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Grundlagen & Definition

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa und Nordamerika, verursacht durch Spirochäten des Borrelia-burgdorferi-sensu-lato-Komplexes (in Europa v.a. B. afzelii, B. garinii, B. burgdorferi sensu stricto). Der klinische Verlauf gliedert sich in Stadien mit unterschiedlicher Organmanifestation; im Kindesalter ist die Erythema migrans die mit Abstand häufigste Manifestation.

>24h
nötige Saugzeit für Transmission
3–30 d
Latenz bis Erythema migrans
Knie
häufigstes betroffenes Gelenk bei Lyme-Arthritis
14 d
Standardtherapiedauer Erythema migrans
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Klinische Stadien

FRÜHE LOKALISIERTE INFEKTION

  • Erythema migrans: sich zentrifugal ausbreitende Rötung um Zeckenstich
  • Auftreten 3–30 Tage nach Zeckenstich (meist 7–14 Tage)
  • Zentrale Abblassung möglich, meist schmerzlos, nicht juckend
  • Häufig ohne Allgemeinsymptome, ggf. leichtes Fieber/Abgeschlagenheit

FRÜHE DISSEMINIERTE INFEKTION

  • Multiple Erythemata migrantia (hämatogene Aussaat)
  • Lymphozytäre Meningoradikulitis (Bannwarth-Syndrom)
  • Periphere Fazialisparese (oft beidseitig bei Kindern)
  • Lymphozytom (bläulich-livider Knoten, v.a. Ohrläppchen bei Kindern)
  • Selten: Karditis mit AV-Block

SPÄTE INFEKTION (MONATE–JAHRE)

  • Lyme-Arthritis: rezidivierende Mono-/Oligoarthritis, meist Knie
  • Deutliche Gelenkschwellung bei vergleichsweise geringen Schmerzen
  • Acrodermatitis chronica atrophicans (im Kindesalter selten)

WICHTIGE DIFFERENTIALDIAGNOSEN

  • Zeckenstichreaktion (sofort, juckend, <5 cm, rückläufig)
  • Erysipel/bakterielle Zellulitis (schmerzhaft, Fieber, rasche Progredienz)
  • Reaktive Arthritis anderer Genese bei Lyme-Arthritis
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Diagnostik

  1. Erythema migrans – klinische Blickdiagnose Bei typischem Bild ist keine serologische Bestätigung erforderlich; Serologie in der Frühphase häufig noch negativ
  2. Zweistufendiagnostik (Serologie) Screening-ELISA, bei positivem/grenzwertigem Ergebnis Bestätigung mittels Immunoblot (IgM/IgG)
  3. Liquordiagnostik bei V.a. Neuroborreliose Lymphozytäre Pleozytose, intrathekale Borrelien-Antikörperproduktion (Liquor-Serum-Index)
  4. Gelenkpunktat bei V.a. Lyme-Arthritis Entzündlicher Erguss, PCR aus Synovialflüssigkeit möglich zur Erregerbestätigung
  5. Keine Routine-Serologie nach jedem Zeckenstich Da hohe Seroprävalenz in Endemiegebieten auch ohne Erkrankung; Testung nur bei klinischem Verdacht sinnvoll
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Erreger & Pathophysiologie

🔬 Pathophysiologie

Borrelien werden bei einem Zeckenstich meist erst nach einer Adhärenzzeit von >24 Stunden übertragen, was die Bedeutung der raschen und korrekten Zeckenentfernung unterstreicht. Nach lokaler Vermehrung in der Haut (Erythema migrans) können die Spirochäten hämatogen disseminieren und Affinität zu Bindegewebe, Nervensystem und Gelenken zeigen. Die Lyme-Arthritis wird als überwiegend immunvermittelter Prozess verstanden: Auch nach erfolgreicher Antibiotikatherapie kann bei einem kleinen Teil der Patienten eine „antibiotika-refraktäre" Arthritis persistieren, vermutlich durch eine überschießende, molekular mimikry-basierte Autoimmunreaktion auf bakterielle Antigene (u.a. OspA) bei genetisch prädisponierten Individuen.

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Wirtsfaktoren & antibiotika-refraktäre Arthritis

🧬 Wirtsfaktoren

Eine Assoziation der antibiotika-refraktären Lyme-Arthritis mit bestimmten HLA-DR4-Allelen (insbesondere DRB1*0401) ist beschrieben und unterstützt das Konzept einer autoimmun unterhaltenen Synovitis nach initial adäquat behandelter Infektion. Diese Fälle zeigen typischerweise eine persistierende Gelenkentzündung trotz erregerfreiem Gelenkpunktat (negative PCR) und sprechen auf eine antiinflammatorische/immunmodulierende Therapie (NSAR, intraartikuläre Steroide, ggf. DMARDs) an, nicht auf eine verlängerte Antibiotikagabe.

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Differenzialdiagnosen

ErkrankungWegweisende KlinikAbgrenzung
ZeckenstichreaktionSofort auftretend, juckend, <5 cm, rückläufigKein zentrifugales Wachstum, keine Latenz
Erysipel/bakterielle ZellulitisSchmerzhaft, Fieber, rasche ProgredienzAnderer klinischer Verlauf, Ansprechen auf Beta-Lactam-AB
Periphere Fazialisparese anderer Genese (Bell's Palsy)Kein Zeckenstich/Erythema-migrans-AnamneseSerologie, Liquordiagnostik
Juvenile idiopathische ArthritisChronischer, oft polyartikulärer VerlaufFehlende Borrelien-Serologie, andere Verlaufsform
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Therapie & Prävention

ManifestationSubstanz & DosierungDauer
Erythema migrans (unkompliziert)Amoxicillin 50 mg/kg/d oral in 3 ED (max. 1,5 g/d); ab 8. Lj. alternativ Doxycyclin 4 mg/kg/d in 2 ED (max. 200 mg/d)14 Tage
Multiple Erythemata / Lymphozytomwie Erythema migrans (Amoxicillin oder Doxycyclin ab 8. Lj.)14–21 Tage
Fazialisparese / periphere Neuroborreliose ohne MeningitisDoxycyclin (ab 8. Lj.) oder Amoxicillin oral; bei jüngeren Kindern ggf. i.v.-Therapie erwägen14–21 Tage
Neuroborreliose mit ZNS-Beteiligung / MeningitisCeftriaxon 50–100 mg/kg/d i.v. in 1 ED (max. 2 g/d)14–21 Tage
Lyme-ArthritisDoxycyclin (ab 8. Lj.) oder Amoxicillin oral; bei fehlendem Ansprechen Ceftriaxon i.v.28 Tage

Prävention: Expositionsprophylaxe (geschlossene Kleidung, Repellentien) und regelmäßiges Absuchen nach Zeckenstichen, insbesondere in Endemiegebieten. Rasche und korrekte Zeckenentfernung (Zeckenzange/-karte, senkrechtes Herausziehen) reduziert das Übertragungsrisiko erheblich, da die Transmission typischerweise erst nach >24 Stunden Saugzeit erfolgt. Eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe nach Zeckenstich wird in Europa im Allgemeinen nicht empfohlen; entscheidend ist die klinische Verlaufsbeobachtung der Stichstelle über mehrere Wochen.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Zentren und Expert:innen für pädiatrische Infektiologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unkomplizierte Erythema migrans: hausärztliche/kinderärztliche Betreuung. Neuroborreliose, Lyme-Arthritis, antibiotika-refraktärer Verlauf: spezialisierte Anbindung.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Markus Hufnagel
Ärztlicher Leiter Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum Freiburg
FREIBURG
Vorsitzender der DGPI; klinische und translationale Forschung zu invasiven bakteriellen Infektionen und Impfstrategien.
Invasive Infektionen
Prof. Dr. med. Johannes Hübner
Leiter Pädiatrische Infektiologie
Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU München
MÜNCHEN
Diagnostik und Management komplexer pädiatrischer Infektionskrankheiten; Antibiotic Stewardship im Kindesalter.
Antibiotic Stewardship
Prof. Dr. med. Reinhard Berner
Direktor Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
DRESDEN
Angeborene Immundefekte und deren infektiologische Manifestationen; Mitherausgeber des DGPI-Handbuchs.
Immundefekte
Prof. Dr. med. Ulrich Heininger
Pädiatrische Infektiologie / Impfmedizin
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB), zuvor Erlangen
BASEL / ERLANGEN
Langjährige Expertise zu Pertussis, Impfstrategien und Infektionsepidemiologie im Kindesalter.
Pertussis
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Andrea Grisold
Pädiatrische Infektiologie / Klinische Mikrobiologie
Medizinische Universität Graz
GRAZ
Diagnostik bakterieller Infektionen im Kindesalter; Schnittstelle Mikrobiologie und pädiatrische Infektiologie.
Mikrobiologische Diagnostik
Univ.-Prof. Dr. Volker Strenger
Pädiatrische Infektiologie
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz
GRAZ
Klinische Versorgung und Forschung zu bakteriellen Infektionskrankheiten, u.a. Osteomyelitis und Atemwegsinfektionen.
Osteomyelitis
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Christoph Berger
Leiter Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene
Universitäts-Kinderspital Zürich
ZÜRICH
Leitung des Schweizerischen Referenzzentrums für invasive bakterielle Infektionen; Vorsitz EKIF.
Invasive Infektionen
Prof. Dr. med. Nicole Ritz
Chefärztin Pädiatrische Infektiologie
Kinderspital Luzern & Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
LUZERN / BASEL
Klinische Forschung zu pädiatrischen Infektionskrankheiten und Impfstoffstudien.
Impfstoffstudien
PD Dr. med. Petra Zimmermann
Pädiatrische Infektiologie
Fribourg Hospital & Universität Fribourg
FRIBOURG
Forschung zu Impfstoffwirkung und immunologischen Aspekten pädiatrischer Infektionskrankheiten.
Impfimmunologie

Fachgesellschaften & Referenzorganisationen: DGPI – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie · RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten · AWMF-Leitlinienregister · STIKO-Empfehlungen (aktueller Impfkalender) · Feigin & Cherry's Textbook of Pediatric Infectious Diseases. Angaben zu Expert:innen und Zentren gemäß öffentlich zugänglichen Angaben der jeweiligen Kliniken/Fachgesellschaften, Stand der Recherche 2025 – für aktuelle Sprechstundeninformationen bitte direkt bei der jeweiligen Klinik nachfragen.