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Grundlagen & Pathophysiologie

Die Hashimoto-Thyreoiditis (chronische lymphozytäre Autoimmunthyreoiditis) ist die häufigste Ursache einer erworbenen Hypothyreose und Struma im Kindes- und Jugendalter. Sie beruht auf einer chronischen autoimmunen Entzündung der Schilddrüse mit progredienter lymphozytärer Infiltration und Zerstörung des Schilddrüsengewebes.

Verlaufsformen der Hashimoto-Thyreoiditis

Frühe PhaseEuthyreose, positive Antikörper
Hashitoxikose (selten)Transiente Hyperthyreose durch Zelluntergang
Subklinische HypothyreoseTSH erhöht, freies T4 normal
Manifeste HypothyreoseTSH erhöht, freies T4 erniedrigt
1–2 %
Geschätzte Prävalenz der Hashimoto-Thyreoiditis bei Kindern und Jugendlichen
4–7 : 1
Mädchen:Jungen-Verhältnis, Häufigkeitsgipfel in der Adoleszenz
~20–30 %
Anteil der Typ-1-Diabetiker mit gleichzeitig positiven Schilddrüsen-Autoantikörpern
Häufigste Ursache
Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer erworbenen Struma im Kindesalter

Pathophysiologische Grundlagen im Detail

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Lymphozytäre Infiltration & Keimzentrumsbildung

Die Schilddrüse wird zunehmend von T- und B-Lymphozyten infiltriert, die charakteristische lymphoide Follikel mit Keimzentren bilden können – histologisches Korrelat der chronischen Autoimmunentzündung, nachweisbar in der Feinnadelpunktion oder Histologie.

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Autoantikörper-vermittelte Zerstörung

Antikörper gegen Thyreoperoxidase (TPO) und Thyreoglobulin (Tg) sowie zytotoxische T-Zellen tragen zur progressiven Zerstörung der Thyreozyten bei; die TPO-Antikörper korrelieren am engsten mit der Krankheitsaktivität und dem Hypothyreose-Risiko.

Follikelatrophie & Fibrose

Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf kommt es zu zunehmender Zerstörung der Schilddrüsenfollikel mit konsekutiver Fibrose, was die abnehmende Hormonproduktionskapazität und die Entwicklung einer manifesten Hypothyreose erklärt.

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Hashitoxikose als Übergangsphänomen

Bei einem Teil der Patienten kommt es initial zu einer transienten Hyperthyreose (Hashitoxikose) durch die entzündungsbedingte Freisetzung präformierter Schilddrüsenhormone aus zerstörten Follikeln, bevor die Erkrankung in eine Hypothyreose übergeht.

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Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen

Die Hashimoto-Thyreoiditis tritt gehäuft zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen auf, insbesondere Typ-1-Diabetes und Zöliakie, sowie im Rahmen autoimmuner polyglandulärer Syndrome – gemeinsame genetische und immunologische Grundlage der Autoimmunität.

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Jodexposition als möglicher Trigger

Eine erhöhte Jodzufuhr wird als möglicher Trigger oder Verstärker der Autoimmunreaktion diskutiert, ebenso wie bestimmte Virusinfektionen und Stressfaktoren – die genauen auslösenden Umweltfaktoren sind jedoch nicht abschließend geklärt.

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Klinische Symptome

Die Symptomatik ist im Kindesalter häufig schleichend und unspezifisch, was zu einer verzögerten Diagnosestellung beitragen kann. Wachstums- und Entwicklungsauffälligkeiten sind oft aussagekräftiger als die klassischen Erwachsenensymptome.

Hypothyreose-Zeichen im Kindesalter

Struma (~50–60 %)

Diffuse, schmerzlose Schilddrüsenvergrößerung

Meist diffus, derb-elastisch, schmerzlos tastbar; kann isoliertes Erstsymptom sein, auch bei noch normaler Schilddrüsenfunktion (euthyreote Struma).

Wachstumsverzögerung

Oft früh bemerkbar, leicht übersehen

Abknicken der Wachstumskurve, verzögertes Knochenalter; kann dem Auftreten anderer Hypothyreose-Symptome deutlich vorausgehen – wichtiger Grund für regelmäßige Wachstumskontrollen.

Pubertätsstörungen

Verzögerte oder vorzeitige Pubertät

Meist verzögerte Pubertätsentwicklung; selten paradoxe Pseudopubertas praecox bei ausgeprägter, lang bestehender Hypothyreose (v.a. bei jungen Mädchen).

ALLGEMEINE HYPOTHYREOSE-SYMPTOME

  • Müdigkeit, Konzentrationsschwäche
  • Kälteintoleranz
  • Obstipation
  • Trockene Haut, brüchiges Haar
  • Gewichtszunahme (moderat)
  • Bradykardie

PÄDIATRISCHE BESONDERHEITEN

  • Wachstumsverzögerung/Abknicken der Perzentile
  • Verzögertes Knochenalter
  • Verzögerte oder gestörte Pubertätsentwicklung
  • Nachlassende schulische Leistungen
  • Muskuloskelettale Beschwerden (Myalgie, Pseudohypertrophie)
  • Menstruationsstörungen bei Mädchen

HASHITOXIKOSE-SYMPTOME (TRANSIENT)

  • Nervosität, Unruhe
  • Tachykardie
  • Gewichtsverlust
  • Wärmeintoleranz
  • Meist selbstlimitierend über Wochen bis Monate
  • Übergang in Hypothyreose im weiteren Verlauf häufig

STRUMA-CHARAKTERISTIKA

  • Diffuse, symmetrische Vergrößerung
  • Derb-elastische, knotige Konsistenz möglich
  • Schmerzlos (im Gegensatz zur subakuten Thyreoiditis)
  • Meist keine Kompressionssymptome
  • Kann isoliert bei Euthyreose auftreten
  • Sonographisch inhomogenes, echoarmes Muster
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Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf die Kombination aus Schilddrüsenfunktionsdiagnostik (TSH, freies T4), dem Nachweis positiver Schilddrüsen-Autoantikörper und dem charakteristischen sonographischen Befund.

  1. Klinische Untersuchung & AnamneseWachstumskurve und Pubertätsentwicklung (Tanner-Stadien) im Verlauf beurteilen; Schilddrüsenpalpation (Größe, Konsistenz, Knoten); Erfassung unspezifischer Symptome (Müdigkeit, Kälteintoleranz, Obstipation, Leistungsabfall); Familienanamnese für Autoimmunerkrankungen (Schilddrüse, Typ-1-Diabetes, Zöliakie); persönliche Anamnese für assoziierte Autoimmunerkrankungen.
  2. Basis-Schilddrüsendiagnostik (Stufe 1)TSH (sensitivster Einzelparameter zur Erfassung einer beginnenden Funktionsstörung); freies T4 (fT4) zur Bestätigung und Einordnung als subklinische vs. manifeste Hypothyreose; bei erhöhtem TSH und normalem fT4: subklinische Hypothyreose; bei erhöhtem TSH und erniedrigtem fT4: manifeste Hypothyreose.
  3. Autoantikörper-BestimmungTPO-Antikörper (Anti-Thyreoperoxidase) als sensitivster und am häufigsten positiver Marker; Thyreoglobulin-Antikörper (Anti-Tg) als ergänzender Marker, insbesondere bei negativen TPO-Antikörpern; Nachweis mindestens eines positiven Autoantikörpers zusammen mit dem klinischen/sonographischen Bild sichert die Diagnose der Autoimmunthyreoiditis.
  4. SchilddrüsensonographieCharakteristischer Befund: diffus inhomogenes, echoarmes Parenchymmuster, teils mit fibrösen Septen ("landkartenartiges" Muster); Größenbeurteilung (Struma vs. atrophische Form); Ausschluss/Erfassung fokaler Knoten, die eine zusätzliche Abklärung erfordern würden (Malignitätsausschluss bei suspekten Knoten).
  5. Screening auf assoziierte AutoimmunerkrankungenBei Diagnosestellung und im Verlauf Erwägung eines Screenings auf Typ-1-Diabetes (Blutzucker, ggf. Inselautoantikörper bei klinischem Verdacht) und Zöliakie (Transglutaminase-IgA); bei Kindern mit bereits bestehendem Typ-1-Diabetes oder Zöliakie umgekehrt regelmäßiges Hashimoto-Screening (TSH, TPO-Antikörper).

Stufendiagnostik der Schilddrüsenfunktion im Überblick

TSHFreies T4InterpretationHandlungskonsequenz
NormalNormalEuthyreose (auch bei positiven Autoantikörpern möglich)Verlaufskontrolle, insbesondere bei positiven Antikörpern
Leicht erhöhtNormalSubklinische HypothyreoseVerlaufskontrolle oder Therapiebeginn abhängig von Symptomatik und TSH-Höhe
Deutlich erhöhtErniedrigtManifeste HypothyreoseLevothyroxin-Substitutionstherapie einleiten
ErniedrigtErhöht/hochnormalHashitoxikose (transiente Hyperthyreose-Phase)Meist abwartend, symptomatische Betablocker-Therapie bei Bedarf

Wichtiger Hinweis: Bei jedem Kind mit unerklärter Wachstumsverzögerung, Abknicken der Wachstumskurve oder Pubertätsverzögerung sollte eine Schilddrüsenfunktionsdiagnostik erfolgen – die Hashimoto-Hypothyreose kann sich in dieser Altersgruppe primär über Wachstums- statt klassische Erwachsenensymptome manifestieren.

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Molekulargenetische Grundlagen

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine polygene Autoimmunerkrankung mit deutlicher familiärer Häufung. Die genetischen Suszeptibilitätsfaktoren überlappen erheblich mit denen anderer Autoimmunerkrankungen, was die häufige gemeinsame Assoziation mit Typ-1-Diabetes und Zöliakie erklärt.

Immunologische Schlüsselwege

HLA-Assoziation

HLA-DR3/DR4/DR5

Bestimmte HLA-Klasse-II-Allele sind mit erhöhter Hashimoto-Suszeptibilität assoziiert und überlappen teilweise mit den Risikoallelen für Typ-1-Diabetes – Erklärung für die häufige Ko-Assoziation beider Erkrankungen bei einem Patienten oder in einer Familie.

T-Zell-Regulation

CTLA4/PTPN22-Signalweg

Dieselben T-Zell-Regulationsgene, die bei Typ-1-Diabetes und Zöliakie eine Rolle spielen (CTLA4, PTPN22), sind auch bei der Hashimoto-Thyreoiditis als Suszeptibilitätsfaktoren identifiziert – Grundlage des gemeinsamen "Autoimmun-Genotyps".

Schilddrüsenspezifische Autoimmunität

TG/TSHR-Signalweg

Polymorphismen im Thyreoglobulin-Gen selbst sowie im TSH-Rezeptor-Gen sind mit spezifisch schilddrüsenbezogener Autoimmunität assoziiert und erklären die Organspezifität der Erkrankung trotz überlappender allgemeiner Autoimmun-Suszeptibilitätsgene.

Gen / LocusChromosomFunktion / AssoziationKlassifikation
HLA-DR3 / HLA-DR4 / HLA-DR56p21MHC-Klasse-II-Allele mit Assoziation zur Hashimoto-Thyreoiditis; teilweise Überlappung mit Typ-1-Diabetes-Risikoallelen (DR3/DR4); erklärt gehäuftes gemeinsames Auftreten beider Erkrankungen bei einzelnen Patienten und in betroffenen FamilienHLA-Assoziation, polygen
CTLA42q33Negativer Ko-Regulator der T-Zell-Aktivierung; Polymorphismen mit verringerter Inhibitionsfunktion assoziiert mit erhöhter Suszeptibilität für Hashimoto-Thyreoiditis, Typ-1-Diabetes und weitere Autoimmunerkrankungen der endokrinen Achse (autoimmune polyglanduläre Syndrome)Gemeinsame Autoimmun-Genetik
PTPN221p13Protein-Tyrosin-Phosphatase; reguliert T-Zell-Rezeptor-Signaltransduktion; Risikovariante (R620W) mit mehreren Autoimmunerkrankungen assoziiert, darunter Hashimoto-Thyreoiditis, Typ-1-Diabetes und ZöliakieGemeinsame Autoimmun-Genetik
TG (Thyreoglobulin-Gen)8q24Kodiert Thyreoglobulin, das Hauptzielantigen der Anti-Tg-Autoantikörper; Polymorphismen mit organspezifischer Schilddrüsenautoimmunität assoziiert, unabhängig von den allgemeinen Autoimmun-SuszeptibilitätsgenenSchilddrüsenspezifische Genetik
AIRE21q22Autoimmune Regulator; bei kompletten Funktionsverlust-Mutationen Ursache des APECED-Syndroms (autoimmunes polyglanduläres Syndrom Typ 1), das häufig auch eine Hashimoto-Thyreoiditis als eine von mehreren endokrinen Autoimmunmanifestationen einschließtMonogenes Syndrom (selten)

Klinische Relevanz: Eine routinemäßige genetische Testung ist bei der klassischen Hashimoto-Thyreoiditis nicht indiziert. Bei Nachweis mehrerer gleichzeitiger endokriner Autoimmunerkrankungen (Nebenschilddrüse, Nebenniere, mukokutane Candidiasis) sollte an ein autoimmunes polyglanduläres Syndrom gedacht werden.

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Molekulare Diagnostik

Die Labordiagnostik der Hashimoto-Thyreoiditis ist gut etabliert und standardisiert, mit TSH als sensitivstem funktionellen und TPO-Antikörpern als sensitivstem immunologischen Marker.

Praxishinweis Antikörper-Titerhöhe: Die absolute Höhe der TPO-Antikörper-Titer korreliert nicht linear mit dem Ausmaß der Schilddrüsenfunktionsstörung – auch bei nur mäßig erhöhten Titern kann bereits eine relevante Hypothyreose vorliegen, und umgekehrt können sehr hohe Titer bei noch euthyreoter Stoffwechsellage bestehen.

MethodeIndikationBedeutung / Besonderheit
TSHBasisdiagnostik bei jedem Verdacht auf SchilddrüsenfunktionsstörungSensitivster Einzelparameter; bereits minimal erhöht bei beginnender subklinischer Hypothyreose
Freies T4 (fT4)Bestätigung und Einordnung des SchweregradsUnterscheidung subklinische (normal) vs. manifeste (erniedrigt) Hypothyreose
TPO-Antikörper (Anti-Thyreoperoxidase)Bestätigung der autoimmunen GeneseSensitivster und häufigster positiver Autoantikörper bei Hashimoto-Thyreoiditis; positiv bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten
Thyreoglobulin-Antikörper (Anti-Tg)Ergänzende Diagnostik, v.a. bei negativen TPO-AntikörpernErhöht die diagnostische Sensitivität bei einem kleinen Teil der TPO-negativen Patienten
SchilddrüsensonographieBei jedem neu diagnostizierten FallCharakteristisches inhomogenes, echoarmes Muster; Größenbeurteilung; Knotenscreening
Feinnadelpunktion (bei Knoten)Suspekte, dominante Knoten in der SonographieZum Malignitätsausschluss bei fokalen Läsionen, unabhängig von der Grunderkrankung Hashimoto-Thyreoiditis
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Differenzialdiagnosen

Die wichtigsten Differenzialdiagnosen umfassen andere Ursachen von Struma und Hypothyreose im Kindesalter, insbesondere die konnatale Hypothyreose und die Basedow-Erkrankung als Gegenpol der Schilddrüsenautoimmunität.

DifferentialdiagnoseÄhnlichkeitSchlüsselunterschiedDiagnostik
Morbus Basedow (Graves-Krankheit)Autoimmune Schilddrüsenerkrankung, StrumaHyperthyreose statt Hypothyreose als Leitbefund; TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) positiv; Exophthalmus möglich; anhaltend statt transient wie bei HashitoxikoseTRAK, TSH/fT4-Konstellation (supprimiertes TSH, erhöhtes fT4/fT3)
Konnatale Hypothyreose (nicht-autoimmun)HypothyreoseManifestation bereits im Neugeborenenalter, meist im Neugeborenen-Screening erfasst; Ursache meist Schilddrüsendysgenesie oder Hormonsynthesestörung, nicht autoimmun; Antikörper negativNeugeborenen-Screening-Ergebnis, Schilddrüsensonographie/-szintigraphie
JodmangelstrumaDiffuse StrumaMeist euthyreote Stoffwechsellage; Schilddrüsen-Autoantikörper negativ; Jodmangel-Anamnese (Ernährung, Region); sonographisch meist homogenes ParenchymJodausscheidung im Urin, Autoantikörper-Ausschluss
Subakute (De-Quervain-)ThyreoiditisStruma, SchilddrüsenfunktionsstörungSchmerzhafte Schilddrüse (im Gegensatz zur schmerzlosen Hashimoto-Struma); oft nach viralem Infekt; BSG stark erhöht; selbstlimitierender Verlauf über WochenKlinische Schmerzhaftigkeit, BSG, Verlauf
Zentrale Hypothyreose (hypophysär/hypothalamisch)Erniedrigtes freies T4TSH niedrig-normal oder erniedrigt (statt erhöht bei primärer Hashimoto-Hypothyreose); oft weitere Hypophysenhormonausfälle; Schilddrüsen-Autoantikörper negativVollständiges Hypophysenhormon-Profil, ggf. MRT Hypophyse
Autoimmunes polyglanduläres SyndromHashimoto-Thyreoiditis als eine ManifestationZusätzliche endokrine Autoimmunerkrankungen (Nebenniereninsuffizienz, Hypoparathyreoidismus, Typ-1-Diabetes); bei Typ 1 zusätzlich mukokutane Candidiasis (AIRE-Mutation)Screening weiterer endokriner Achsen, ggf. AIRE-Genetik
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Therapie

Die Therapie der manifesten Hypothyreose ist mit Levothyroxin einfach, hochwirksam und sicher. Bei subklinischer Hypothyreose wird die Therapieentscheidung individualisiert getroffen; ein zentraler Bestandteil ist zudem das Screening auf assoziierte Autoimmunerkrankungen.

  • STUFE 1Levothyroxin-Substitutionstherapie

    Manifeste Hypothyreose: Levothyroxin oral, gewichtsadaptierte Startdosis (höhere Dosis pro kg Körpergewicht bei jüngeren Kindern erforderlich als bei älteren Kindern/Erwachsenen); Einnahme morgens nüchtern, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück, zur optimalen Resorption.
    Subklinische Hypothyreose: Therapieentscheidung individualisiert nach TSH-Höhe, Symptomatik, Wachstumsverlauf und Vorliegen einer Struma; bei nur gering erhöhtem TSH ohne Symptome oft zunächst Verlaufskontrolle vertretbar, bei deutlicherer Erhöhung oder Symptomatik/Wachstumsstörung Therapiebeginn empfohlen.
    Dosisanpassung: TSH-Kontrolle 6–8 Wochen nach Therapiebeginn oder Dosisänderung; Zieltoleranz meist TSH im unteren bis mittleren Normbereich; Dosisanpassung im Wachstumsverlauf regelmäßig erforderlich, da der Bedarf mit zunehmendem Körpergewicht steigt.

  • STUFE 2Management der Hashitoxikose

    Beobachtendes Vorgehen: Die transiente Hyperthyreose-Phase (Hashitoxikose) ist meist selbstlimitierend über Wochen bis wenige Monate und erfordert in der Regel keine spezifische thyreostatische Therapie.
    Symptomatische Betablocker-Therapie: Bei ausgeprägten Symptomen (Tachykardie, Nervosität) kurzzeitige Betablocker-Gabe zur Symptomlinderung, bis die Hyperthyreose-Phase spontan abklingt.
    Verlaufskontrolle: Engmaschige Kontrolle der Schilddrüsenfunktion, da der Übergang in eine Hypothyreose im weiteren Verlauf häufig ist und eine Therapieumstellung erforderlich macht.

  • STUFE 3Screening auf assoziierte Autoimmunerkrankungen

    Zöliakie-Screening: Transglutaminase-IgA-Antikörper bei Diagnosestellung und in regelmäßigen Abständen im Verlauf, da die Assoziation zwischen Hashimoto-Thyreoiditis und Zöliakie gut belegt ist (siehe eigenständige Seite zur Zöliakie).
    Typ-1-Diabetes-Screening: Regelmäßige Kontrolle von Nüchternblutzucker/HbA1c; bei klinischem Verdacht ergänzend Inselautoantikörper-Bestimmung (siehe eigenständige Seite zum Typ-1-Diabetes).
    Weitere endokrine Autoimmunerkrankungen: Bei Hinweisen auf zusätzliche endokrine Auffälligkeiten (z.B. Hyperpigmentierung, Elektrolytstörungen) Screening auf Nebenniereninsuffizienz im Rahmen eines möglichen autoimmunen polyglandulären Syndroms erwägen.

Monitoring unter Therapie – Übersicht

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TSH-Verlaufskontrolle

Regelmäßige TSH-Kontrolle (alle 6–12 Monate bei stabiler Einstellung, häufiger bei Dosisänderungen oder im Wachstumsschub) zur Sicherstellung einer adäquaten Substitution.

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Wachstums- und Pubertätsmonitoring

Regelmäßige Wachstumskurven-Kontrolle und Beurteilung der Pubertätsentwicklung als klinischer Parameter der Therapieeffektivität, besonders bei initial bestehender Wachstumsverzögerung.

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Compliance-Sicherung

Aufklärung über korrekte Einnahmezeitpunkt (nüchtern) und Wechselwirkungen (z.B. Eisenpräparate, Kalzium – zeitversetzte Einnahme); Bedeutung der Therapietreue trotz meist guter subjektiver Symptomkontrolle betonen.

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Komorbiditäten-Verlaufsscreening

Regelmäßige Wiederholung des Zöliakie- und Diabetes-Screenings im Verlauf, da diese assoziierten Erkrankungen sich zeitversetzt manifestieren können.

Prognose: Unter adäquater Levothyroxin-Substitutionstherapie ist die Prognose der Hashimoto-Thyreoiditis exzellent – betroffene Kinder erreichen bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie ein normales Wachstum, eine normale Pubertätsentwicklung und eine unauffällige kognitive Entwicklung. Die Erkrankung erfordert in der Regel eine lebenslange Substitutionstherapie, die jedoch einfach durchzuführen und gut verträglich ist. Wichtig bleibt das Bewusstsein für die Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen, um diese frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Experten und spezialisierte Zentren für pädiatrische Autoimmunthyreoiditis und Schilddrüsenerkrankungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. Heiko Krude
Pädiatrische Endokrinologie
Charité Universitätsmedizin Berlin – Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie
BERLIN
Pädiatrische Schilddrüsenerkrankungen; Hashimoto-Thyreoiditis; angeborene und erworbene Schilddrüsenfunktionsstörungen; Leitlinienarbeit
Schilddrüsenendokrinologie BerlinLeitlinienarbeit
Prof. Dr. Markus Bettendorf
Pädiatrische Endokrinologie
Universitätsklinikum Heidelberg – Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
HEIDELBERG
Autoimmunthyreoiditis; Wachstums- und Pubertätsstörungen bei Schilddrüsenerkrankungen; APS-Diagnostik; pädiatrische Endokrinologie-Forschung
Autoimmunthyreoiditis HeidelbergWachstumsstörungen
DGKED – Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie
Nationales Fachnetzwerk
DGKED e.V. – Arbeitsgruppe Schilddrüse
DEUTSCHLAND
Nationale Leitlinien pädiatrische Schilddrüsenerkrankungen; Screening-Empfehlungen für assoziierte Autoimmunerkrankungen
DGKED-NetzwerkLeitlinien
🇦🇹 Österreich
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien
Pädiatrische Endokrinologie
Medizinische Universität Wien
WIEN
Hashimoto-Thyreoiditis; pädiatrische Schilddrüsendiagnostik; Screening auf assoziierte Autoimmunerkrankungen; österreichisches Referenzzentrum
Endokrinologie WienAutoimmun-Screening
St. Anna Kinderspital – Endokrinologie
Pädiatrische Endokrinologie
St. Anna Kinderspital Wien
WIEN
Schilddrüsenfunktionsdiagnostik; Levothyroxin-Therapiemanagement; interdisziplinäre Betreuung bei polyglandulärer Autoimmunität
Schilddrüsendiagnostik WienPolyglanduläre Syndrome
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. Gabor Szinnai
Pädiatrische Endokrinologie/Diabetologie
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
BASEL
Pädiatrische Schilddrüsenerkrankungen; Hashimoto-Thyreoiditis; angeborene Schilddrüsenfehlbildungen; Schweizer Kohortenstudien
Schilddrüsenendokrinologie BaselSchweizer Kohorten
Universitäts-Kinderspital Zürich – Endokrinologie
Pädiatrische Endokrinologie
Universitäts-Kinderspital Zürich
ZÜRICH
Hashimoto-Thyreoiditis; Autoimmun-Komorbiditäten-Screening; interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Diabetologie und Gastroenterologie
Endokrinologie ZürichInterdisziplinär

Fachgesellschaften & Ressourcen: ESPE (European Society for Paediatric Endocrinology) Clinical Practice Guidelines · DGKED (Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie) · S1-Leitlinie Hashimoto-Thyreoiditis im Kindesalter (AWMF) · Radetti G, Horm Res Paediatr 2014 (Hashimoto-Thyreoiditis Review) · Autoimmune Thyroid Disease in Children Consensus Statements