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Grundlagen & Definition

Die akute SARS-CoV-2-Infektion (COVID-19) verläuft bei den meisten Kindern mild oder asymptomatisch. Von größerer klinischer Bedeutung im Kindesalter ist das seltene, aber potenziell schwere postinfektiöse Pädiatrische Inflammatorische Multisystem-Syndrom (PIMS-TS, synonym MIS-C), das typischerweise 2–6 Wochen nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion auftritt.

~1/1000
geschätzte PIMS-TS-Inzidenz nach SARS-CoV-2-Infektion im Kindesalter
2–6 Wo.
Latenz zwischen Infektion und PIMS-TS-Beginn
≥3 Tage
geforderte Fieberdauer für PIMS-TS-Kriterien
≥2
betroffene Organsysteme für die Diagnose

Schlüsselkonzept: PIMS-TS ist definitionsgemäß ein postinfektiöses, immunvermitteltes Syndrom und muss klar von der akuten COVID-19-Erkrankung abgegrenzt werden – die Diagnostik und Therapie unterscheiden sich grundlegend.

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Klinische Symptome

AKUTE COVID-19-INFEKTION

  • Meist mild: Fieber, Husten, Rhinitis, Halsschmerzen
  • Bei Kindern häufig gastrointestinale Symptome
  • Geruchs-/Geschmacksverlust seltener als bei Erwachsenen
  • Schwere Verläufe selten, am ehesten bei Risikofaktoren (Adipositas, chron. Erkrankung)

PIMS-TS – LEITKRITERIEN

  • Anhaltendes Fieber ≥3 Tage
  • Multisystembeteiligung (≥2 Organsysteme: kardial, GI, mukokutan, renal, hämatologisch, neurologisch)
  • Deutlich erhöhte Entzündungsmarker (CRP, Ferritin, D-Dimere)
  • Nachweis von SARS-CoV-2 (PCR/Serologie) oder gesicherter Kontakt
  • Ausschluss anderer mikrobieller Ursachen

PIMS-TS – Kawasaki-ähnliches Bild mit Schockrisiko: Klinisch häufig Überlappung mit dem Kawasaki-Syndrom (Exanthem, Konjunktivitis, Enanthem/Lacklippen, Extremitätenveränderungen, zervikale Lymphadenopathie), zusätzlich häufig ausgeprägte gastrointestinale Symptomatik (Bauchschmerzen, Erbrechen, Diarrhö) und kardiale Beteiligung (Myokarditis, verminderte linksventrikuläre Funktion, Koronararterienaneurysmen, kardiogener Schock). Ein signifikanter Anteil der Kinder entwickelt einen behandlungsbedürftigen Schock und benötigt intensivmedizinische Betreuung.

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Diagnostik

  1. Anamnese Zurückliegende SARS-CoV-2-Infektion oder -Exposition (2–6 Wochen zuvor), aktuelle Symptomdauer und -konstellation
  2. Labor CRP, Ferritin, D-Dimere, NT-proBNP/Troponin (kardiale Beteiligung), Blutbild (häufig Lymphopenie, Thrombozytopenie), Gerinnung
  3. Echokardiographie Obligat bei V.a. PIMS-TS zur Beurteilung von Myokardfunktion und Koronararterien
  4. SARS-CoV-2-Diagnostik PCR (oft bereits negativ) und Serologie (meist positiv) zur Bestätigung der vorausgegangenen Infektion
  5. Ausschlussdiagnostik Blutkulturen und weitere mikrobiologische Diagnostik zum Ausschluss anderer Ursachen der Multisystem-Inflammation (Sepsis, Kawasaki-Syndrom anderer Genese)
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Erreger & Pathophysiologie PIMS-TS

🔬 Pathophysiologie

PIMS-TS wird als postinfektiöse, immunvermittelte Hyperinflammation verstanden, die zeitlich nach Abklingen der akuten viralen Replikation auftritt – im Unterschied zur akuten COVID-19-Erkrankung finden sich bei PIMS-TS häufig positive SARS-CoV-2-Antikörper bei negativer PCR. Angenommen wird eine überschießende adaptive Immunantwort mit massiver Zytokinausschüttung (ähnlich einem Zytokinsturm), möglicherweise getriggert durch persistierende virale Antigene im Gastrointestinaltrakt, die zu einer systemischen Vaskulitis-ähnlichen Entzündungsreaktion mit Endothelschädigung führt und die kardiale und multiorgane Beteiligung erklärt.

ParameterAngabe
Übertragungsweg (SARS-CoV-2)Tröpfchen, Aerosole, Schmierinfektion
Inkubationszeit COVID-192–14 Tage (im Mittel 4–6 Tage)
Zeitfenster PIMS-TS2–6 Wochen nach akuter Infektion/Exposition
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Verlauf & Prognose

VerlaufsformKlinikPrognose
Akute COVID-19 (unkompliziert)Milde respiratorische/gastrointestinale SymptomeSelbstlimitierend, vollständige Genesung
PIMS-TS ohne SchockFieber, Multisystembeteiligung, stabile HämodynamikGute Prognose unter Therapie
PIMS-TS mit SchockKardiogener/vasoplegischer Schock, intensivmedizinische Betreuung nötigMeist vollständige Erholung bei rascher Therapie

Die meisten Kinder mit PIMS-TS erholen sich unter adäquater Therapie vollständig, kardiale Auffälligkeiten bilden sich in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle im Verlauf zurück. Entscheidend ist die frühzeitige Erkennung und interdisziplinäre Betreuung.

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Differenzialdiagnosen

ErkrankungWegweisende KlinikAbgrenzung
Kawasaki-Syndrom (klassisch)Ähnliche mukokutane Zeichen, jüngeres Alter typischFehlender zeitlicher Bezug zu SARS-CoV-2, andere Altersverteilung
Bakterielle SepsisFokaler Infektherd möglich, andere ErregerkonstellationBlutkulturen, prokalzitonin-gestützte Abklärung
Toxisches SchocksyndromRascherer Beginn, oft Hautfokus/Fremdkörper (Tampon)Anamnese, Erregernachweis (Staph./Strep.)
MakrophagenaktivierungssyndromExtrem hohes Ferritin, oft rheumatologische GrunderkrankungFerritin-Ausmaß, Knochenmarkdiagnostik in Einzelfällen
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Therapie PIMS-TS

  • 1. WAHL Intravenöse Immunglobuline (IVIG)

    IVIG: 2 g/kg als Einzelinfusion (max. 100 g), analog zur Kawasaki-Syndrom-Therapie, häufig in Kombination mit Kortikosteroiden bei PIMS-TS eingesetzt. Frühzeitiger Therapiebeginn nach Diagnosestellung angestrebt, um kardiale Komplikationen zu minimieren.

  • KOMBINATION Kortikosteroide

    Methylprednisolon: 1–2 mg/kg/d i.v. (bei schwererem Verlauf ggf. Pulstherapie 10–30 mg/kg/d für 1–3 Tage), zunehmend bereits initial in Kombination mit IVIG eingesetzt, da Kombinationstherapie mit rascherer Entfieberung und ggf. geringerem Bedarf an intensivmedizinischer Unterstützung assoziiert ist.

  • ESKALATION Biologika bei refraktärem Verlauf

    Anakinra (IL-1-Rezeptorantagonist) als Eskalationsoption bei unzureichendem Ansprechen auf IVIG/Kortikosteroide oder bei Kontraindikation. Bei ausgeprägter kardialer Beteiligung/Schock: intensivmedizinische Betreuung mit Kreislaufunterstützung, ggf. Katecholamintherapie.

  • BEGLEITEND Thromboseprophylaxe & Nachsorge

    Aufgrund des erhöhten Thromboserisikos (D-Dimere-Anstieg, Endothelaktivierung) wird bei den meisten Patienten eine Thromboseprophylaxe (niedermolekulares Heparin oder ASS je nach Risikoprofil und Thrombozytenzahl) empfohlen. Regelmäßige kardiologische Verlaufskontrollen (Echokardiographie) nach Entlassung zur Überwachung von Myokardfunktion und Koronararterien sind obligat.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Zentren und Expert:innen für pädiatrische Infektiologie, Rheumatologie und PIMS-TS-Register in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Akute unkomplizierte COVID-19: hausärztliche/kinderärztliche Betreuung. V.a. PIMS-TS: umgehende Anbindung an ein Zentrum mit pädiatrisch-infektiologischer, kardiologischer und ggf. intensivmedizinischer Expertise.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Markus Hufnagel
Ärztlicher Leiter Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum Freiburg
FREIBURG
Vorsitzender der DGPI; klinische Forschung zu viralen Infektionen und PIMS-TS im Kindesalter.
DGPI-Vorsitz
Prof. Dr. med. Johannes Hübner
Leiter Pädiatrische Infektiologie
Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU München
MÜNCHEN
Diagnostik und Management viraler und komplexer pädiatrischer Infektionskrankheiten.
Infektiologie
Prof. Dr. med. Ulrich Heininger
Pädiatrische Infektiologie / Impfmedizin
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB), zuvor Erlangen
BASEL / ERLANGEN
Langjährige Expertise zu impfpräventablen Erkrankungen (Masern, Mumps, Röteln) und Impfstrategien.
Impfmedizin
Prof. Dr. med. Tilmann Kallinich
Sektionsleiter Rheumatologie / PIMS-TS-Register
Charité Universitätsmedizin Berlin
BERLIN
Mitinitiator des bundesweiten PIMS-TS-Registers der DGPI/GKJR.
PIMS-TS-Register
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Volker Strenger
Pädiatrische Infektiologie
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz
GRAZ
Klinische Versorgung und Forschung zu viralen Infektionen und postinfektiösen Syndromen des Kindesalters.
Infektiologie
Univ.-Prof. Dr. Andrea Grisold
Pädiatrische Infektiologie / Klinische Mikrobiologie
Medizinische Universität Graz
GRAZ
Diagnostik viraler Infektionen im Kindesalter; Schnittstelle Virologie und pädiatrische Infektiologie.
Virologische Diagnostik
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Christoph Berger
Leiter Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene
Universitäts-Kinderspital Zürich
ZÜRICH
Leitung des Schweizerischen PIMS-TS- und Kawasaki-Registers; Vorsitz EKIF.
PIMS-TS-Register
Prof. Dr. med. Nicole Ritz
Chefärztin Pädiatrische Infektiologie
Kinderspital Luzern & Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
LUZERN / BASEL
Klinische Forschung zu viralen Infektionen und Impfstoffstudien im Kindesalter.
Impfstoffstudien

Fachgesellschaften & Referenzorganisationen: DGPI – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie · RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten · AWMF-Leitlinienregister · STIKO-Empfehlungen (aktueller Impfkalender) · Feigin & Cherry's Textbook of Pediatric Infectious Diseases. Angaben zu Expert:innen und Zentren gemäß öffentlich zugänglichen Angaben der jeweiligen Kliniken/Fachgesellschaften, Stand der Recherche 2025 – für aktuelle Sprechstundeninformationen bitte direkt bei der jeweiligen Klinik nachfragen.