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Grundlagen & Pathophysiologie

Die kongenitale Zwerchfellhernie (CDH) ist eine angeborene Fehlbildung mit unvollständigem Verschluss des Zwerchfells, durch die Abdominalorgane in den Thorax verlagert werden und die Entwicklung der Lunge auf der betroffenen und oft auch der kontralateralen Seite beeinträchtigen.

Lungenhypoplasie & pulmonale Hypertonie

Zwerchfelldefekt in der EmbryogeneseUnvollständiger Verschluss des Pleuroperitonealkanals
Herniation von AbdominalorganenVerlagerung in den Thorax
Kompression der LungenanlageGestörte Verzweigung der Atemwege
LungenhypoplasieBilateral, betroffene Seite stärker
Pulmonal-vaskuläre FehlentwicklungPrädisposition für PPHN
~1:2.500–3.000
Geschätzte Inzidenz bei Lebendgeburten
~80–85 %
Anteil linksseitiger Hernien (Bochdalek-Typ)
~40–50 %
Anteil mit relevanten assoziierten Fehlbildungen
LHR
Lung-to-Head-Ratio als wichtigster pränataler Prognoseparameter

Pränatale Schweregradeinschätzung

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Lung-to-Head-Ratio (LHR)

Sonographisches Verhältnis von kontralateraler Lungenfläche zu Kopfumfang als wichtigster pränataler Prognoseparameter für das Ausmaß der Lungenhypoplasie.

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Leberlage (Liver-up/Liver-down)

Eine Verlagerung von Leberanteilen in den Thorax ("liver-up") ist mit einer schlechteren Prognose assoziiert als ein Verbleib der Leber im Abdomen.

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Seitenlokalisation

Rechtsseitige Hernien gelten tendenziell als prognostisch ungünstiger, unter anderem durch häufigere Leberherniation.

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Assoziierte Fehlbildungen

Begleitende kardiale, chromosomale oder andere strukturelle Fehlbildungen verschlechtern die Prognose deutlich und erfordern eine erweiterte pränatale Diagnostik.

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Zeitpunkt der pränatalen Diagnose

Eine frühe pränatale Diagnosestellung ermöglicht eine strukturierte Geburtsplanung in einem spezialisierten Zentrum.

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Polyhydramnion

Vermehrte Fruchtwassermenge kann bei CDH als Begleitbefund auftreten und ist mit einem komplizierteren Verlauf assoziiert.

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Klinische Symptome

Die kongenitale Zwerchfellhernie manifestiert sich in der Mehrzahl der Fälle mit einer ausgeprägten Ateminsuffizienz unmittelbar nach der Geburt, deren Schwere maßgeblich vom Ausmaß der begleitenden Lungenhypoplasie abhängt.

Respiratorische Leitzeichen

  • Schwere Ateminsuffizienz direkt postnatal
  • Zyanose
  • Asymmetrisches, abgeschwächtes Atemgeräusch
  • Verlagerte Herztöne (meist nach rechts bei linksseitiger CDH)

Abdominell-thorakale Zeichen

  • Eingefallenes, skaphoides Abdomen
  • Vorgewölbter, asymmetrischer Thorax
  • Darmgeräusche über dem Thorax auskultierbar
  • Zeichen der begleitenden pulmonalen Hypertonie
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Diagnostik

Die Diagnose erfolgt heute überwiegend bereits pränatal sonographisch, was eine strukturierte Geburtsplanung ermöglicht; postnatal wird die Diagnose radiologisch bestätigt.

  1. Pränatale SonographieNachweis von Abdominalorganen im Thorax, meist im Rahmen des Organscreenings; Bestimmung von LHR und Leberlage zur Prognoseeinschätzung.
  2. Fetale MRTErgänzende Bildgebung zur genaueren Beurteilung von Lungenvolumen, Leberlage und Ausschluss weiterer Fehlbildungen in spezialisierten Zentren.
  3. Erweiterte pränatale DiagnostikFetale Echokardiographie und ggf. genetische Diagnostik zum Ausschluss relevanter assoziierter Fehlbildungen.
  4. Postnatale klinische ErstbeurteilungBei bekannter pränataler Diagnose sofortige Intubation ohne Maskenbeatmung; bei postnatal erstdiagnostizierter CDH rasche Stabilisierung.
  5. Röntgen-Thorax/Abdomen postnatalBestätigungsdiagnostik mit Nachweis von Darmschlingen im Thorax und Mediastinalverlagerung.
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Pathophysiologie im Detail

Die begleitende Lungenhypoplasie und pulmonal-vaskuläre Fehlentwicklung sind die zentralen, prognosebestimmenden Mechanismen der CDH.

MechanismusWirkungKlinische Relevanz
Bilaterale LungenhypoplasieVerminderte Anzahl von Atemwegsverzweigungen und Alveolen, betroffene Seite stärker als kontralateraleZentraler Faktor für das Ausmaß der postnatalen respiratorischen Insuffizienz
Pulmonal-vaskuläre FehlentwicklungVerminderte Anzahl und erhöhte Muskularisierung der pulmonalen GefäßePrädisponiert für eine oft schwere, therapierefraktäre persistierende pulmonale Hypertonie
Surfactant-DysfunktionUnreife Typ-II-Pneumozyten der hypoplastischen LungeZusätzliche RDS-ähnliche Beeinträchtigung der alveolären Stabilität
MediastinalverlagerungVerdrängung von Herz und großen Gefäßen durch die herniierten OrganeKann die kardiale Funktion und den venösen Rückstrom zusätzlich beeinträchtigen
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Pränatale Diagnostik im Detail

MethodeIndikationBedeutung / Besonderheit
Pränatale Sonographie (LHR-Messung)Standarddiagnostik bei jeder pränatal diagnostizierten CDHWichtigster nicht-invasiver Prognoseparameter; niedrige Werte assoziiert mit schwererer Lungenhypoplasie
Fetale MRT mit LungenvolumetrieErgänzende Diagnostik in spezialisierten ZentrenPräzisere Volumenbestimmung der fetalen Lunge; wichtig für Beratung und Geburtsplanung
Fetale EchokardiographieBei jeder pränatal diagnostizierten CDHAusschluss relevanter begleitender kardialer Fehlbildungen, die die Prognose zusätzlich beeinflussen
Postnatales Röntgen-Thorax/AbdomenBestätigungsdiagnostik unmittelbar postnatalNachweis von Darmschlingen im Thorax, Mediastinalverlagerung, Ausmaß der Lungenkompression
Genetische Diagnostik (bei Bedarf)Bei Verdacht auf syndromale AssoziationRelevant für Prognoseeinschätzung und genetische Beratung der Familie
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Differenzialdiagnosen

Andere Ursachen einer schweren neonatalen respiratorischen Insuffizienz sowie thorakaler Raumforderungen müssen von der CDH abgegrenzt werden.

DifferenzialdiagnoseÄhnlichkeitSchlüsselunterschiedDiagnostik
Kongenitale pulmonale Atemwegsmalformation (CPAM)Thorakale Raumforderung, ggf. AteminsuffizienzZystische Lungenläsion statt Abdominalorganen im Thorax; kein ZwerchfelldefektPränatale/postnatale Bildgebung
PneumothoraxSchwere Ateminsuffizienz, asymmetrischer BefundLuft statt solider Organe im Pleuraraum, keine pränatale Diagnose typischRöntgen-Thorax, Diaphanoskopie
Persistierende pulmonale Hypertonie ohne CDHSchwere Hypoxämie, Rechts-links-ShuntFehlender Nachweis von Abdominalorganen im Thorax, keine strukturelle LungenkompressionRöntgen-Thorax, Echokardiographie
Eventratio diaphragmaticaÄhnliches radiologisches Bild, abgeschwächte ZwerchfellfunktionIntaktes, aber ausgedünntes/hochstehendes Zwerchfell statt echtem Defekt; oft mildere SymptomatikDurchleuchtung, Röntgen
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Therapie

Die Therapie der CDH folgt dem Prinzip der „stabilisieren vor operieren": Die operative Korrektur erfolgt erst nach ausreichender kardiopulmonaler Stabilisierung, nicht als primärer Notfalleingriff.

  • STUFE 1Peripartales Management

    Sofortige Intubation ohne Maskenbeatmung: Bei bekannter CDH erfolgt unmittelbar postnatal die endotracheale Intubation; eine Masken-/Beutelbeatmung wird strikt vermieden, da sie den Magen-Darm-Trakt zusätzlich aufbläht und die Lungenkompression verstärkt.
    Magensonde: Frühzeitige Anlage einer offenen Magensonde zur Dekompression des Gastrointestinaltrakts und Entlastung der thorakalen Kompression.
    Geburt im spezialisierten Zentrum: Bei pränataler Diagnose Planung der Entbindung in einem Zentrum mit unmittelbar verfügbarer neonatologischer und kinderchirurgischer Expertise.

  • STUFE 2Lungenprotektive Beatmung & PPHN-Management

    Sanfte, lungenprotektive Beatmung: Vermeidung hoher Beatmungsdrücke zur Minimierung von Barotrauma an der ohnehin hypoplastischen Lunge; permissive Hyperkapnie oft akzeptiert.
    Management der pulmonalen Hypertonie: Inhalatives Stickstoffmonoxid (iNO) bei echokardiographisch gesicherter relevanter PPHN als spezifische Therapie.
    ECMO bei therapierefraktärer Instabilität: Bei trotz maximaler konventioneller Therapie fortbestehender schwerer kardiopulmonaler Instabilität in spezialisierten Zentren.

  • STUFE 3Operative Korrektur

    Zeitpunkt: Die operative Korrektur erfolgt grundsätzlich erst nach kardiopulmonaler Stabilisierung, typischerweise nach mehreren Tagen, nicht als Notfalleingriff unmittelbar nach Geburt.
    Verfahren: Reposition der herniierten Organe ins Abdomen und Verschluss des Zwerchfelldefekts, bei größeren Defekten ggf. mittels Patch-Plastik.
    Postoperatives Management: Engmaschige Überwachung von Beatmung und Kreislauf in der unmittelbaren postoperativen Phase, da eine passagere Verschlechterung möglich ist.

  • STUFE 4Langzeit-Nachsorge

    Pulmonologische Nachsorge: Strukturierte Verlaufskontrollen der Lungenfunktion, da eine chronische Lungenerkrankung insbesondere bei ausgeprägter Hypoplasie häufig ist.
    Kardiologische Nachsorge: Verlaufsechokardiographien bei Kindern mit persistierender pulmonaler Hypertonie in der Vorgeschichte.
    Gastrointestinale und Ernährungsnachsorge: Erhöhtes Risiko für gastroösophagealen Reflux und Gedeihstörung, strukturierte Ernährungsbegleitung empfohlen.
    Entwicklungsneurologische Nachsorge: Erhöhtes Risiko für Entwicklungsverzögerungen, besonders bei schwerem Verlauf mit ECMO-Therapie.

Monitoring unter Therapie – Übersicht

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Respiratorisches Monitoring

Engmaschige Überwachung von Beatmungsparametern und Blutgasen zur Steuerung der lungenprotektiven Beatmung.

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Kardiologisches Monitoring

Wiederholte Echokardiographien zur Verlaufsbeurteilung der pulmonalen Hypertonie und Herzfunktion.

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Ernährungs- und Wachstumsmonitoring

Regelmäßige Kontrolle des Gedeihens und Screening auf gastroösophagealen Reflux.

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Entwicklungsneurologisches Monitoring

Strukturierte Nachsorge im Rahmen spezialisierter CDH-Nachsorgeprogramme.

Prognose: Die Prognose der CDH hängt entscheidend vom Ausmaß der Lungenhypoplasie und dem Vorliegen assoziierter Fehlbildungen ab. Während Kinder mit milder Lungenhypoplasie eine gute Überlebenschance und meist gute Langzeitprognose haben, ist bei schwerer bilateraler Hypoplasie und therapierefraktärer pulmonaler Hypertonie die Mortalität weiterhin relevant. Überlebende Kinder benötigen eine strukturierte, multidisziplinäre Langzeit-Nachsorge, da pulmonale, gastrointestinale und entwicklungsneurologische Folgeprobleme häufig sind.

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Expertenzentren D-A-CH

Spezialisierte neonatologisch-kinderchirurgische CDH-Zentren mit ECMO-Verfügbarkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

🇩🇪 Deutschland
Universitätsklinikum Regensburg
Neonatologie, Kinderchirurgie & ECMO-Zentrum
Kinderklinik St. Hedwig, Perinatalzentrum Level 1
REGENSBURG
Überregionales CDH-Referenzzentrum; strukturiertes prä- und postnatales Betreuungsprogramm; ECMO-Verfügbarkeit
CDH-ReferenzzentrumECMO-Zentrum
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Neonatologie & Kinderchirurgie
Perinatalzentrum, Campus Virchow-Klinikum
BERLIN
Pränatale CDH-Beratung; interdisziplinäres Betreuungsteam für komplexe Fälle
Pränatale Beratung
🇦🇹 Österreich
Medizinische Universität Wien
Neonatologie, Kinderchirurgie & ECMO
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien
WIEN
Österreichisches Referenzzentrum für kongenitale Zwerchfellhernie und neonatale ECMO
CDH- und ECMO-Zentrum Wien
🇨🇭 Schweiz
Universitäts-Kinderspital Zürich
Neonatologie, Kinderchirurgie & ECMO
Perinatalzentrum Zürich
ZÜRICH
Schweizerisches Referenzzentrum für CDH; strukturiertes prä- und postnatales Betreuungsprogramm mit Langzeit-Nachsorge
CDH-Referenzzentrum Zürich

Fachgesellschaften & Ressourcen: GNPI – Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin · Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) · CDH EURO Consortium – europäische CDH-Konsensusleitlinien · Euro-ELSO (European Extracorporeal Life Support Organization)