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Grundlagen & Definition

Scharlach ist die toxinvermittelte Verlaufsform einer Infektion mit Streptococcus pyogenes (Gruppe-A-Streptokokken, GAS), meist im Rahmen einer Tonsillopharyngitis, ausgelöst durch erythrogene (pyrogene) Exotoxine bei entsprechend empfänglichem Wirt ohne protektive Antitoxin-Antikörper. GAS-Infektionen sind zudem klinisch relevant wegen ihrer Assoziation mit den nicht-eitrigen Folgeerkrankungen akutes rheumatisches Fieber und Poststreptokokken-Glomerulonephritis.

2–5 d
Inkubationszeit
5–15 J.
Häufigkeitsgipfel
24h
Ansteckungsfähigkeit endet nach Antibiosebeginn
2–4 Wo.
Latenz bis akutes rheumatisches Fieber
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Klinische Symptome

KLINIK

  • Akuter Beginn: Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Erbrechen
  • Feinfleckiges, sandpapierartiges Exanthem, betont in Leisten/Achseln
  • Periorale Blässe bei geröteten Wangen (Facies scarlatinosa)
  • Himbeerzunge (initial weiß belegt, dann rot-glänzend)
  • Tonsillopharyngitis mit Stippchenbelag, zervikale Lymphadenopathie
  • Nach 1–2 Wochen: groblamellöse Schuppung, v.a. Hände/Füße

DIFFERENTIALDIAGNOSEN

  • Virale Exantheme (Masern, Ringelröteln, Exanthema subitum)
  • Kawasaki-Syndrom (bei anhaltendem Fieber >5 Tage)
  • Toxic-Shock-Syndrom (Staphylokokken/Streptokokken)
  • Medikamentenexanthem
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Diagnostik

  1. Klinische Diagnose Typisches Exanthem, Facies scarlatinosa, Himbeerzunge in Kombination mit Tonsillopharyngitis
  2. Rachenabstrich – Schnelltest (Antigen) Hohe Spezifität, mäßige Sensitivität; positiver Schnelltest ausreichend zur Diagnosesicherung
  3. Rachenabstrich – Kultur Bei negativem Schnelltest und weiterhin klinischem Verdacht zur Bestätigung
  4. Centor-/McIsaac-Score Klinische Wahrscheinlichkeitsabschätzung einer GAS-Pharyngitis zur Steuerung der Testindikation
  5. Verlaufskontrolle bei V.a. Folgeerkrankung Urinstatus (Hämaturie/Proteinurie bei PSGN), Echokardiographie/Klinik bei V.a. ARF
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Erreger & Pathogenese

AspektDetails
ErregerStreptococcus pyogenes (Gruppe-A-Streptokokken, GAS)
ToxinErythrogene (pyrogene) Exotoxine A, B, C – lösen das Scharlach-Exanthem aus
ÜbertragungTröpfcheninfektion, direkter Kontakt; Inkubationszeit 2–5 Tage
HäufigkeitsgipfelKindergarten-/Schulalter (5–15 Jahre), gehäuft in Herbst/Winter

🔬 Pathophysiologie

Das akute rheumatische Fieber (ARF) entsteht durch molekulare Mimikry: Antikörper gegen das M-Protein der Streptokokken kreuzreagieren mit kardialem Myosin, Gelenk- und ZNS-Gewebe, was 2–4 Wochen nach der GAS-Pharyngitis zu Karditis, Polyarthritis, Chorea minor, Erythema marginatum und subkutanen Knötchen führen kann (Jones-Kriterien). Die Poststreptokokken-Glomerulonephritis (PSGN) beruht auf Immunkomplexablagerungen in den Glomeruli, typischerweise 1–3 Wochen nach Pharyngitis oder 3–6 Wochen nach Hautinfektion (Impetigo), mit Hämaturie, Ödemen und Hypertonie. Im Gegensatz zum ARF ist die PSGN nicht durch adäquate Antibiotikatherapie der Streptokokken-Infektion sicher verhinderbar.

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Folgeerkrankungen

Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom (STSS) & invasive GAS-Infektion: Seltene, aber potenziell foudroyante Komplikation mit hohem Fieber, Hypotonie/Schock, Multiorganversagen und ggf. nekrotisierender Fasziitis. Warnzeichen: unverhältnismäßig starke Schmerzen (v.a. bei Weichteilbeteiligung), rasche klinische Verschlechterung. Erfordert intensivmedizinische Betreuung, hochdosierte Antibiose (Penicillin + Clindamycin) und ggf. chirurgisches Débridement.

FolgeerkrankungLatenzKlinik
Akutes rheumatisches Fieber2–4 Wochen nach PharyngitisKarditis, Polyarthritis, Chorea minor (Jones-Kriterien)
Poststreptokokken-Glomerulonephritis1–3 Wo. nach Pharyngitis / 3–6 Wo. nach HautinfektionHämaturie, Ödeme, Hypertonie
Streptokokken-Toxic-Shock-SyndromAkut, foudroyantHypotonie, Multiorganversagen, ggf. nekrotisierende Fasziitis
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Differenzialdiagnosen

ErkrankungWegweisende KlinikAbgrenzung
Virale PharyngitisMeist Begleitsymptome wie Schnupfen/HustenFehlendes Exanthem, negativer Streptokokken-Test
MasernAusgeprägte Prodromi, Koplik-FleckenAnderer Exanthemcharakter
Kawasaki-SyndromFieber >5 Tage, weitere mukokutane KriterienAndere Fieberdauer, Leitkriterien
ArzneimittelexanthemZeitlicher Zusammenhang mit MedikationAnamnese, negativer Streptokokken-Nachweis
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Therapie

SubstanzDosierungBemerkung
Penicillin V (oral)50.000–100.000 IE/kg/d in 2–3 ED (max. 3 Mio. IE/d) für 7 TageMittel der 1. Wahl, GAS bleibt universell Penicillin-empfindlich
Amoxicillin (oral)50 mg/kg/d in 1–2 ED (max. 1 g/d) für 7 TageGleichwertige Alternative, bessere Verträglichkeit/Compliance
Cefadroxil30 mg/kg/d in 1–2 ED für 5–7 TageBei Penicillin-Unverträglichkeit ohne Anaphylaxie-Anamnese
Clindamycin20–30 mg/kg/d in 3 ED für 10 TageBei Penicillin-Allergie (Anaphylaxie) oder invasiver Infektion (Toxin-Suppression)

Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen: Nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie besteht in der Regel nach 24 Stunden keine relevante Ansteckungsfähigkeit mehr. Ziel der Antibiotikatherapie ist neben der Symptomverkürzung vor allem die Prävention des akuten rheumatischen Fiebers – die PSGN wird durch die Therapie nicht sicher verhindert.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Zentren und Expert:innen für pädiatrische Infektiologie und Kardiologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unkomplizierter Scharlach: hausärztliche/kinderärztliche Betreuung. V.a. rheumatisches Fieber, invasive GAS-Infektion: spezialisierte Anbindung.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Markus Hufnagel
Ärztlicher Leiter Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum Freiburg
FREIBURG
Vorsitzender der DGPI; klinische und translationale Forschung zu invasiven bakteriellen Infektionen und Impfstrategien.
Invasive Infektionen
Prof. Dr. med. Johannes Hübner
Leiter Pädiatrische Infektiologie
Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU München
MÜNCHEN
Diagnostik und Management komplexer pädiatrischer Infektionskrankheiten; Antibiotic Stewardship im Kindesalter.
Antibiotic Stewardship
Prof. Dr. med. Reinhard Berner
Direktor Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
DRESDEN
Angeborene Immundefekte und deren infektiologische Manifestationen; Mitherausgeber des DGPI-Handbuchs.
Immundefekte
Prof. Dr. med. Ulrich Heininger
Pädiatrische Infektiologie / Impfmedizin
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB), zuvor Erlangen
BASEL / ERLANGEN
Langjährige Expertise zu Pertussis, Impfstrategien und Infektionsepidemiologie im Kindesalter.
Pertussis
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Andrea Grisold
Pädiatrische Infektiologie / Klinische Mikrobiologie
Medizinische Universität Graz
GRAZ
Diagnostik bakterieller Infektionen im Kindesalter; Schnittstelle Mikrobiologie und pädiatrische Infektiologie.
Mikrobiologische Diagnostik
Univ.-Prof. Dr. Volker Strenger
Pädiatrische Infektiologie
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz
GRAZ
Klinische Versorgung und Forschung zu bakteriellen Infektionskrankheiten, u.a. Osteomyelitis und Atemwegsinfektionen.
Osteomyelitis
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Christoph Berger
Leiter Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene
Universitäts-Kinderspital Zürich
ZÜRICH
Leitung des Schweizerischen Referenzzentrums für invasive bakterielle Infektionen; Vorsitz EKIF.
Invasive Infektionen
Prof. Dr. med. Nicole Ritz
Chefärztin Pädiatrische Infektiologie
Kinderspital Luzern & Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
LUZERN / BASEL
Klinische Forschung zu pädiatrischen Infektionskrankheiten und Impfstoffstudien.
Impfstoffstudien
PD Dr. med. Petra Zimmermann
Pädiatrische Infektiologie
Fribourg Hospital & Universität Fribourg
FRIBOURG
Forschung zu Impfstoffwirkung und immunologischen Aspekten pädiatrischer Infektionskrankheiten.
Impfimmunologie

Fachgesellschaften & Referenzorganisationen: DGPI – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie · RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten · AWMF-Leitlinienregister · STIKO-Empfehlungen (aktueller Impfkalender) · Feigin & Cherry's Textbook of Pediatric Infectious Diseases. Angaben zu Expert:innen und Zentren gemäß öffentlich zugänglichen Angaben der jeweiligen Kliniken/Fachgesellschaften, Stand der Recherche 2025 – für aktuelle Sprechstundeninformationen bitte direkt bei der jeweiligen Klinik nachfragen.