befund.

Klinikeinweisung: Bei komplizierten Fieberkrämpfen, Erstereignis, febrilem Status epilepticus, unsicherer häuslicher Betreuungssituation oder unklarem Infektfokus ist eine stationäre Abklärung indiziert. Bei klassischem einfachem Fieberkrampf mit rascher vollständiger Erholung und gesichertem Infektfokus ist nach ambulanter Beobachtung eine Entlassung mit Elternberatung meist möglich.

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Differenzialdiagnose

Die wichtigste und potenziell gefährlichste Differenzialdiagnose ist die ZNS-Infektion (bakterielle Meningitis, virale Enzephalitis), die insbesondere bei jungen Säuglingen klinisch maskiert sein kann und in jedem Zweifelsfall aktiv ausgeschlossen werden muss.

DifferenzialdiagnoseUnterscheidungsmerkmaleAbklärung
Bakterielle Meningitis / virale EnzephalitisMeningismus, gespannte Fontanelle, anhaltend eingeschränkte Vigilanz, fokal-neurologische Defizite, reduzierter Allgemeinzustand, der über den Anfall hinausgehtLumbalpunktion, ggf. Bildgebung, Liquordiagnostik; bei geringstem Zweifel großzügige Indikation
Afebrile Epilepsie mit zufälligem FieberAnfall ohne engen zeitlichen Bezug zum Fieberanstieg, Entwicklungsauffälligkeiten, bereits vorbestehende Anfälle ohne FieberAusführliche Anamnese, ggf. EEG bei Verdacht auf zugrundeliegendes Epilepsiesyndrom
Fieberassoziierte Synkope / AffektkrampfKurzzeitiger Bewusstseinsverlust ohne klassische tonisch-klonische Motorik, oft situativ getriggert (Schmerz, Schreck)Detaillierte Fremdanamnese der Anfallssemiologie
Dravet-Syndrom / GEFS+ (bei atypischem Verlauf)Sehr frühes Erstereignis (<6 Monate), prolongierte oder hemiklonische Anfälle, spätere afebrile Anfälle, EntwicklungsstagnationNeuropädiatrische Vorstellung, ggf. genetische Diagnostik (SCN1A) bei entsprechendem Verdachtsprofil
Metabolische Entgleisung (Hypoglykämie, Elektrolytstörung)Anfall ohne adäquaten Fieberbezug, bekannte Stoffwechselerkrankung, begleitende Symptome wie Erbrechen/Diarrhö mit ExsikkoseBlutzucker, Elektrolyte, gezielte Stoffwechseldiagnostik bei Verdacht
Schüttelfrost / Zittern bei hohem FieberErhaltenes Bewusstsein während des Ereignisses, kein postiktaler ZustandKlinische Beobachtung, Fremdanamnese

Sicherheitsprinzip: Insbesondere bei Säuglingen unter 12 Monaten kann eine beginnende Meningitis mit einem klinisch weitgehend unauffälligen Bild einhergehen. Im Zweifel gilt daher: lieber eine großzügige Indikation zur Lumbalpunktion stellen, als eine ZNS-Infektion zu übersehen.

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Therapie & Prophylaxe

Die Behandlung des einfachen Fieberkrampfs ist überwiegend abwartend und beratend: Eine dauerhafte antikonvulsive Prophylaxe wird aufgrund des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses bei ganz überwiegend gutartigem Verlauf heute nicht mehr empfohlen.

Therapeutische Prinzipien

Nicht empfohlen

Dauerprophylaxe mit Antikonvulsiva

Weder kontinuierliche Gabe von Valproat/Phenobarbital noch intermittierende fiebersynchrone Prophylaxe werden aufgrund von Nebenwirkungsrisiko bei fehlendem Langzeitnutzen (kein Effekt auf spätere Epilepsieentwicklung) routinemäßig empfohlen.

Einzelfallentscheidung

Bedarfsmedikation für Eltern

Verordnung von bukkalem/nasalem Midazolam oder rektalem Diazepam zur häuslichen Anwendung bei Kindern mit hohem Rezidivrisiko oder belastender Anfallshistorie (z. B. vorausgegangener febriler Status epilepticus), nach entsprechender Elternschulung.

Zentral

Antipyretika – Symptomlinderung, keine Prävention

Paracetamol/Ibuprofen verbessern das Wohlbefinden des Kindes, verhindern jedoch nachweislich keinen erneuten Fieberkrampf – dies sollte Eltern explizit vermittelt werden, um falsche Erwartungen zu vermeiden.

Elternberatung

Gutartigkeit vermitteln

Aktive Aufklärung, dass der einfache Fieberkrampf keine bleibenden Hirnschäden verursacht und die kognitive Entwicklung nicht beeinträchtigt – zentrale Botschaft zur Reduktion elterlicher Angst.

📋

Verhalten im Akutfall

Praktische Anleitung zu stabiler Seitenlage, Zeitmessung, Schutz vor Verletzung sowie klarer Handlungsanweisung, ab welcher Anfallsdauer der Rettungsdienst zu alarmieren bzw. die Notfallmedikation zu verabreichen ist.

🌡️

Fiebermanagement

Aufklärung, dass Fiebersenkung dem Wohlbefinden dient, aber keinen Fieberkrampf verhindert; keine übertriebene "Fieberphobie" fördern.

💉

Impfungen fortführen

Ein stattgehabter Fieberkrampf ist keine Kontraindikation für den regulären Impfkalender; ggf. gezielte zeitliche Abstimmung bei sehr ängstlichen Familien in Rücksprache mit dem Kinderarzt.

Verlaufsperspektive: Fieberkrämpfe treten definitionsgemäß nur bis zum 5.–6. Lebensjahr auf; die meisten Kinder "wachsen aus" der Prädisposition heraus. Eine langfristige neuropädiatrische Betreuung ist bei einfachem Verlauf ohne Zusatzrisiken in der Regel nicht erforderlich.

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Experten & Zentren

Der unkomplizierte Fieberkrampf wird in der Regel primär kinderärztlich bzw. in der pädiatrischen Notaufnahme betreut. Bei komplizierten Verläufen, Rezidiven mit Risikofaktoren oder Verdacht auf ein zugrundeliegendes Epilepsiesyndrom erfolgt die Anbindung an spezialisierte neuropädiatrische Zentren.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. Gerhard Kluger
Neuropädiatrie / Epileptologie
Schön Klinik Vogtareuth, Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche
VOGTAREUTH
Spezialisierte Abklärung komplizierter Fieberkrämpfe und febriler Anfallssyndrome; Differenzierung zu genetischen Epilepsiesyndromen im Säuglingsalter
Epilepsiezentrum KinderFieberkrampf-Differenzierung
Prof. Dr. Sebastian Schäper
Sozialpädiatrie / Neuropädiatrie
Universitätsklinikum, diverse SPZ-Standorte
DEUTSCHLANDWEIT
Ambulante neuropädiatrische Verlaufsbetreuung nach kompliziertem Fieberkrampf; Elternberatung und Risikoeinschätzung
VerlaufsbetreuungElternberatung
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Martha Feucht
Pädiatrische Neurologie / Epileptologie
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, AKH Wien
WIEN
Langjährige Expertise in pädiatrischer Epileptologie inkl. Abgrenzung Fieberkrampf vs. genetische Epilepsiesyndrome; österreichweite Referenzstelle
Pädiatrische EpileptologieAKH Wien
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. Alexandre Datta
Neuropädiatrie
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
BASEL
Abklärung fieberassoziierter Anfallsereignisse im Kindesalter; Schnittstelle zu genetischer Diagnostik bei Verdacht auf Epilepsiesyndrom
NeuropädiatrieUKBB

Fachgesellschaften & Ressourcen: GNP – Gesellschaft für Neuropädiatrie · DGKJ – Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin · AWMF-Leitlinie „Fieberkrämpfe" · American Academy of Pediatrics (AAP) Clinical Practice Guideline Febrile Seizures · FEBSTAT-Studiengruppe (febriler Status epilepticus) · kinderneurologie.eu – Patienten-/Elterninformation