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Grundlagen & Pathophysiologie

Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine chronische, Antigen-getriggerte, Th2-vermittelte Entzündungserkrankung der Speiseröhre, die durch eine dichte eosinophile Infiltration der Ösophagusschleimhaut gekennzeichnet ist. Sie gilt als eigenständige klinisch-pathologische Entität innerhalb des Spektrums allergischer Erkrankungen und ist eng mit anderen Atopie-Manifestationen assoziiert.

Atopie-Assoziation & Krankheitsverlauf

AntigenexpositionMeist Nahrungsmittel, seltener Aeroallergene
Th2-Immunantwort im ÖsophagusIL-5, IL-13-vermittelt
Eosinophile InfiltrationChronische Entzündung der Mukosa
Unbehandelt: FibroseSubepitheliale Remodeling-Prozesse
Strikturen & BolusobstruktionLangzeitkomplikation
~1:1.500–2.000
Geschätzte Prävalenz bei Kindern in westlichen Ländern, mit steigender Tendenz
~70–80 %
Anteil der EoE-Patienten mit begleitender Atopie (AD, Asthma, allergische Rhinitis)
3:1
Jungen:Mädchen-Verhältnis – deutliche männliche Prädominanz
≥15/HPF
Diagnostischer Schwellenwert für Eosinophile pro Gesichtsfeld in der Ösophagusbiopsie

Pathophysiologische Grundlagen im Detail

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Th2-vermittelte Ösophagusentzündung

Nahrungsmittel- oder Aeroallergen-Exposition löst im Ösophagusepithel eine lokale Th2-Immunantwort mit Ausschüttung von IL-5 (Eosinophilen-Rekrutierung), IL-13 (Barrierestörung, Eotaxin-3-Induktion) und IL-4 aus – im Gegensatz zur klassischen IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie ist die EoE überwiegend nicht-IgE-vermittelt bzw. gemischt.

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Eotaxin-3 (CCL26) als Schlüsselchemokin

IL-13-stimulierte Ösophagusepithelzellen exprimieren stark vermehrt Eotaxin-3, ein potentes eosinophiles Chemokin, das für die massive Eosinophilen-Rekrutierung in die Ösophagusmukosa verantwortlich ist – ein zentrales molekulares Kennzeichen der EoE mit diagnostischem und therapeutischem Potenzial.

Epitheliale Barrierestörung

Eine gestörte epitheliale Barrierefunktion des Ösophagus (u.a. verminderte Desmoglein- und Filaggrin-Expression) erleichtert das Eindringen von Nahrungsmittelantigenen in die Mukosa und trägt zur Perpetuierung der Entzündung bei – analog zur Hautbarrierestörung bei atopischer Dermatitis.

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Fibrostenotisches Remodeling

Chronische, unbehandelte Entzündung führt über TGF-β-vermittelte Fibroblastenaktivierung zu subepithelialer Fibrose, glatter Muskelhypertrophie und zunehmender Wandsteifigkeit des Ösophagus – klinisches Korrelat sind Strikturen, "Ringösophagus" (Trachealisierung) und rezidivierende Bolusobstruktionen.

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Nahrungsmittel- vs. Aeroallergen-Trigger

Die häufigsten Trigger sind Nahrungsmittelproteine (v.a. Kuhmilch, Weizen, Ei, Soja), wobei die zugrunde liegende Immunreaktion meist nicht klassisch IgE-vermittelt ist (Standard-Allergiediagnostik daher oft wenig hilfreich); eine saisonale Symptomverstärkung bei manchen Patienten deutet zusätzlich auf eine mögliche Aeroallergen-Beteiligung hin.

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Genetisch-familiäre Häufung

EoE zeigt eine familiäre Häufung und ist mit anderen atopischen Erkrankungen sowie spezifischen genetischen Loci assoziiert – Hinweis auf eine polygene Suszeptibilität im Zusammenspiel mit Umwelttriggern, ähnlich anderen atopischen Erkrankungen.

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Klinische Symptome

Die Symptomatik der eosinophilen Ösophagitis ist stark altersabhängig und häufig unspezifisch, was zu einer durchschnittlich langen Latenz bis zur Diagnosestellung beiträgt.

Altersabhängige Symptomatik

Säuglings-/Kleinkindalter

Fütterstörung im Vordergrund

Nahrungsverweigerung, Trinkschwäche, Erbrechen, Gedeihstörung; oft zunächst als banale Fütterprobleme oder gastroösophagealer Reflux fehlinterpretiert.

Schulkindalter

Bauchschmerzen & Erbrechen

Rezidivierende Bauchschmerzen, Erbrechen, Appetitlosigkeit; Dysphagie oft noch nicht klar artikulierbar oder nur bei gezieltem Nachfragen berichtet.

Jugendalter

Dysphagie & Bolusobstruktion

Zunehmend klar berichtete Schluckbeschwerden, v.a. bei fester Nahrung; rezidivierende Episoden von steckengebliebenem Speisebolus als Leitsymptom des fortgeschrittenen fibrostenotischen Stadiums.

LEITSYMPTOME (ALLE ALTERSGRUPPEN)

  • Dysphagie (Schluckbeschwerden)
  • Bolusobstruktion (Nahrung "bleibt stecken")
  • Retrosternale Schmerzen/Engegefühl
  • Erbrechen, Regurgitation
  • Nahrungsverweigerung/Essstörungsähnliches Verhalten
  • Auf Protonenpumpenhemmer nicht ansprechende Reflux-Symptome

NOTFALL – BOLUSOBSTRUKTION

  • Akutes Steckenbleiben eines Speisebolus
  • Hypersalivation, Unfähigkeit zu schlucken
  • Retrosternaler Druck/Schmerz
  • Panikreaktion, Würgereiz
  • Dringliche endoskopische Bergung erforderlich
  • Bei rezidivierenden Episoden immer EoE-Screening

ADAPTATIONSVERHALTEN (GEZIELT ERFRAGEN)

  • Sehr langsames, ausgedehntes Kauen
  • Vermehrtes Trinken beim Essen
  • Meiden fester/trockener Nahrungskonsistenzen
  • Zerkleinern/Pürieren der Nahrung
  • Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel (Fleisch, Brot)
  • Längere Mahlzeitendauer als Gleichaltrige

ASSOZIIERTE ATOPIE-MANIFESTATIONEN

  • Atopische Dermatitis (Anamnese/aktuell)
  • Allergisches Asthma
  • Allergische Rhinokonjunktivitis
  • IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie
  • Familiäre Atopie-Belastung
  • Periphere Eosinophilie (nicht obligat)
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Diagnostik

Die Diagnose erfordert zwingend die endoskopisch-histologische Sicherung mittels Ösophagusbiopsien, da weder Anamnese noch Bildgebung allein ausreichend sensitiv oder spezifisch sind. Der Ausschluss anderer Ursachen einer Ösophagus-Eosinophilie ist Teil der Diagnosekriterien.

  1. Klinische Untersuchung & strukturierte AnamneseAltersadaptierte Symptomerfassung (Fütterstörung, Bauchschmerzen, Dysphagie je nach Alter); gezieltes Erfragen von Adaptationsverhalten (langsames Essen, Trinken beim Essen, Meiden bestimmter Konsistenzen); Anamnese früherer Bolusobstruktionsereignisse; Erfassung begleitender Atopie-Manifestationen; Familienanamnese für EoE oder Atopie; Ansprechen auf vorherige PPI-Therapie.
  2. Ösophago-Gastro-Duodenoskopie mit Stufenbiopsien (obligat)Makroskopische Zeichen: longitudinale Furchen ("Ösophagus-Furchen"), weißliche Exsudate/Plaques (eosinophile Mikroabszesse), zirkuläre Ringe ("Trachealisierung", "Ringösophagus"), Ödem mit reduzierter Gefäßzeichnung, Strikturen bei fortgeschrittenem Verlauf; makroskopisch unauffälliger Befund schließt EoE NICHT aus – Biopsien immer obligat. Mindestens 6 Biopsien aus mindestens 2 unterschiedlichen Ösophagus-Etagen (proximal und distal) zur Erhöhung der diagnostischen Sensitivität (fleckförmige Verteilung der Entzündung).
  3. Histologische DiagnosekriterienNachweis von ≥15 eosinophilen Granulozyten pro hochauflösendem Gesichtsfeld (HPF) in mindestens einer Biopsie als zentrales diagnostisches Kriterium; zusätzliche histologische Merkmale: eosinophile Mikroabszesse, Basalzonen-Hyperplasie, Dilatation der Interzellularräume, subepitheliale Fibrose bei fortgeschrittenem Verlauf.
  4. Ausschluss anderer Ursachen der Ösophagus-EosinophilieGastroösophagealer Reflux als häufigste Differentialdiagnose einer sekundären Ösophagus-Eosinophilie; frühere Konzepte einer strikten Trennung zwischen "PPI-responsiver Eosinophilie" und "echter" EoE wurden revidiert – PPI gelten heute als eine der möglichen wirksamen Therapieoptionen der EoE selbst, nicht mehr als Ausschlusskriterium.
  5. Ergänzende AllergiediagnostikScreening auf begleitende IgE-vermittelte Atopie-Manifestationen (spezifisches IgE, Pricktest) zur Erfassung von Komorbiditäten, jedoch mit eingeschränktem Wert zur Identifikation der ursächlichen EoE-Trigger, da diese überwiegend nicht klassisch IgE-vermittelt sind; Atopie-Patch-Testung wird wegen unzureichender Standardisierung in aktuellen Leitlinien nicht mehr generell empfohlen.

Diagnosekriterien der eosinophilen Ösophagitis im Überblick

KriteriumAnforderung
Klinische SymptomeÖsophagus-bezogene Beschwerden (Dysphagie, Bolusobstruktion, Fütterstörung, Erbrechen je nach Alter)
Histologie≥15 eosinophile Granulozyten pro hochauflösendem Gesichtsfeld in mindestens einer Ösophagusbiopsie
AusschlussdiagnostikAndere Ursachen einer Ösophagus-Eosinophilie ausgeschlossen (u.a. eosinophile Gastroenteritis mit Ösophagusbeteiligung, hypereosinophiles Syndrom, Infektionen, Morbus Crohn mit Ösophagusbeteiligung)
Biopsie-AnzahlMindestens 6 Biopsien aus mindestens 2 verschiedenen Ösophagus-Etagen empfohlen

Wichtiger Hinweis: Eine alleinige Ösophagogastroduodenoskopie ohne systematische Biopsieentnahme ist bei Verdacht auf EoE unzureichend, da ein relevanter Anteil der Patienten einen makroskopisch unauffälligen oder nur diskret veränderten Ösophagus aufweist, obwohl histologisch eine deutliche Eosinophilie vorliegt.

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Molekulargenetische Grundlagen

Die eosinophile Ösophagitis ist eine polygene, multifaktorielle Erkrankung mit familiärer Häufung. Genexpressionsstudien haben ein charakteristisches "EoE-Transkriptom" identifiziert, das zentrale therapeutische Zielstrukturen umfasst.

Immunologische Schlüsselwege

Eosinophilen-Rekrutierung

CCL26 (Eotaxin-3)

Das am stärksten hochregulierte Gen im EoE-Ösophagusgewebe; IL-13-induzierte Eotaxin-3-Expression durch Ösophagusepithelzellen ist der zentrale Mechanismus der massiven eosinophilen Gewebeinfiltration und gilt als molekularer Signaturmarker der Erkrankung.

Epitheliale Barriere

DSG1 (Desmoglein-1)

Verminderte Expression des Zell-Zell-Adhäsionsproteins Desmoglein-1 im Ösophagusepithel bei EoE-Patienten trägt zur gestörten epithelialen Barrierefunktion bei und erleichtert die Antigenpenetration – ein zur Hautbarrierestörung bei atopischer Dermatitis analoges Konzept.

Genetische Suszeptibilität

TSLP-Locus (5q22)

Der TSLP-Genlocus, der auch bei atopischer Dermatitis und Asthma eine Rolle spielt, zeigt die stärkste bislang identifizierte genomweite Assoziation mit EoE – ein weiterer Beleg für die enge pathogenetische Verwandtschaft der atopischen Erkrankungen.

Gen / LocusChromosomFunktion / AssoziationKlassifikation
CCL26 (Eotaxin-3)7q11Am stärksten im EoE-Ösophagusgewebe hochreguliertes Gen; kodiert das Chemokin Eotaxin-3, das durch IL-13-Stimulation in Ösophagusepithelzellen exprimiert wird und Eosinophile über den CCR3-Rezeptor rekrutiert; zentrale molekulare Signatur der EoE, mit diagnostischem (Genexpressions-basierte EoE-Diagnostik) und therapeutischem PotenzialZentrales Chemokin, molekulare Signatur
TSLP5q22Epitheliales Alarmin; stärkster bekannter genomweiter Assoziationslocus für EoE; wird bei epithelialer Schädigung freigesetzt und initiiert die Th2-Polarisierung; gleicher Genlocus wie bei atopischer Dermatitis und Asthma assoziiert, unterstreicht die gemeinsame pathogenetische Grundlage der Atopie-ErkrankungenStärkster GWAS-Locus, gemeinsam mit AD/Asthma
DSG1 (Desmoglein-1)18q12Zell-Zell-Adhäsionsprotein der Desmosomen; verminderte Expression im Ösophagusepithel bei EoE trägt zur gestörten epithelialen Barrierefunktion und erleichterten Allergenpenetration bei; komplette DSG1-Funktionsverluste verursachen zudem ein seltenes monogenes Syndrom mit schwerer Dermatitis, Mehrfachallergien und metabolischen Auffälligkeiten (SAM-Syndrom)Epitheliale Barriere
CAPN14 (Calpain-14)2p23Ösophagus-spezifisch exprimierte Cystein-Protease; EoE-Suszeptibilitätslocus mit ösophagusspezifischer Funktion (im Gegensatz zu vielen anderen atopischen Suszeptibilitätsgenen, die auch bei AD/Asthma relevant sind); IL-13-responsiv hochreguliert, an Barrierefunktion und Remodeling-Prozessen beteiligtÖsophagus-spezifisches Suszeptibilitätsgen
FLG (Filaggrin)1q21Hautbarriere-Gen (siehe atopische Dermatitis); Loss-of-Function-Mutationen zusätzlich mit erhöhtem EoE-Risiko assoziiert, passend zum Konzept eines gemeinsamen atopischen Barrieredefekt-Spektrums über verschiedene Organsysteme hinwegGemeinsame Barriere-Genetik

Klinische Relevanz: Eine routinemäßige genetische Testung ist bei EoE nicht indiziert. Das Verständnis der IL-13/Eotaxin-3-Achse ist jedoch direkt therapeutisch relevant, da diese die molekulare Zielstruktur der bei EoE zugelassenen Biologika-Therapie darstellt.

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Molekulare Diagnostik

Neben der histologischen Standarddiagnostik werden ergänzende molekulare Verfahren zur Verlaufsbeurteilung und Trigger-Identifikation zunehmend in spezialisierten Zentren eingesetzt.

Praxishinweis Standard-Allergiediagnostik: Spezifisches IgE und Hautpricktests haben bei EoE nur eine eingeschränkte Vorhersagekraft für die tatsächlichen Nahrungsmittel-Trigger, da die zugrunde liegende Immunreaktion überwiegend nicht klassisch IgE-vermittelt ist – die empirische Eliminationsdiät bleibt daher der wichtigere diagnostisch-therapeutische Ansatz zur Trigger-Identifikation.

MethodeIndikationBedeutung / Besonderheit
Ösophagusbiopsie mit EosinophilenzählungDiagnosesicherung, Verlaufskontrolle unter TherapieGoldstandard; ≥15 Eosinophile/HPF als diagnostischer Schwellenwert; Verlaufsbiopsien zur Beurteilung des Therapieansprechens (histologische Remission)
EoE-Genexpressions-Panel (EoE-Diagnostic Panel, spezialisierte Zentren)Ergänzende molekulare Diagnostik, wissenschaftliche FragestellungenErfasst charakteristisches EoE-Transkriptom (u.a. CCL26/Eotaxin-3-Überexpression); kann histologische Diagnostik ergänzen, ersetzt sie aber nicht
Spezifisches IgE / HautpricktestScreening auf begleitende IgE-vermittelte AtopieEingeschränkter prädiktiver Wert für EoE-spezifische Trigger; nützlich zur Erfassung komorbider klassischer Nahrungsmittelallergien
Endoskopischer Referenz-Score (EREFS)Standardisierte Erfassung des endoskopischen BefundesSystematische Dokumentation von Ödem, Ringen, Exsudaten, Furchen und Strikturen; Verlaufsparameter, korreliert mit histologischer Aktivität
Impedanz-Planimetrie (FLIP, spezialisierte Zentren)Beurteilung der Ösophagus-Compliance bei V.a. fibrostenotischen UmbauFunktionelle Messung der Ösophaguswand-Dehnbarkeit; hilfreich zur Einschätzung des Stenoserisikos unabhängig von der rein histologischen Aktivität
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Differenzialdiagnosen

Die wichtigste Differenzialdiagnose ist der gastroösophageale Reflux, der sowohl eine eigenständige Ursache einer Ösophagus-Eosinophilie sein als auch komorbid neben einer EoE bestehen kann. Weitere seltene Ursachen einer Ösophagus-Eosinophilie müssen ausgeschlossen werden.

DifferentialdiagnoseÄhnlichkeitSchlüsselunterschiedDiagnostik
Gastroösophagealer Reflux (GERD)Erbrechen, Dysphagie, retrosternale Beschwerden, Eosinophilie in Biopsie möglichEosinophilie meist distal betont und geringer ausgeprägt (<15/HPF); Ansprechen auf Standard-Antazida/PPI oft rascher; keine longitudinalen Furchen/Ringe endoskopischpH-Metrie/Impedanzmessung, Verlauf unter PPI-Therapie, Histologie-Ausmaß
Eosinophile Gastroenteritis (mit Ösophagusbeteiligung)Eosinophile Infiltration des oberen GI-Trakts, ähnliche SymptomatikZusätzliche Eosinophilen-Infiltration von Magen und/oder Dünndarm; oft ausgeprägtere systemische Symptome (Gedeihstörung, Eiweißverlust); periphere Eosinophilie häufiger und stärker ausgeprägtBiopsien aus Magen und Duodenum zusätzlich zum Ösophagus
Hypereosinophiles SyndromDeutliche Eosinophilie, Multiorganbeteiligung möglichPeriphere Bluteosinophilie meist massiv und persistierend (>1.500/µl über >6 Monate); Beteiligung weiterer Organe (Herz, Haut, Lunge) über den GI-Trakt hinausDifferentialblutbild im Verlauf, Organ-Screening, ggf. molekulargenetische Abklärung (FIP1L1-PDGFRA)
Infektiöse Ösophagitis (Candida, Herpes simplex, CMV)Dysphagie, retrosternale Schmerzen, endoskopische VeränderungenMeist bei Immunsuppression oder anderen Risikofaktoren; charakteristische endoskopische Läsionen (Candida-Beläge, Herpes-Ulzerationen); Erregernachweis in Biopsie/KulturBiopsie mit Erregerdiagnostik (PCR, Kultur, Spezialfärbungen)
Achalasie / andere MotilitätsstörungenDysphagie, Bolusobstruktion, RegurgitationManometrisch nachweisbare Motilitätsstörung; keine relevante Eosinophilie in der Biopsie; oft charakteristisches "Vogelschnabel"-Zeichen im BreischluckÖsophagusmanometrie, Breischluckuntersuchung
Morbus Crohn mit oberer GI-BeteiligungDysphagie, Bauchschmerzen, chronischer VerlaufGranulomatöse Entzündung in der Histologie (nicht rein eosinophil); meist begleitende intestinale Symptome und Entzündungszeichen; Calprotectin im Stuhl erhöhtVollständige Endoskopie mit Ileokoloskopie, Histologie, Calprotectin
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Therapie

Die Therapie der eosinophilen Ösophagitis folgt dem etablierten "3-D"-Konzept: Diät (Eliminationsdiät), Drugs (medikamentöse antientzündliche Therapie) und Dilatation (endoskopische Aufdehnung bei Strikturen) – ergänzt durch neuere Biologika bei therapierefraktärem Verlauf.

  • STUFE 1Protonenpumpenhemmer (PPI) als Erstlinientherapie

    Hochdosierte PPI-Therapie: Erstlinientherapie bei den meisten Leitlinien, da ein relevanter Anteil der Patienten (histologisch gesicherte EoE) auf PPI anspricht ("PPI-responsive Eosinophilie" wird heute als Teil des EoE-Spektrums verstanden, nicht als separate Entität); Dosierung deutlich höher als bei klassischem Reflux, meist zweimal täglich über 8–12 Wochen vor Reevaluation.
    Wirkmechanismus jenseits der reinen Säurehemmung: PPI zeigen zusätzliche direkte antientzündliche Effekte auf die Ösophagusepithelzellen (Reduktion der Eotaxin-3-Expression), was das Ansprechen auch bei Patienten ohne relevanten Reflux erklärt.
    Reevaluation: Endoskopische Kontrollbiopsie nach 8–12 Wochen zur Beurteilung des histologischen Ansprechens; bei fehlendem Ansprechen Wechsel zu oder Kombination mit anderen Therapiesäulen.

  • STUFE 2Eliminationsdiät

    Empirische 6-Nahrungsmittel-Elimination (Six-Food Elimination Diet, SFED): Elimination der häufigsten Trigger-Nahrungsmittel (Kuhmilch, Weizen, Ei, Soja, Nüsse, Fisch/Meeresfrüchte) für 6–8 Wochen, gefolgt von schrittweiser, endoskopisch-histologisch kontrollierter Reintroduktion einzelner Nahrungsmittelgruppen zur Trigger-Identifikation.
    Stufenweise Reduktion (1-2-4-Food-Elimination): Alternative, weniger restriktive Ansätze beginnend mit Elimination von nur 1–2 Nahrungsmitteln (meist Milch ± Weizen), mit Eskalation bei fehlendem Ansprechen – reduziert die Belastung durch multiple gleichzeitige Eliminationen.
    Kuhmilch-alleinige Elimination: Bei Kindern oft primär als am wenigsten belastende, aber wirksame Erstlinienoption erwogen, da Kuhmilch der häufigste Einzeltrigger ist.
    Ernährungsberatung obligat: Bei jeder Form der Eliminationsdiät strukturierte Ernährungsberatung zur Vermeidung von Mangelernährung und zur praktischen Alltagsumsetzung, besonders bei wachsenden Kindern.

  • STUFE 3Topische Kortikosteroide

    Geschluckte topische Kortikosteroide: Fluticason (aus Dosieraerosol geschluckt statt inhaliert) oder Budesonid (visköse orale Suspension, spezifisch für EoE formuliert) als wirksame antientzündliche Therapie mit primär lokaler Wirkung im Ösophagus und geringer systemischer Resorption.
    Anwendungshinweise: Nach der Einnahme mindestens 30–60 Minuten nüchtern bleiben (keine Nahrungsaufnahme, kein Mundspülen) zur Maximierung des Mukosakontakts; Mundspülung nach Anwendung zur Reduktion des Risikos einer oralen/ösophagealen Candidiasis.
    Langzeittherapie: Bei gutem initialem Ansprechen häufig Fortführung als Erhaltungstherapie zur Rezidivprophylaxe erforderlich, da die EoE eine chronische Erkrankung ohne spontane Heilungstendenz ist.

  • STUFE 4Biologika & endoskopische Dilatation

    Dupilumab (Anti-IL-4Rα-Antikörper): Erstes für EoE zugelassenes Biologikum; blockiert IL-4- und IL-13-Signalweg und damit die zentrale Eotaxin-3-vermittelte Eosinophilen-Rekrutierung; subkutane Injektion, zugelassen ab bestimmtem Alter (altersabhängige Zulassung) bei unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie.
    Weitere Biologika in Erprobung: Anti-IL-5/IL-5-Rezeptor-Antikörper (Mepolizumab, Benralizumab) und weitere Wirkstoffe befinden sich in klinischen Studien zur EoE-Therapie, Zulassungsstatus unterschiedlich je nach Land.
    Endoskopische Dilatation: Bei relevanten, symptomatischen Strikturen unabhängig von der antientzündlichen Therapie zur mechanischen Erweiterung des Lumens; behandelt die fibrostenotische Komponente, nicht die zugrunde liegende Entzündung; schrittweises Vorgehen mit Ballon- oder Bougie-Dilatation zur Minimierung des Perforationsrisikos.
    Kombinationstherapie: In der klinischen Praxis häufig Kombination mehrerer Therapiesäulen (z.B. topische Steroide + partielle Diät, oder Biologikum + Dilatation bei fortgeschrittener Striktur) individualisiert nach Ansprechen und Präferenz.

Monitoring unter Therapie – Übersicht

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Endoskopisch-histologische Verlaufskontrolle

Kontrollendoskopie mit Biopsien nach Therapieumstellung (8–12 Wochen) zur Beurteilung der histologischen Remission (<15 Eosinophile/HPF); klinische Symptomkontrolle allein ist unzureichend, da Symptome und Histologie dissoziieren können.

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Diät-Reintroduktion-Protokoll

Bei stufenweiser Nahrungsmittel-Reintroduktion nach jeder Einzelnahrungsmittel-Wiedereinführung endoskopisch-histologische Kontrolle vor Fortsetzung des Protokolls; strukturierte Dokumentation der identifizierten Trigger für die Langzeitdiät.

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Topische Steroid-Sicherheit

Screening auf orale/ösophageale Candidiasis bei Langzeitanwendung; bei sehr hoher Dosierung/Langzeitanwendung gelegentlich Kontrolle der Nebennierenfunktion erwägen, obwohl systemische Resorption meist gering ist.

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Ernährungs- und Wachstumsmonitoring

Bei mehreren gleichzeitig eliminierten Nahrungsmittelgruppen regelmäßige Kontrolle von Wachstum und Ernährungsstatus; ggf. Mikronährstoff-Supplementierung; psychosoziale Begleitung bei ausgeprägter, alltagsbelastender Diät.

Prognose: Die eosinophile Ösophagitis ist eine chronische Erkrankung ohne spontane Heilungstendenz, die in der Regel eine Langzeittherapie zur Aufrechterhaltung der Remission erfordert. Unter adäquater Behandlung (PPI, Diät, topische Steroide oder Biologika) lässt sich bei den meisten Patienten eine gute Symptom- und histologische Kontrolle erreichen und die Progression zu fibrostenotischen Komplikationen (Strikturen, rezidivierende Bolusobstruktionen) verhindern. Unbehandelt oder bei langer diagnostischer Latenz steigt das Risiko einer zunehmenden, teils irreversiblen Fibrose des Ösophagus – dies unterstreicht die Bedeutung der frühzeitigen Diagnosestellung und konsequenten Langzeitbetreuung.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Experten und spezialisierte Zentren für pädiatrische eosinophile Ösophagitis und allergologische Gastroenterologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. Sibylle Koletzko
Pädiatrische Gastroenterologie
Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU München – Pädiatrische Gastroenterologie
MÜNCHEN
Eosinophile Ösophagitis; pädiatrische GI-Allergologie; GPGE-Leitlinienarbeit; Diät- und Therapiemanagement bei EoE
EoE MünchenGPGE-Leitlinien
Prof. Dr. Alexander Straumann (D-A-CH-Kooperation)
Gastroenterologie / EoE-Forschung
Universitätsspital Basel / Kooperationszentren Deutschland
BASEL / KOOPERATION DE
EoE-Grundlagenforschung; internationale EoE-Konsensuskonferenzen; Erstbeschreibung wichtiger klinischer EoE-Charakteristika
EoE-GrundlagenforschungInternationaler Konsensus
Prof. Dr. Klaus-Michael Keller
Pädiatrische Gastroenterologie
Deutsche Klinik für Diagnostik / HELIOS Klinikum Wiesbaden – Kindergastroenterologie
WIESBADEN
Pädiatrische EoE-Diagnostik und -Therapie; endoskopische Diagnostik im Kindesalter; GPGE-Arbeitsgruppe eosinophile GI-Erkrankungen
EoE-Diagnostik WiesbadenGPGE
GPGE – Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung
Nationales Fachnetzwerk
GPGE e.V. – Arbeitsgruppe Eosinophile GI-Erkrankungen
DEUTSCHLAND
Nationale Leitlinien EoE im Kindesalter; endoskopische Qualitätsstandards; Kooperation mit GPA bei allergologischer Komponente
GPGE-NetzwerkEoE-Leitlinien
🇦🇹 Österreich
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien
Pädiatrische Gastroenterologie
Medizinische Universität Wien
WIEN
Eosinophile Ösophagitis; pädiatrische Endoskopie; interdisziplinäre Betreuung mit Allergologie; österreichisches Referenzzentrum für seltene GI-Erkrankungen
EoE-Referenzzentrum WienInterdisziplinär
St. Anna Kinderspital – Gastroenterologie
Pädiatrische Gastroenterologie
St. Anna Kinderspital Wien
WIEN
EoE-Diagnostik im Kindesalter; endoskopische Stufenbiopsie-Protokolle; Ernährungsberatung bei Eliminationsdiäten
EoE-Diagnostik WienErnährungsberatung
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. Alexander Straumann
Gastroenterologie / EoE-Pionierforschung
Universitätsspital Basel – Klinik für Gastroenterologie
BASEL
Weltweit führende EoE-Grundlagen- und klinische Forschung; Erstbeschreibung des natürlichen Krankheitsverlaufs; internationale EoE-Konsensuskonferenzen (Mitbegründer)
EoE-Weltreferenz BaselKonsensuskonferenzen
Universitäts-Kinderspital Zürich – Gastroenterologie
Pädiatrische Gastroenterologie
Universitäts-Kinderspital Zürich
ZÜRICH
Pädiatrische EoE-Diagnostik und -Therapie; endoskopische Expertise im Kindesalter; interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Allergologie
EoE ZürichInterdisziplinär
Schweizerische EoE-Kohortenstudie (SEECS)
Nationales Forschungsnetzwerk
Multizentrische Schweizer EoE-Kohorte
SCHWEIZ
Langzeit-Verlaufsdaten zur EoE bei Kindern und Erwachsenen; Grundlage zahlreicher internationaler EoE-Leitlinien und Therapiestudien
SEECS-KohorteLangzeitdaten

Fachgesellschaften & Ressourcen: Dellon ES et al., Gastroenterology 2018 (AGREE Consensus, EoE-Diagnosekriterien) · Lucendo AJ et al., United European Gastroenterol J 2017 (EAACI/ESPGHAN-Leitlinie pädiatrische EoE) · GPGE (Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung) · Straumann A, Katzka DA, Gastroenterology 2018 (EoE Natural History) · APFED (American Partnership for Eosinophilic Disorders) – internationale Patientenressourcen