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Grundlagen & Definition

Pertussis wird durch Bordetella pertussis verursacht und ist hochkontagiös (Kontagionsindex nahezu 100% bei fehlender Immunität). Besonders gefährdet sind junge Säuglinge <6 Monaten, bei denen die Erkrankung foudroyant und potenziell letal verlaufen kann (u.a. durch Apnoen statt des klassischen Hustens).

~100%
Kontagionsindex bei fehlender Immunität
7–14 d
Inkubationszeit
2–6 Wo.
Dauer Stadium convulsivum
<6 Mon.
Höchstes Komplikations-/Letalitätsrisiko
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Klinische Symptome

KLASSISCHER VERLAUF (3 STADIEN)

  • Stadium catarrhale (1–2 Wochen): unspezifischer Schnupfen, leichter Husten, subfebrile Temperatur
  • Stadium convulsivum (2–6 Wochen): stakkatoartige Hustenattacken, inspiratorisches Ziehen (Reprise), postbetussives Erbrechen
  • Stadium decrementi (Wochen bis Monate): allmähliches Abklingen der Hustenattacken

SÄUGLING <6 MONATE

  • Oft kein typisches Stadienbild
  • Apnoen können führendes/einziges Symptom sein
  • Zyanose während Hustenattacken
  • Trinkschwäche, Erschöpfung
  • Höchstes Risiko für Komplikationen und Letalität

Warnzeichen beim jungen Säugling: Apnoen, Zyanose-Episoden, Bradykardie während Hustenanfällen sowie ausgeprägte Leukozytose (>50.000–100.000/µl mit Lymphozytose) sind Hinweise auf einen schweren, potenziell komplizierten Verlauf mit Risiko für pulmonale Hypertonie und Multiorganversagen („maligner Pertussis"). Stationäre Aufnahme und Monitoring bei allen Säuglingen <3–6 Monaten mit V.a. Pertussis empfohlen.

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Diagnostik

  1. Klinischer Verdacht Anamnestisch anhaltender Husten >2 Wochen mit Stakkatocharakter, Reprisen, postbetussivem Erbrechen; Kontaktanamnese
  2. PCR aus Nasopharyngealabstrich/-sekret Methode der Wahl, hohe Sensitivität v.a. im Stadium catarrhale/frühen Stadium convulsivum
  3. Kultur Hohe Spezifität, aber geringere Sensitivität und langsames Wachstum; v.a. in den ersten 2 Wochen sinnvoll
  4. Serologie (Anti-Pertussistoxin-IgG) Sinnvoll bei späterer Vorstellung (>2–3 Wochen Hustendauer), wenn PCR/Kultur meist bereits negativ
  5. Blutbild Ausgeprägte Lymphozytose (v.a. bei jungen Säuglingen) als unterstützender Hinweis, prognostisch bei sehr hohen Werten ungünstig
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Erreger & Pathophysiologie

🔬 Pathophysiologie

Bordetella pertussis adhäriert selektiv an den zilientragenden Epithelzellen des Respirationstrakts und produziert mehrere Virulenzfaktoren, allen voran das Pertussistoxin, das die Zilienfunktion lähmt (gestörte mukoziliäre Clearance) und systemisch zu ausgeprägter Lymphozytose führt. Weitere Faktoren wie das trachealen Zytotoxin schädigen direkt das respiratorische Epithel und tragen zur charakteristischen, wochenlang persistierenden Hustensymptomatik bei, die trotz Antibiotikatherapie (welche primär die Kontagiosität, weniger den bereits etablierten Husten beeinflusst) fortbestehen kann.

ParameterAngabe
ÜbertragungswegTröpfcheninfektion, hochkontagiös
Inkubationszeit7–14 Tage (Spanne 5–21 Tage)
KontagiositätszeitraumHöchste Kontagiosität im Stadium catarrhale, bis ca. 3 Wochen nach Hustenbeginn ohne Therapie
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Verlauf nach Alter

AltersgruppeTypischer VerlaufRisiko
Säugling <6 MonateOft atypisch, Apnoen im VordergrundHöchstes Risiko für Komplikationen/Letalität
Kleinkind/SchulkindKlassisches 3-Stadien-BildMeist gutartiger, wenn auch langwieriger Verlauf
Adoleszente/Erwachsene (auch Geimpfte)Oft atypisch, persistierender HustenWichtige, oft unerkannte Infektionsquelle für Säuglinge
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Differenzialdiagnosen

ErkrankungWegweisende KlinikAbgrenzung
RSV-BronchiolitisObstruktive Symptomatik, jüngeres Alter typischAnderes Hustenmuster, PCR-Differenzierung
Virale BronchitisKürzere Hustendauer, weniger StakkatocharakterPCR/Kultur negativ für Bordetella
FremdkörperaspirationPlötzlicher Beginn, einseitiges AtemgeräuschAnamnese, Bildgebung
Chlamydia-trachomatis-Pneumonie (Säugling)Stakkatohusten ohne Reprisen, meist afebrilPCR-Differenzierung, andere Altersgruppe (Neugeborene)
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Therapie & Umgebungsprophylaxe

SubstanzDosierungBemerkung
Azithromycin10 mg/kg/d oral an Tag 1, dann 5 mg/kg/d Tag 2–5 (Neugeborene: 10 mg/kg/d für 5 Tage)Mittel der Wahl, auch bei Neugeborenen zugelassen
Clarithromycin15 mg/kg/d in 2 ED für 7 TageAlternative ab dem 1. Lebensmonat
Trimethoprim-Sulfamethoxazol8 mg/kg/d (bez. TMP) in 2 ED für 14 TageBei Makrolid-Unverträglichkeit, nicht bei Neugeborenen <2 Monaten

Umgebungsprophylaxe & Meldepflicht: Chemoprophylaxe (gleiches Regime wie Therapie) für enge Haushaltskontakte sowie besonders gefährdete Kontaktpersonen (ungeimpfte Säuglinge, Schwangere im letzten Trimenon) unabhängig vom eigenen Impfstatus, idealerweise innerhalb von 21 Tagen nach Exposition. Meldepflicht nach IfSG bei Erkrankung und Tod an Pertussis. Wichtigste Präventionsmaßnahme: Grundimmunisierung im Säuglingsalter sowie „Cocooning"-Strategie – Pertussis-Auffrischimpfung von Eltern, Geschwistern und engen Kontaktpersonen sowie Impfung in der Schwangerschaft (28.–32. SSW) zum Nestschutz des Neugeborenen.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Zentren und Expert:innen für pädiatrische Infektiologie und Impfmedizin in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unkomplizierte Verläufe: hausärztliche/kinderärztliche Betreuung. Junge Säuglinge mit V.a. Pertussis: stationäre Aufnahme und Monitoring empfohlen.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Markus Hufnagel
Ärztlicher Leiter Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum Freiburg
FREIBURG
Vorsitzender der DGPI; klinische und translationale Forschung zu invasiven bakteriellen Infektionen und Impfstrategien.
Invasive Infektionen
Prof. Dr. med. Johannes Hübner
Leiter Pädiatrische Infektiologie
Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU München
MÜNCHEN
Diagnostik und Management komplexer pädiatrischer Infektionskrankheiten; Antibiotic Stewardship im Kindesalter.
Antibiotic Stewardship
Prof. Dr. med. Reinhard Berner
Direktor Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
DRESDEN
Angeborene Immundefekte und deren infektiologische Manifestationen; Mitherausgeber des DGPI-Handbuchs.
Immundefekte
Prof. Dr. med. Ulrich Heininger
Pädiatrische Infektiologie / Impfmedizin
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB), zuvor Erlangen
BASEL / ERLANGEN
Langjährige Expertise zu Pertussis, Impfstrategien und Infektionsepidemiologie im Kindesalter.
Pertussis
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Andrea Grisold
Pädiatrische Infektiologie / Klinische Mikrobiologie
Medizinische Universität Graz
GRAZ
Diagnostik bakterieller Infektionen im Kindesalter; Schnittstelle Mikrobiologie und pädiatrische Infektiologie.
Mikrobiologische Diagnostik
Univ.-Prof. Dr. Volker Strenger
Pädiatrische Infektiologie
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz
GRAZ
Klinische Versorgung und Forschung zu bakteriellen Infektionskrankheiten, u.a. Osteomyelitis und Atemwegsinfektionen.
Osteomyelitis
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Christoph Berger
Leiter Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene
Universitäts-Kinderspital Zürich
ZÜRICH
Leitung des Schweizerischen Referenzzentrums für invasive bakterielle Infektionen; Vorsitz EKIF.
Invasive Infektionen
Prof. Dr. med. Nicole Ritz
Chefärztin Pädiatrische Infektiologie
Kinderspital Luzern & Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
LUZERN / BASEL
Klinische Forschung zu pädiatrischen Infektionskrankheiten und Impfstoffstudien.
Impfstoffstudien
PD Dr. med. Petra Zimmermann
Pädiatrische Infektiologie
Fribourg Hospital & Universität Fribourg
FRIBOURG
Forschung zu Impfstoffwirkung und immunologischen Aspekten pädiatrischer Infektionskrankheiten.
Impfimmunologie

Fachgesellschaften & Referenzorganisationen: DGPI – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie · RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten · AWMF-Leitlinienregister · STIKO-Empfehlungen (aktueller Impfkalender) · Feigin & Cherry's Textbook of Pediatric Infectious Diseases. Angaben zu Expert:innen und Zentren gemäß öffentlich zugänglichen Angaben der jeweiligen Kliniken/Fachgesellschaften, Stand der Recherche 2025 – für aktuelle Sprechstundeninformationen bitte direkt bei der jeweiligen Klinik nachfragen.