Grundlagen & Definition
Fieber unklarer Genese (Fever of Unknown Origin, FUO) ist definiert als Fieber >38,3°C über mehr als 8 Tage (nach klassischer Definition, in der Pädiatrie teils auch kürzere Zeiträume von >1 Woche verwendet), bei dem trotz sorgfältiger Anamnese, körperlicher Untersuchung und initialer Basisdiagnostik keine Ursache gefunden werden konnte. Im Kindesalter sind Infektionen die mit Abstand häufigste Ursache, gefolgt von rheumatologisch-autoinflammatorischen und – deutlich seltener – onkologischen Erkrankungen.
Gemeinsames Prinzip: Bei FUO ist eine sorgfältige, oft wiederholte Anamnese und körperliche Untersuchung von zentraler Bedeutung zur Eingrenzung der weiteren Diagnostik.
Ursachengruppen & Anamnese
HÄUFIGE URSACHENGRUPPEN
- Infektionen (häufigste Gruppe): atypische/verzögert diagnostizierte Verläufe klassischer Erreger, EBV, CMV, Bartonellose (Katzenkratzkrankheit), Osteomyelitis mit blandem Verlauf
- Rheumatologisch-autoinflammatorisch: systemische JIA, periodische Fiebersyndrome (PFAPA u.a.)
- Onkologisch: Leukämien, Lymphome (selten, aber wichtige Differentialdiagnose)
- Sonstige: Medikamentenfieber, Immundefekte, faktitielles Fieber
ANAMNESTISCHE SCHLÜSSELFRAGEN
- Fiebermuster (kontinuierlich, intermittierend, periodisch) und Fieberkurve dokumentieren lassen
- Reiseanamnese, Tierkontakte, unpasteurisierte Milchprodukte
- Familienanamnese (periodische Fiebersyndrome, Immundefekte)
- Gewichtsverlauf, Nachtschweiß, Knochenschmerzen (Warnzeichen maligne Erkrankung)
- Vorausgegangene Antibiotikatherapien und deren Effekt
Warnzeichen (red flags) für eine ernste zugrundeliegende Erkrankung: Ungewollter Gewichtsverlust, anhaltende Knochenschmerzen/nächtliche Schmerzen, Hepatosplenomegalie, ausgeprägte Lymphadenopathie, Petechien/Blutungsneigung, deutlich reduzierter Allgemeinzustand zwischen den Fieberschüben. Diese Zeichen erfordern eine zügige erweiterte Diagnostik einschließlich hämatologisch-onkologischer Abklärung.
Stufendiagnostik
- Ausführliche, wiederholte Anamnese & körperliche Untersuchung Wichtigster diagnostischer Schritt – liefert häufiger richtungsweisende Hinweise als apparative Diagnostik; Wiederholung im Verlauf oft aufschlussreich
- Basislabor Blutbild mit Differenzierung, CRP, BSG, Transaminasen, LDH, Urinstatus, Blutkulturen (mehrfach, vor evtl. Antibiose)
- Erweiterte Infektionsserologie/-diagnostik EBV, CMV, Bartonella henselae, ggf. Tuberkulose-Diagnostik je nach Anamnese/Exposition
- Bildgebung nach klinischem Verdacht Sonographie Abdomen (Hepatosplenomegalie, Lymphknoten), Röntgen-Thorax; gezielte Schnittbildgebung nur bei konkretem Verdacht
- Rheumatologisch-autoinflammatorische Abklärung Ferritin, ANA, bei periodischem Fiebermuster Genetik autoinflammatorischer Syndrome erwägen
- Watchful waiting bei gutem Allgemeinzustand Bei fehlenden Warnzeichen und gutem AZ zwischen den Episoden ist eine abwartende Haltung mit engmaschiger klinischer Verlaufskontrolle oft gerechtfertigt, da viele FUO-Fälle spontan sistieren
Diagnostischer Ansatz
🔬 Pathophysiologie
Der diagnostische Ansatz bei FUO folgt einem stufenweisen Vorgehen: von der breiten, aber gezielten Basisdiagnostik über eine schrittweise Eingrenzung anhand anamnestischer und klinischer Hinweise bis zur spezifischen Diagnostik. „Schrotschuss"-Untersuchungen ohne klinischen Anhaltspunkt sind wenig zielführend und sollten vermieden werden – jeder diagnostische Schritt sollte durch einen konkreten klinischen oder anamnestischen Hinweis begründet sein.
| Diagnostische Ebene | Beispiele |
|---|---|
| Basisdiagnostik | Blutbild, CRP, BSG, Urinstatus, Blutkulturen |
| Gezielte Infektionsdiagnostik | EBV/CMV-Serologie, Bartonella, Tuberkulose-Diagnostik nach Exposition |
| Bildgebung nach Verdacht | Abdomensonographie, Röntgen-Thorax, gezielte Schnittbildgebung |
| Rheumatologisch-onkologische Abklärung | Ferritin, ANA, Knochenmarkdiagnostik bei Warnzeichen |
PFAPA-Syndrom als Differentialdiagnose
PFAPA-Syndrom als wichtige Differentialdiagnose: Das periodische Fiebersyndrom mit Aphthen, Pharyngitis und zervikaler Adenitis (PFAPA) ist die häufigste Ursache rezidivierender Fieberepisoden im Kleinkindalter und eine wichtige Differentialdiagnose zur klassischen FUO. Charakteristisch sind streng periodische Fieberschübe (meist alle 3–6 Wochen) mit den namensgebenden Begleitsymptomen, vollständiger Beschwerdefreiheit zwischen den Episoden und promptem Ansprechen auf eine Einzeldosis Kortikosteroid bei Fieberbeginn.
| Merkmal | PFAPA | Klassische FUO |
|---|---|---|
| Fiebermuster | Streng periodisch (alle 3–6 Wochen) | Variabel, kontinuierlich oder intermittierend |
| Zwischen den Episoden | Vollständige Beschwerdefreiheit | Oft weiterhin subklinische Auffälligkeiten je nach Ursache |
| Ansprechen auf Kortikosteroid | Prompt (innerhalb Stunden) | Variabel je nach Ursache |
| Wachstum/Gedeihen | Normal | Kann bei zugrundeliegender Erkrankung beeinträchtigt sein |
Differenzialdiagnosen
| Erkrankung | Wegweisende Klinik | Abgrenzung |
|---|---|---|
| PFAPA-Syndrom | Streng periodisches Fieber mit Aphthen/Pharyngitis/Adenitis | Prompte Steroid-Response, Periodizität |
| Systemische juvenile idiopathische Arthritis | Quotidianes Fieber, lachsfarbenes Exanthem, Arthritis | Rheumaserologie, Ferritin stark erhöht |
| Katzenkratzkrankheit (Bartonellose) | Regionale Lymphadenopathie nach Katzenkontakt | Bartonella-Serologie |
| Maligne Erkrankung (Leukämie/Lymphom) | Gewichtsverlust, Knochenschmerzen, Hepatosplenomegalie | Blutbild-Auffälligkeiten, Knochenmarkdiagnostik |
Management
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GUTER ALLGEMEINZUSTAND Watchful Waiting ▼
Bei fehlenden Warnzeichen und gutem Allgemeinzustand zwischen den Fieberepisoden: engmaschige klinische Verlaufskontrolle, da viele FUO-Fälle spontan sistieren.
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V.A. PFAPA Kortikosteroid-Einzeldosis ▼
Bei typischem periodischem Muster: probatorische Einzeldosis Kortikosteroid bei Fieberbeginn – prompte Entfieberung stützt die Diagnose.
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RED FLAGS Erweiterte Diagnostik ▼
Bei Warnzeichen (Gewichtsverlust, Knochenschmerzen, Hepatosplenomegalie, Petechien): zügige hämatologisch-onkologische und rheumatologische Abklärung.
Eine empirische Antibiotikatherapie „auf Verdacht" ohne mikrobiologischen Anhalt sollte vermieden werden, da sie die weitere diagnostische Einordnung erschweren kann.
Expertenzentren D-A-CH
Führende Zentren und Expert:innen für pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unkomplizierte, selbstlimitierende Fieberepisoden: hausärztliche/kinderärztliche Betreuung. Komplexe FUO-Abklärung: Anbindung an spezialisierte Zentren mit interdisziplinärer Expertise.
Fachgesellschaften & Referenzorganisationen: DGPI – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie · RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten · AWMF-Leitlinienregister · STIKO-Empfehlungen (aktueller Impfkalender) · Feigin & Cherry's Textbook of Pediatric Infectious Diseases. Angaben zu Expert:innen und Zentren gemäß öffentlich zugänglichen Angaben der jeweiligen Kliniken/Fachgesellschaften, Stand der Recherche 2025 – für aktuelle Sprechstundeninformationen bitte direkt bei der jeweiligen Klinik nachfragen.