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Grundlagen & Definition

Das Akronym TORCH (Toxoplasmose, Other/Sonstige, Röteln, Cytomegalievirus, Herpes simplex) fasst eine Gruppe konnatal oder perinatal erworbener Infektionen zusammen, die trotz unterschiedlicher Erreger häufig ein überlappendes klinisches Bild beim Neugeborenen zeigen und pränatal/perinatal diagnostisch bedeutsam sind.

1–5%
geschätzte konnatale Toxoplasmose-Übertragungsrate bei mütterlicher Erstinfektion
CMV
häufigste konnatale Infektion insgesamt
1. Trim.
höchstes Fehlbildungsrisiko
Screening
zentrale Präventionsmaßnahme
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Gemeinsame klinische Zeichen

GEMEINSAME KLINISCHE ZEICHEN

  • Intrauterine Wachstumsretardierung (IUGR)
  • Hepatosplenomegalie, Ikterus
  • Petechien/„Blueberry-muffin"-Hautläsionen
  • Mikrozephalie, intrakranielle Verkalkungen
  • Chorioretinitis, Katarakt
  • Sensorineurale Hörminderung

DIAGNOSTISCHES PRINZIP

  • Viele Neugeborene initial asymptomatisch (v.a. bei CMV, Toxoplasmose)
  • Spätmanifestationen möglich (z. B. Hörverlust bei CMV erst im Verlauf)
  • Mütterliches Screening in der Schwangerschaft zentral
  • Erregerspezifische Diagnostik erforderlich, da Klinik oft unspezifisch überlappt
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Diagnostisches Prinzip

  1. Mütterliche Anamnese & Screening-Ergebnisse Röteln-Immunstatus, Toxoplasmose-Serologie, Lues, HIV, Hepatitis B je nach nationalem Programm
  2. Klinische Untersuchung des Neugeborenen IUGR, Organomegalie, Hautveränderungen, Augenuntersuchung, Hörscreening
  3. Erregerspezifische Diagnostik CMV-PCR aus Urin/Speichel in den ersten 3 Lebenswochen, Toxoplasma-/Röteln-Serologie, HSV-PCR bei V.a. Herpes-Infektion
  4. Bildgebung Zerebrale Sonographie/MRT bei V.a. ZNS-Beteiligung (Verkalkungen, Ventrikelerweiterung)
  5. Augenärztliche und audiologische Untersuchung Chorioretinitis-Screening, Hörscreening – auch bei initial asymptomatischen Kindern wichtig
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Einzelerreger im Überblick

ErregerCharakteristische BefundeDiagnostik & Therapie
Toxoplasma gondiiKlassische Trias: Chorioretinitis, intrakranielle Verkalkungen (diffus), Hydrozephalus. Höchstes Transmissionsrisiko bei mütterlicher Erstinfektion im 3. Trimenon, schwerste fetale Schäden im 1. TrimenonMütterliche Serologie (IgM/IgG-Avidität), PCR aus Fruchtwasser; Therapie mit Pyrimethamin + Sulfadiazin + Folinsäure über 1 Jahr
Röteln (konnatal)Klassische Trias: Katarakt, Innenohrschwerhörigkeit, Herzfehler (PDA); „Blueberry-muffin"-LäsionenKeine kausale Therapie, Prävention durch mütterliche Immunität/Impfung vor Schwangerschaft
Cytomegalievirus (CMV)Häufigste konnatale Infektion; periventrikuläre Verkalkungen, Mikrozephalie; führende nicht-genetische Ursache kindlicher sensorineuraler HörminderungCMV-PCR aus Urin/Speichel in den ersten 3 Lebenswochen; bei symptomatischer Erkrankung Valganciclovir oral über 6 Monate
Herpes simplex (neonatal)Drei Verlaufsformen: (1) Haut-Augen-Mund, (2) ZNS-Erkrankung, (3) disseminierte Erkrankung (höchste Letalität); Übertragung meist perinatalPCR aus Bläscheninhalt/Liquor/Blut; hochdosiertes i.v. Aciclovir (60 mg/kg/d in 3 ED) für 14–21 Tage, sofortiger Therapiebeginn bei Verdacht
Varicella-Zoster (konnatal)Konnatales Varizellensyndrom bei mütterlicher Infektion 8.–20. SSW: Hautnarben (dermatomal), GliedmaßenhypoplasieSiehe Übersicht Varizellen
Lues connata (Syphilis)Frühform: Hepatosplenomegalie, Hautausschlag, Rhinitis, Osteochondritis. Spätform: Sattelnase, Hutchinson-ZähneMütterliches Lues-Screening obligat, Penicillin-G-Therapie des Neugeborenen
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Transmissionszeitpunkt & Pathophysiologie

🔬 Pathophysiologie

Der Zeitpunkt der mütterlichen Infektion in der Schwangerschaft ist für viele TORCH-Erreger entscheidend für Art und Schwere der fetalen Schädigung: Infektionen im 1. Trimenon (Organogenese) führen häufiger zu strukturellen Fehlbildungen (z. B. Röteln, schwere Toxoplasmose-Verläufe), während Infektionen im 3. Trimenon häufiger zu einer höheren Transmissionsrate, aber funktionellen/entzündlichen Schäden (z. B. Toxoplasmose-Chorioretinitis) führen. Die plazentare Übertragung erfolgt meist hämatogen (diaplazentar), bei Herpes simplex und teilweise bei Streptokokken der Gruppe B dagegen überwiegend während der Geburt durch Kontakt mit infizierten Sekreten des Geburtskanals.

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Differenzialdiagnosen

DifferentialdiagnoseAbgrenzung
Neonatale Sepsis (bakteriell)Akuter Beginn, andere Erregerkonstellation, Blutkultur
Genetische Syndrome mit Mikrozephalie/IUGRFehlende Infektionsserologie, genetische Diagnostik
Metabolische ErkrankungenMetabolisches Screening, andere Laborkonstellation
Perinatale AsphyxieAnamnestische Geburtskomplikation, Bildgebungsmuster
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Therapie & Prävention

Prävention: Zentral sind mütterliche Screening-Programme in der Schwangerschaft (Röteln-Immunstatus, Lues-Serologie, HIV, Hepatitis B – Umfang je nach nationalem Mutterschaftsvorsorgeprogramm), Aufklärung zur Toxoplasmose-Prävention (Vermeidung von rohem Fleisch, Katzenkotkontakt), sowie eine antivirale Suppressionstherapie bei Schwangeren mit rezidivierendem genitalem Herpes zur Reduktion des neonatalen Übertragungsrisikos. Bei aktiver genitaler Herpes-Läsion unter der Geburt wird eine Schnittentbindung zur Transmissionsprophylaxe erwogen.

ErregerTherapieansatz
ToxoplasmosePyrimethamin + Sulfadiazin + Folinsäure über 1 Jahr
CMV (symptomatisch)Valganciclovir oral über 6 Monate
Herpes simplexHochdosiertes i.v. Aciclovir 14–21 Tage
Lues connataPenicillin G
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Expertenzentren D-A-CH

Führende Zentren und Expert:innen für Neonatologie, Virologie und pädiatrische Infektiologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bei V.a. konnatale Infektion: umgehende interdisziplinäre Anbindung (Neonatologie, Infektiologie, ggf. Augenheilkunde/Audiologie).

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Tilmann Kallinich
Sektionsleiter Rheumatologie / Autoinflammation
Charité Universitätsmedizin Berlin
BERLIN
Differentialdiagnostik von Fieber unklarer Genese und autoinflammatorischen Syndromen (u.a. PFAPA).
FUO-Abklärung
Prof. Dr. med. Markus Hufnagel
Ärztlicher Leiter Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum Freiburg
FREIBURG
Vorsitzender der DGPI; klinische Expertise zu Kawasaki-Syndrom und konnatalen Infektionen.
Kawasaki-Syndrom
Prof. Dr. med. Rolf Kaiser
Institut für Virologie / Konnatale Infektionen
Uniklinik Köln
KÖLN
Diagnostik konnataler viraler Infektionen (CMV, Herpes simplex); Forschung zu TORCH-Diagnostik-Algorithmen.
TORCH
Prof. Dr. med. Thomas Löscher
Tropenmedizin / Reisemedizin
Ludwig-Maximilians-Universität München
MÜNCHEN
Langjährige Expertise in tropen- und reisemedizinischer Diagnostik, u.a. Malaria und parasitäre Erkrankungen.
Tropenmedizin
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Julia Walochnik
Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin
Medizinische Universität Wien
WIEN
Parasitologische Diagnostik und Forschung, Schwerpunkt reiseassoziierte Parasitosen.
Parasitologie
Univ.-Prof. Dr. Volker Strenger
Pädiatrische Infektiologie
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz
GRAZ
Klinische Versorgung und Forschung zu Fieber unklarer Genese und seltenen Infektionskrankheiten.
FUO
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Christoph Berger
Leiter Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene
Universitäts-Kinderspital Zürich
ZÜRICH
Leitung des Schweizerischen Kawasaki- und PIMS-TS-Registers; klinische Forschung zu konnatalen Infektionen.
Kawasaki-Register
Prof. Dr. med. Nicole Ritz
Chefärztin Pädiatrische Infektiologie
Kinderspital Luzern & Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
LUZERN / BASEL
Klinische Forschung zu Fieber unklarer Genese, tropenmedizinischen und seltenen Infektionskrankheiten.
FUO
Prof. Dr. med. Christoph Hatz
Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut
Swiss TPH, Basel
BASEL
Reise- und Tropenmedizin, Diagnostik und Management parasitärer Erkrankungen bei Kindern.
Reisemedizin

Fachgesellschaften & Referenzorganisationen: DGPI – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie · RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten · AWMF-Leitlinienregister · STIKO-Empfehlungen (aktueller Impfkalender) · Feigin & Cherry's Textbook of Pediatric Infectious Diseases. Angaben zu Expert:innen und Zentren gemäß öffentlich zugänglichen Angaben der jeweiligen Kliniken/Fachgesellschaften, Stand der Recherche 2025 – für aktuelle Sprechstundeninformationen bitte direkt bei der jeweiligen Klinik nachfragen.