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Grundlagen & Einordnung

Parasitäre und mykotische Infektionen sind im Kindesalter in Mitteleuropa insgesamt seltener als bakterielle/virale Erkrankungen, gewinnen jedoch durch Migration, zunehmende Reisetätigkeit und wachsende Zahlen immunsupprimierter Kinder (Onkologie, Transplantation, Immundefekte) an klinischer Relevanz. Die Anamnese (Reise-, Tier- und Expositionsanamnese) ist hier von besonderer diagnostischer Bedeutung.

Oxyuriasis
häufigste Parasitose bei Kindern in Mitteleuropa
Malaria
wichtigste reiseassoziierte Ausschlussdiagnose
Eosinophilie
wichtiger Laborhinweis auf Helmintheninfektion
CGD
Schlüssel-Wirtsfaktor für invasive Aspergillose
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Klinisches Spektrum

HÄUFIGE PARASITOSEN (MITTELEUROPA)

  • Oxyuriasis (Madenwurmbefall): perianaler Juckreiz, v.a. nachts
  • Giardiasis: chronische Diarrhö, Blähungen, Gedeihstörung
  • Skabies (Krätze): starker Juckreiz, Milbengänge (interdigital, Handgelenke)
  • Pediculosis capitis (Kopfläuse): Juckreiz Kopfhaut, häufig in Gemeinschaftseinrichtungen

REISEASSOZIIERTE PARASITOSEN

  • Malaria: zyklisches Fieber, nach Tropenaufenthalt obligate Ausschlussdiagnostik
  • Schistosomiasis: nach Süßwasserkontakt in Endemiegebieten
  • Intestinale Helminthen (Askariasis, Trichuriasis): oft asymptomatisch, Eosinophilie als Hinweis
  • Leishmaniose (viszeral): anhaltendes Fieber, Hepatosplenomegalie, Panzytopenie nach Mittelmeerraum-/Tropenaufenthalt

Fieber nach Tropenreise – Malaria als Ausschlussdiagnose: Bei jedem Kind mit Fieber nach Aufenthalt in einem Malaria-Endemiegebiet (auch bei nur kurzer Reisedauer oder Einnahme einer Chemoprophylaxe) muss eine Malaria mittels Blutausstrich/dickem Tropfen und Schnelltest aktiv ausgeschlossen werden, da eine Malaria tropica ohne rechtzeitige Therapie foudroyant und letal verlaufen kann. Diagnostik sollte bei entsprechender Anamnese noch am Vorstellungstag erfolgen.

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Diagnostik

  1. Gezielte Expositionsanamnese Reiseziel und -zeitraum, Tierkontakte, Süßwasserkontakt, Ernährungsgewohnheiten (rohes/unzureichend gegartes Fleisch), Kontakt zu Erkrankten
  2. Blutbild mit Eosinophilenzahl Eosinophilie als Hinweis auf parasitäre Infektion, insbesondere bei Gewebshelminthen
  3. Erregerspezifische Diagnostik Stuhlmikroskopie/-PCR (Helminthen, Giardien), Blutausstrich/Schnelltest (Malaria), Serologie (Leishmaniose, Echinokokkose), mikroskopischer/kultureller Pilznachweis
  4. Bildgebung bei V.a. viszerale Beteiligung Sonographie/CT bei V.a. Organbefall (z. B. Leishmaniose, Echinokokkuszysten, invasive Aspergillose der Lunge)
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Wichtige Pilzinfektionen

ErkrankungErregerKlinik & Risikofaktoren
Candidiasis (mukokutan)Candida albicansMundsoor bei Säuglingen, Windeldermatitis; bei ausgedehntem/rezidivierendem Befall an Immundefekt denken
Invasive CandidiasisCandida spp.V.a. bei sehr unreifen Frühgeborenen, zentralvenösem Katheter, Breitspektrum-Antibiotika-Vorbehandlung, Neutropenie
Tinea (Dermatophytosen)Trichophyton, Microsporum spp.Tinea capitis (Kopfhaut, v.a. Kinder), Tinea corporis; Tierkontakt (Katzen/Meerschweinchen) als Übertragungsweg beachten
Invasive AspergilloseAspergillus spp.Nahezu ausschließlich bei schwerer Immunsuppression (onkologische Neutropenie, nach Transplantation, chronische Granulomatose)
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Wirtsfaktoren bei invasiven Pilzinfektionen

🧬 Wirtsfaktoren bei invasiven Pilzinfektionen

Die chronische Granulomatose (CGD), ein angeborener Defekt der NADPH-Oxidase in Phagozyten, prädisponiert spezifisch zu schweren, teils rezidivierenden invasiven Aspergillus-Infektionen sowie zu bakteriellen Infektionen mit katalase-positiven Erregern. Bei Kindern mit ungewöhnlich schweren, rezidivierenden oder atypisch lokalisierten Pilzinfektionen (insbesondere invasive Aspergillose ohne erkennbare Risikofaktoren wie Neutropenie) sollte eine Abklärung auf einen zugrundeliegenden primären Immundefekt erfolgen.

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Differenzialdiagnosen

SymptomatikWichtige Differenzialdiagnosen
Perianaler Juckreiz nachtsOxyuriasis vs. Kontaktdermatitis vs. Analfissur
Chronische Diarrhö bei KleinkindGiardiasis vs. Zöliakie vs. Kuhmilchproteinallergie
Fieber + Hepatosplenomegalie nach ReiseMalaria vs. Leishmaniose vs. Typhus vs. EBV/CMV
Ausgedehnte/rezidivierende mukokutane CandidiasisPrimärer Immundefekt (z. B. CMC) sollte erwogen werden
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Therapie & Prävention

ErkrankungSubstanzBemerkung
OxyuriasisMebendazol 100 mg Einmaldosis, Wiederholung nach 2 WochenMitbehandlung aller Haushaltsmitglieder empfohlen, Hygienemaßnahmen
GiardiasisMetronidazol 15 mg/kg/d in 3 ED für 5–7 TageAlternative: Nitazoxanid je nach Verfügbarkeit
SkabiesPermethrin 5% Creme, Ganzkörperapplikation, nach 8–14h abwaschenWiederholung nach 7–14 Tagen; Mitbehandlung enger Kontaktpersonen
Mukokutane CandidiasisNystatin oral/topisch, bei ausgedehntem Befall FluconazolBei rezidivierendem/ausgedehntem Befall Immundefekt-Abklärung erwägen

Prävention: Reiseberatung vor Aufenthalt in Endemiegebieten (Malaria-Chemoprophylaxe, Impfungen je nach Zielregion), konsequente Küchenhygiene und Vermeidung von rohem Fleisch/ungewaschenem Gemüse zur Toxoplasmose-/Helminthenprävention, Vermeidung von Süßwasserkontakt in Schistosomiasis-Endemiegebieten. Bei rezidivierenden oder ungewöhnlich schweren parasitären/mykotischen Infektionen sollte eine immunologische Grunderkrankung aktiv ausgeschlossen werden.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Zentren und Expert:innen für Tropenmedizin, pädiatrische Infektiologie und Immunologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unkomplizierte Parasitosen: hausärztliche/kinderärztliche Betreuung. Tropenmedizinisch relevante Erkrankungen, V.a. Immundefekt: spezialisierte Anbindung.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Tilmann Kallinich
Sektionsleiter Rheumatologie / Autoinflammation
Charité Universitätsmedizin Berlin
BERLIN
Differentialdiagnostik von Fieber unklarer Genese und autoinflammatorischen Syndromen (u.a. PFAPA).
FUO-Abklärung
Prof. Dr. med. Markus Hufnagel
Ärztlicher Leiter Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum Freiburg
FREIBURG
Vorsitzender der DGPI; klinische Expertise zu Kawasaki-Syndrom und konnatalen Infektionen.
Kawasaki-Syndrom
Prof. Dr. med. Rolf Kaiser
Institut für Virologie / Konnatale Infektionen
Uniklinik Köln
KÖLN
Diagnostik konnataler viraler Infektionen (CMV, Herpes simplex); Forschung zu TORCH-Diagnostik-Algorithmen.
TORCH
Prof. Dr. med. Thomas Löscher
Tropenmedizin / Reisemedizin
Ludwig-Maximilians-Universität München
MÜNCHEN
Langjährige Expertise in tropen- und reisemedizinischer Diagnostik, u.a. Malaria und parasitäre Erkrankungen.
Tropenmedizin
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Julia Walochnik
Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin
Medizinische Universität Wien
WIEN
Parasitologische Diagnostik und Forschung, Schwerpunkt reiseassoziierte Parasitosen.
Parasitologie
Univ.-Prof. Dr. Volker Strenger
Pädiatrische Infektiologie
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz
GRAZ
Klinische Versorgung und Forschung zu Fieber unklarer Genese und seltenen Infektionskrankheiten.
FUO
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Christoph Berger
Leiter Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene
Universitäts-Kinderspital Zürich
ZÜRICH
Leitung des Schweizerischen Kawasaki- und PIMS-TS-Registers; klinische Forschung zu konnatalen Infektionen.
Kawasaki-Register
Prof. Dr. med. Nicole Ritz
Chefärztin Pädiatrische Infektiologie
Kinderspital Luzern & Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
LUZERN / BASEL
Klinische Forschung zu Fieber unklarer Genese, tropenmedizinischen und seltenen Infektionskrankheiten.
FUO
Prof. Dr. med. Christoph Hatz
Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut
Swiss TPH, Basel
BASEL
Reise- und Tropenmedizin, Diagnostik und Management parasitärer Erkrankungen bei Kindern.
Reisemedizin

Fachgesellschaften & Referenzorganisationen: DGPI – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie · RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten · AWMF-Leitlinienregister · STIKO-Empfehlungen (aktueller Impfkalender) · Feigin & Cherry's Textbook of Pediatric Infectious Diseases. Angaben zu Expert:innen und Zentren gemäß öffentlich zugänglichen Angaben der jeweiligen Kliniken/Fachgesellschaften, Stand der Recherche 2025 – für aktuelle Sprechstundeninformationen bitte direkt bei der jeweiligen Klinik nachfragen.