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Grundlagen & Pathophysiologie

Die juvenile idiopathische Arthritis (JIA) bezeichnet eine heterogene Gruppe chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankungen mit Beginn vor dem 16. Lebensjahr und einer Symptomdauer von mindestens 6 Wochen, nach Ausschluss anderer Ursachen. Die ILAR-Klassifikation unterteilt die JIA in sieben klinisch und pathophysiologisch unterschiedliche Subtypen, die sich in Gelenkbefallsmuster, Autoantikörper-Profil und Systembeteiligung deutlich unterscheiden.

ILAR-Klassifikation der JIA-Subtypen

Oligoartikulär (~50 %)≤4 Gelenke, oft ANA+, Uveitis-Risiko
Polyartikulär RF-/RF+≥5 Gelenke, symmetrisch
SystemischFieber, Exanthem, Serositis
Enthesitis-assoziiertHLA-B27, Sakroiliitis-Risiko
Psoriasis-ArthritisDaktylitis, Nagelveränderungen
~1:1.000
Geschätzte Prävalenz der JIA bei Kindern – häufigste chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung im Kindesalter
~50 %
Anteil der oligoartikulären JIA – häufigster Subtyp, v.a. bei jungen Mädchen
~20 %
Uveitis-Risiko bei ANA-positiver, früh beginnender oligoartikulärer JIA
2–4 : 1
Mädchen:Jungen-Verhältnis bei oligoartikulärer und polyartikulärer JIA

Pathophysiologische Grundlagen im Detail

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Synoviale Entzündung

Bei der JIA kommt es zu einer chronischen Entzündung der Synovialmembran mit Infiltration durch T-Zellen, B-Zellen, Makrophagen und dendritischen Zellen, begleitet von einer Hyperplasie der Synovialzellen und vermehrter Angiogenese – Grundlage der klinisch tastbaren Gelenkschwellung.

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Pannus-Bildung & Knorpeldestruktion

Bei anhaltender Entzündung entwickelt sich ein invasives, hypertrophes Synovialgewebe (Pannus), das Knorpel und subchondralen Knochen durch Freisetzung von Matrix-Metalloproteinasen und proinflammatorischen Zytokinen (TNF-α, IL-1, IL-6) zunehmend zerstört – potenzielle Ursache irreversibler Gelenkschäden bei unzureichender Therapie.

Autoinflammation bei systemischer JIA

Im Gegensatz zu den anderen JIA-Subtypen wird die systemische JIA heute primär als autoinflammatorische Erkrankung verstanden, getrieben durch eine Dysregulation des angeborenen Immunsystems mit massiver IL-1- und IL-6-Ausschüttung – ähnlich den in einer separaten Seite behandelten autoinflammatorischen Fiebersyndromen, jedoch mit prominenter Gelenkbeteiligung.

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Th17/Treg-Dysbalance

Bei den klassisch autoimmunen JIA-Formen (oligo-/polyartikulär) spielt eine Dysbalance zwischen proinflammatorischen Th17-Zellen und regulatorischen T-Zellen (Treg) eine zentrale Rolle in der Aufrechterhaltung der chronischen Gelenkentzündung.

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HLA-Klasse-I-Assoziation bei Enthesitis-JIA

Die enthesitis-assoziierte JIA zeigt eine starke Assoziation mit HLA-B27 und gehört pathophysiologisch zum Spektrum der Spondyloarthritiden, mit Entzündung der Sehnenansätze (Enthesen) als zusätzlichem Charakteristikum neben der eigentlichen Arthritis.

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Uveitis als extraartikuläre Manifestation

Die JIA-assoziierte anteriore Uveitis entsteht durch eine analoge autoimmune Entzündungsreaktion in der Uvea des Auges, ist bei ANA-positiver, früh beginnender oligoartikulärer JIA besonders häufig und verläuft klinisch oft asymptomatisch ("weißes Auge") trotz relevanter Entzündungsaktivität.

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Klinische Symptome

Leitsymptom ist die chronische Gelenkschwellung mit Morgensteifigkeit, deren Verteilungsmuster, Begleitsymptome und Systembeteiligung stark subtypabhängig variieren.

Symptome je Subtyp im Überblick

Oligoartikuläre JIA

≤4 Gelenke, oft Knie

Betrifft meist große Gelenke (Knie, Sprunggelenk), oft asymmetrisch; häufig bei jungen Mädchen mit ANA-Positivität; hohes Uveitis-Risiko, sonst meist gutes Ansprechen auf lokale/systemische Therapie.

Polyartikuläre JIA (RF+/RF-)

≥5 Gelenke, symmetrisch

Symmetrischer Befall kleiner und großer Gelenke; RF-positive Form ähnelt klinisch der rheumatoiden Arthritis Erwachsener mit aggressiverem Verlauf; RF-negative Form heterogener, oft milderer Verlauf.

Systemische JIA

Fieber, Exanthem, Serositis

Tägliche, hohe, oft doppelgipflige Fieberspitzen; lachsfarbenes, flüchtiges, fieberkorreliertes Exanthem; Hepatosplenomegalie, Lymphadenopathie, Serositis; Arthritis kann initial fehlen oder sich verzögert manifestieren.

ALLGEMEINE GELENKSYMPTOME

  • Gelenkschwellung, oft schmerzarm bei Kleinkindern
  • Morgensteifigkeit, "Anlaufschmerz"
  • Hinken (oft erstes bemerktes Zeichen)
  • Bewegungseinschränkung
  • Überwärmung des betroffenen Gelenks
  • Wachstumsstörungen bei chronischem Befall (Beinlängendifferenz)

SYSTEMISCHE JIA – LEITSYMPTOME

  • Hohes, tägliches, spikeartiges Fieber
  • Lachsfarbenes, flüchtiges Exanthem
  • Hepatosplenomegalie
  • Generalisierte Lymphadenopathie
  • Serositis (Perikarditis, Pleuritis)
  • Massiv erhöhte Entzündungswerte, Ferritin

UVEITIS-WARNZEICHEN

  • Meist asymptomatisch ("weißes Auge")!
  • Selten: Rötung, Photophobie, Visusminderung
  • Bandförmige Keratopathie bei Spätdiagnose
  • Sekundärglaukom, Katarakt als Komplikation
  • Regelmäßige Spaltlampenkontrolle obligat
  • Höchstes Risiko: ANA+, früher Beginn, oligoartikulär

ENTHESITIS-/PSORIASIS-JIA-ZEICHEN

  • Enthesitis (Sehnenansatzschmerz, v.a. Ferse)
  • Sakroiliitis, entzündlicher Rückenschmerz
  • Daktylitis ("Wurstfinger/-zehe")
  • Psoriasis-Hautveränderungen
  • Nagelveränderungen (Tüpfelnägel)
  • Akute anteriore Uveitis (symptomatisch, im Gegensatz zur chronischen Form)
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Diagnostik

Die JIA-Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose, die auf den klinischen ILAR-Kriterien beruht. Zentral sind neben der Diagnosesicherung die subtypbezogene Autoantikörper-Bestimmung und das obligate augenärztliche Uveitis-Screening.

  1. Klinische Untersuchung & AnamneseSystematischer Gelenkstatus (Anzahl, Verteilung, Symmetrie betroffener Gelenke); Dauer der Symptomatik (≥6 Wochen für JIA-Diagnose erforderlich); Fieberanamnese und -muster; Hautbefund (Exanthem, Psoriasis-Plaques, Nagelveränderungen); Enthesitis-Untersuchung (Fersen, Patellarsehne); Wachstums- und Entwicklungsanamnese; Familienanamnese (Psoriasis, HLA-B27-assoziierte Erkrankungen).
  2. ILAR-Klassifikationskriterien anwendenArthritis unbekannter Ursache, Beginn vor dem 16. Lebensjahr, Persistenz ≥6 Wochen, nach Ausschluss anderer definierter Ursachen; Subtyp-Zuordnung anhand Gelenkanzahl (oligo- ≤4, polyartikulär ≥5), RF-Status, Systemzeichen (systemische JIA), HLA-B27/Enthesitis (enthesitis-assoziierte JIA) und Psoriasis-Assoziation.
  3. BasislabordiagnostikCRP, BSG (können bei oligoartikulärer JIA normal sein!); Blutbild (Anämie, Thrombozytose bei aktiver Entzündung; bei systemischer JIA oft ausgeprägte Leukozytose); ANA (prognostisch relevant für Uveitis-Risiko, nicht diagnostisch für JIA selbst); Rheumafaktor und Anti-CCP-Antikörper (Subtyp-Klassifikation, RF+ polyartikuläre JIA); HLA-B27 bei V.a. enthesitis-assoziierte JIA.
  4. Bildgebende DiagnostikGelenksonographie zur Erfassung von Gelenkerguss, Synovialishypertrophie und Power-Doppler-Aktivität (sensitiver als klinische Untersuchung allein); MRT bei Verdacht auf Sakroiliitis (enthesitis-assoziierte JIA) oder zur Beurteilung der Krankheitsaktivität in schwer klinisch zugänglichen Gelenken; Röntgen zur Erfassung struktureller Schäden im Verlauf, weniger für die Frühdiagnostik geeignet.
  5. Augenärztliches Uveitis-Screening (obligat, risikoadaptiert)Regelmäßige Spaltlampenuntersuchung nach festgelegtem Intervallschema, abhängig von JIA-Subtyp, ANA-Status und Erkrankungsalter (häufigste Kontrollen bei jungen, ANA-positiven Mädchen mit oligoartikulärer JIA – alle 3 Monate über mehrere Jahre); Screening unabhängig von okulären Beschwerden, da die Uveitis meist asymptomatisch verläuft.

Uveitis-Screening-Intervalle nach Risikoprofil (Beispielschema)

RisikogruppeANA-StatusErkrankungsbeginnEmpfohlenes Kontrollintervall
Höchstes RisikoANA positiv<6 Jahre, Krankheitsdauer <4 JahreAlle 3 Monate
Mittleres RisikoANA positiv<6 Jahre, Krankheitsdauer 4–7 JahreAlle 6 Monate
Niedrigeres RisikoANA negativBeliebigAlle 12 Monate
Enthesitis-assoziierte JIAMeist ANA negativBeliebigBei akuten Symptomen (im Gegensatz zur chronischen, stillen Uveitis)

Wichtiger Hinweis: Die JIA-assoziierte chronische anteriore Uveitis verursacht in der überwiegenden Mehrheit der Fälle keine Rötung oder Schmerzen ("weißes Auge") – ausschließlich das strukturierte, augenärztliche Screening-Programm erlaubt die Frühdiagnose vor Eintreten irreversibler Komplikationen wie bandförmiger Keratopathie, Sekundärglaukom oder Katarakt.

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Molekulargenetische Grundlagen

Die JIA ist eine polygene Erkrankung mit subtypspezifisch unterschiedlichen genetischen Assoziationen. HLA-Gene stellen die stärksten Suszeptibilitätsfaktoren dar, wobei sich die Assoziationsmuster zwischen den JIA-Subtypen deutlich unterscheiden.

Immunologische Schlüsselwege

HLA-Klasse-II (Oligo-/Polyartikulär)

HLA-DRB1-Allele

Verschiedene HLA-DRB1-Allele sind mit unterschiedlichen JIA-Subtypen assoziiert; bestimmte Allele erhöhen zusätzlich das Uveitis-Risiko bei oligoartikulärer JIA – wichtiger Baustein der Risikostratifizierung, wenn auch nicht routinemäßig getestet.

HLA-Klasse-I (Enthesitis-JIA)

HLA-B27

Starke Assoziation mit der enthesitis-assoziierten JIA und dem Risiko einer späteren Sakroiliitis/Spondyloarthritis; HLA-B27-Testung unterstützt die Subtyp-Klassifikation bei entsprechender Klinik.

Autoinflammatorischer Signalweg (systemische JIA)

IL1/IL6-Signalweg

Bei der systemischen JIA stehen nicht klassische Autoimmun-, sondern autoinflammatorische Signalwege (IL-1, IL-6) im Vordergrund – eine wichtige pathophysiologische Abgrenzung von den übrigen JIA-Subtypen mit direkter therapeutischer Konsequenz.

Gen / LocusJIA-SubtypFunktion / AssoziationKlassifikation
HLA-DRB1*08 / *11 / *13Oligoartikuläre JIAMHC-Klasse-II-Allele mit starker Assoziation zur oligoartikulären JIA, besonders bei jungen, ANA-positiven Mädchen; bestimmte Allele zusätzlich mit erhöhtem Uveitis-Risiko assoziiertSubtyp-Suszeptibilität, polygen
HLA-B27Enthesitis-assoziierte JIAMHC-Klasse-I-Allel mit stärkster Assoziation zur enthesitis-assoziierten JIA und Spondyloarthritis-Spektrum; Risikofaktor für Sakroiliitis-Entwicklung im Verlauf; klinisch als Bestandteil der Subtyp-Klassifikation genutztSpondyloarthritis-Spektrum
PTPN22Polyartikuläre JIA (v.a. RF+)Protein-Tyrosin-Phosphatase; reguliert T-Zell-Rezeptor-Signaltransduktion; Risikovariante (R620W) mit mehreren Autoimmunerkrankungen assoziiert, darunter polyartikuläre JIA, insbesondere RF-positive FormAutoimmun-Suszeptibilität, polygen
IL6 / IL6RSystemische JIAIL-6 ist zentrales Effektorzytokin der systemischen JIA, verantwortlich für Fieber, Akute-Phase-Reaktion und Wachstumsstörung; IL6R-Polymorphismen mit Krankheitsschwere assoziiert; zugleich zentrale therapeutische Zielstruktur (Tocilizumab)Zentrales Effektorzytokin, therapeutische Zielstruktur
IL1RN / NLRP3-SignalwegSystemische JIAVerbindung zur Inflammasom-vermittelten IL-1-Signalkaskade, analog den monogenen autoinflammatorischen Syndromen; unterstützt das Konzept der systemischen JIA als polygene autoinflammatorische Erkrankung; Grundlage für IL-1-Blockade als TherapieoptionAutoinflammatorischer Signalweg

Klinische Relevanz: Eine routinemäßige genetische Testung (außer HLA-B27 bei V.a. enthesitis-assoziierte JIA) ist bei der klassischen JIA nicht indiziert. Das Verständnis der unterschiedlichen Pathomechanismen (klassisch autoimmun bei oligo-/polyartikulärer JIA vs. autoinflammatorisch bei systemischer JIA) ist jedoch direkt therapeutisch relevant.

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Molekulare Diagnostik

Die Labordiagnostik dient primär der Subtyp-Klassifikation und Prognoseeinschätzung sowie der Abgrenzung von Differentialdiagnosen, insbesondere der lebensbedrohlichen Komplikation des Makrophagenaktivierungssyndroms bei systemischer JIA.

Praxishinweis ANA: ANA-Positivität ist bei der JIA nicht diagnostisch beweisend (im Gegensatz zum SLE), sondern primär ein prognostischer Marker für das Uveitis-Risiko – ein negativer ANA-Befund schließt eine JIA keinesfalls aus.

MethodeIndikationBedeutung / Besonderheit
ANA (antinukleäre Antikörper)Bei jeder neu diagnostizierten JIAPrognostischer Marker für Uveitis-Risiko, nicht diagnostisch für JIA selbst; positiv v.a. bei oligoartikulärer JIA junger Mädchen
Rheumafaktor (RF) + Anti-CCP-AntikörperSubtyp-Klassifikation der polyartikulären JIARF-positive polyartikuläre JIA verläuft klinisch der Erwachsenen-RA ähnlicher und oft aggressiver; Anti-CCP unterstützt diese Klassifikation zusätzlich
HLA-B27V.a. enthesitis-assoziierte JIAUnterstützt Subtyp-Klassifikation; Risikomarker für Sakroiliitis/Spondyloarthritis-Entwicklung
FerritinSystemische JIA, insbesondere bei V.a. MakrophagenaktivierungssyndromMassiv erhöhtes und rasch ansteigendes Ferritin ist zentraler Warnhinweis für die lebensbedrohliche MAS-Komplikation
CRP, BSGVerlaufskontrolle der EntzündungsaktivitätBei oligoartikulärer JIA oft nur gering erhöht oder normal, trotz aktiver Gelenkentzündung – Diskrepanz beachten
Gelenksonographie mit Power-DopplerErfassung subklinischer SynovialitisSensitiver als klinische Untersuchung allein; zunehmend Standard zur Aktivitätsbeurteilung und Therapiesteuerung
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Differenzialdiagnosen

Die JIA ist eine Ausschlussdiagnose – zahlreiche infektiöse, onkologische und andere rheumatologische Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden, insbesondere die Leukämie als wichtigste onkologische Differentialdiagnose.

DifferentialdiagnoseÄhnlichkeitSchlüsselunterschiedDiagnostik
Akute lymphoblastische Leukämie (ALL)Gelenkschmerzen, Hinken, Fieber, erhöhte EntzündungswerteNächtliche Knochenschmerzen oft im Vordergrund (nicht nur Gelenke); Zytopenien im Blutbild; Blastennachweis im peripheren Blut oder KnochenmarkBlutbild mit Differenzierung, ggf. Knochenmarkpunktion (obligat vor Kortikosteroidgabe bei unklarem Fall!)
Reaktive Arthritis (postinfektiös)Akute Arthritis nach InfektMeist selbstlimitierend innerhalb weniger Wochen (unter 6 Wochen); klarer vorausgehender Infekt (gastrointestinal, urogenital)Verlaufsbeobachtung, Erregerdiagnostik je nach Anamnese
Septische ArthritisAkute, schmerzhafte Gelenkschwellung mit FieberMeist Monarthritis, sehr schmerzhaft, deutliche Bewegungseinschränkung; Erregernachweis in GelenkpunktatGelenkpunktion mit Zellzahl/Kultur, Blutkulturen
Lyme-Arthritis (Borreliose)Mono-/Oligoarthritis, v.a. KnieEndemiegebiet-Anamnese, ggf. vorausgegangenes Erythema migrans; Borrelien-Serologie positivBorrelien-Serologie (ELISA + Westernblot), Anamnese Zeckenexposition
Systemischer Lupus erythematodes (juvenil)Arthritis, Fieber, erhöhte EntzündungswerteZusätzliche SLE-typische Organmanifestationen (Nephritis, Hautveränderungen); ANA hochtitrig + ds-DNA positiv; Komplementverbrauch (siehe eigenständige Seite)ANA, ds-DNA, Komplement C3/C4, ACR/SLICC-Kriterien
Familiäres Mittelmeerfieber / autoinflammatorische SyndromeRezidivierendes Fieber mit Arthritis (v.a. DD zur systemischen JIA)Kürzere, oft periodische Fieberschübe statt kontinuierlicher systemischer Aktivität; andere Begleitsymptome (Serositis-Muster, Familienanamnese); Gendiagnostik möglich (siehe eigenständige Seite)Fieberkalender, Gendiagnostik bei klinischem Verdacht
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Therapie

Die Therapie folgt einem subtypadaptierten Stufenschema nach dem Treat-to-Target-Prinzip mit dem Ziel der frühen, konsequenten Entzündungskontrolle zur Vermeidung struktureller Gelenkschäden.

  • STUFE 1NSAR & intraartikuläre Kortikosteroide

    NSAR: Symptomatische Erstlinientherapie bei milder Oligoarthritis; Naproxen oder Ibuprofen in altersadaptierter Dosierung; wirkt rein symptomatisch, nicht krankheitsmodifizierend.
    Intraartikuläre Kortikosteroid-Injektion: Bei oligoartikulärer JIA häufig hocheffektive Erstlinientherapie (Triamcinolonhexacetonid); kann bei einzelnen Gelenken zu langanhaltender Remission führen; ggf. Wiederholung bei Rezidiv.
    Frühzeitige Reevaluation: Bei unzureichendem Ansprechen innerhalb weniger Wochen zügige Eskalation, um das Zeitfenster für optimale Gelenkerhaltung nicht zu verpassen (Treat-to-Target-Prinzip).

  • STUFE 2Konventionelle DMARDs

    Methotrexat (MTX): Wichtigstes konventionelles DMARD bei JIA; wöchentliche Gabe oral oder subkutan; Wirkeintritt verzögert (6–12 Wochen); Folsäuresupplementierung zur Reduktion gastrointestinaler Nebenwirkungen; regelmäßiges Monitoring von Leberwerten und Blutbild.
    Indikation: Polyartikuläre JIA als Ersttherapie; oligoartikuläre JIA bei unzureichendem Ansprechen auf intraartikuläre Steroide/NSAR oder bei Ausbreitung auf mehr Gelenke ("extended oligoarticular").
    Sulfasalazin: Alternative, insbesondere bei enthesitis-assoziierter JIA in einigen Leitlinien noch eingesetzt, zunehmend durch Biologika abgelöst.

  • STUFE 3Biologika – Subtypadaptierte Auswahl

    TNF-α-Inhibitoren (Etanercept, Adalimumab): Erstlinien-Biologika bei oligo-/polyartikulärer und enthesitis-assoziierter JIA nach unzureichendem MTX-Ansprechen; Adalimumab zusätzlich wirksam bei begleitender Uveitis.
    IL-1-Blockade (Anakinra, Canakinumab): Bevorzugte Erstlinien-Biologika-Option bei systemischer JIA, oft bereits vor oder anstelle von MTX eingesetzt, da die systemische JIA primär autoinflammatorisch getrieben ist.
    IL-6-Blockade (Tocilizumab): Wirksame Option sowohl bei systemischer als auch bei polyartikulärer JIA; adressiert das zentrale Effektorzytokin der systemischen Entzündung.
    Abatacept (CTLA4-Ig): T-Zell-Kostimulationsblocker als Option bei polyartikulärer JIA, insbesondere nach TNF-Inhibitor-Versagen.
    JAK-Inhibitoren: Zunehmend als orale Alternative bei polyartikulärer JIA ab bestimmtem Alter zugelassen.

  • STUFE 4Management des Makrophagenaktivierungssyndroms (MAS)

    Definition & Erkennung: Lebensbedrohliche Hyperinflammations-Komplikation, v.a. bei systemischer JIA; Warnzeichen: unerklärlicher Fieberabfall bei paradoxer klinischer Verschlechterung, fallende Thrombozyten/Leukozyten (bei sonst hoher Entzündungsaktivität untypisch), massiv ansteigendes Ferritin, Transaminasenanstieg, Koagulopathie.
    Sofortige intensivierte Therapie: Hochdosierte Kortikosteroide (Puls-Therapie) als Basis; Ciclosporin A als Zusatztherapie; Anakinra (IL-1-Blockade) bei therapierefraktärem MAS zunehmend als Schlüsseltherapie etabliert.
    Interdisziplinäre Intensivbetreuung: Bei schwerem Verlauf intensivmedizinische Mitbetreuung erforderlich; frühzeitige Erkennung und Therapieeinleitung sind entscheidend für die Prognose.

Monitoring unter Therapie – Übersicht

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Gelenkstatus & Aktivitätsscores

Regelmäßige Erfassung der Anzahl aktiver Gelenke, ggf. standardisierte Aktivitätsscores (JADAS); Gelenksonographie bei unklarer klinischer Aktivität; Wachstumskurve zur Erfassung krankheits- oder therapiebedingter Wachstumsstörungen.

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DMARD-/Biologika-Monitoring

Regelmäßige Kontrolle von Blutbild und Leberwerten unter Methotrexat; Infektionsscreening (Tuberkulose-Ausschluss) vor Biologika-Beginn; Impfstatus-Überprüfung und Ergänzung inaktivierter Impfungen vor Immunsuppression.

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Uveitis-Langzeit-Screening

Konsequente Fortführung des risikoadaptierten augenärztlichen Screenings über Jahre, auch bei guter Gelenkkontrolle, da die Uveitis unabhängig von der Gelenkaktivität verlaufen kann.

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Übergangsmedizin

Strukturierte Transition in die Erwachsenenrheumatologie planen, insbesondere bei Fortbestehen der Krankheitsaktivität über die Adoleszenz hinaus; psychosoziale Begleitung bei chronischem Verlauf.

Prognose: Die Prognose der JIA hat sich durch frühe, konsequente Therapie (Treat-to-Target) und den Einsatz moderner Biologika in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich verbessert – ein relevanter Anteil der Kinder erreicht heute eine medikamentöse Remission. Die oligoartikuläre JIA hat insgesamt die günstigste Prognose, während die RF-positive polyartikuläre JIA und die systemische JIA (insbesondere bei MAS-Komplikation) einen anspruchsvolleren Verlauf zeigen können. Die konsequente Uveitis-Vorsorge ist unabhängig vom Gelenkverlauf entscheidend zur Vermeidung bleibender Sehschäden.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Experten und spezialisierte Zentren für juvenile idiopathische Arthritis in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. Gerd Horneff
Pädiatrische Rheumatologie
Asklepios Klinik Sankt Augustin – Zentrum für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
SANKT AUGUSTIN
JIA-Biologika-Therapie; BIKER-Register (Biologika bei Kindern mit Rheuma); nationale Therapieleitlinien; Langzeit-Sicherheitsdaten
JIA-Biologika DEBIKER-Register
Prof. Dr. Kirsten Minden
Pädiatrische Rheumatologie
Charité Universitätsmedizin Berlin / Deutsches Rheuma-Forschungszentrum
BERLIN
JIA-Versorgungsforschung; Übergangsmedizin (Transition); nationales JIA-Register; Langzeitverlaufsstudien
JIA-VersorgungsforschungTransition
Prof. Dr. Johannes-Peter Haas
Pädiatrische Rheumatologie
Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie, Garmisch-Partenkirchen
GARMISCH-PARTENKIRCHEN
Größtes deutsches JIA-Zentrum; multidisziplinäre Rehabilitation; Uveitis-Betreuung; nationales Referenzzentrum
JIA-Referenzzentrum DEMultidisziplinär
GKJR – Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie
Nationales Fachnetzwerk
GKJR e.V.
DEUTSCHLAND
Nationale JIA-Leitlinien; Uveitis-Screening-Empfehlungen; BIKER-Register-Kooperation; Qualitätssicherung pädiatrische Rheumatologie
GKJR-NetzwerkLeitlinien
🇦🇹 Österreich
St. Anna Kinderspital – Rheumatologie
Pädiatrische Rheumatologie
St. Anna Kinderspital Wien
WIEN
JIA-Diagnostik und -Therapie; Biologika-Management; Uveitis-Screening-Koordination; österreichisches Referenzzentrum
JIA-Referenzzentrum ATUveitis-Screening
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien
Pädiatrische Rheumatologie
Medizinische Universität Wien
WIEN
JIA-Versorgung; interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Augenheilkunde; österreichisches JIA-Register
JIA WienInterdisziplinär
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. Michael Hofer
Pädiatrische Rheumatologie
Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV) Lausanne – Pédiatrie
LAUSANNE
JIA-Diagnostik und -Therapie; Schweizer JIA-Kohortenregister; internationale PRINTO-Studienbeteiligung
JIA LausannePRINTO
Prof. Dr. Daniela Kaiser
Pädiatrische Rheumatologie
Luzerner Kantonsspital – Kinderspital
LUZERN
JIA-Biologika-Therapie; Uveitis-Betreuung; Schweizer pädiatrische Rheumatologie-Netzwerk
JIA-Biologika LuzernUveitis-Betreuung
Universitäts-Kinderspital Zürich – Rheumatologie
Pädiatrische Rheumatologie
Universitäts-Kinderspital Zürich
ZÜRICH
JIA-Diagnostik und Langzeitbetreuung; interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Augenheilkunde bei Uveitis; Übergangsmedizin
JIA ZürichTransition

Fachgesellschaften & Ressourcen: ILAR-Klassifikationskriterien der JIA (Petty RE et al., J Rheumatol 2004) · GKJR (Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie) · PRINTO (Paediatric Rheumatology International Trials Organisation) · BIKER-Register (Biologika bei Kindern mit Rheuma) · Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie Garmisch-Partenkirchen · S2k-Leitlinie JIA (AWMF)