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Grundlagen & Pathophysiologie

Das allergische Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung des Kindesalters und beruht auf einer Th2-vermittelten, eosinophilen Atemwegsentzündung in Kombination mit einer bronchialen Hyperreagibilität, die zu variabler, reversibler Atemwegsobstruktion führt. Es stellt häufig die respiratorische Endstrecke des atopischen Marsches dar.

Asthma-Phänotypen im Kindesalter

Transientes frühkindliches GiemenMeist <3 Jahre, viral getriggert, gute Prognose
Persistierendes Giemen, nicht-atopischOft viral-assoziiert, geringere Atopie-Belastung
Persistierendes Giemen, atopischAllergische Sensibilisierung, oft mit AD/Rhinitis
Spät einsetzendes GiemenSchulalter, meist deutliche Atopie-Assoziation
8–10 %
Prävalenz des Asthma bronchiale bei Kindern in westlichen Industrieländern
~50–60 %
Anteil transienten, viral-getriggerten Giemens im Kleinkindalter ohne Asthma-Persistenz
~80 %
Anteil des kindlichen Asthmas mit begleitender allergischer Sensibilisierung (atopisches Asthma)
~30 %
Anteil der Kinder mit atopischer Dermatitis, die im Verlauf ein Asthma entwickeln

Pathophysiologische Grundlagen im Detail

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Th2-vermittelte eosinophile Entzündung

Allergenexposition führt bei sensibilisierten Kindern zur Aktivierung allergenspezifischer Th2-Zellen mit Ausschüttung von IL-4, IL-5 und IL-13. IL-5 rekrutiert und aktiviert eosinophile Granulozyten, IL-13 fördert Becherzellhyperplasie und Schleimhypersekretion, IL-4 die IgE-Produktion.

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Bronchiale Hyperreagibilität

Die chronische Entzündung führt zu einer gesteigerten Empfindlichkeit der Atemwege gegenüber unspezifischen Reizen (kalte Luft, Anstrengung, Rauch, Irritanzien), die bei gesunden Kindern keine Reaktion auslösen würden – klinisch messbar durch bronchiale Provokationstests.

Bronchiale Obstruktion – Dreifachmechanismus

Die akute Atemwegsobstruktion entsteht durch das Zusammenspiel von Bronchospasmus (glatte Bronchialmuskulatur), Schleimhautödem (Entzündung, erhöhte Gefäßpermeabilität) und vermehrter, zäher Schleimsekretion – alle drei Komponenten sind Zielstrukturen unterschiedlicher Therapieansätze.

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Airway Remodeling

Bei unzureichend kontrollierter, chronischer Entzündung kommt es im Verlauf zu strukturellen Veränderungen der Atemwege (subepitheliale Fibrose, glatte Muskelhypertrophie, Becherzellhyperplasie), die zu einer teilweise irreversiblen Obstruktion führen können – ein wichtiges Argument für die frühzeitige, konsequente antientzündliche Therapie.

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Virale Trigger im Kleinkindalter

Respiratorische Virusinfekte (v.a. Rhinoviren, RSV) sind der häufigste Trigger von Giemen-Episoden im Kleinkindalter und können sowohl bei transientem als auch bei persistierendem, atopischem Giemen-Phänotyp Exazerbationen auslösen – die Unterscheidung ist prognostisch bedeutsam.

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Genetisch-umweltbedingte Interaktion

Die Krankheitsentwicklung resultiert aus dem Zusammenspiel genetischer Suszeptibilität (u.a. Atopie-assoziierte Gene) mit Umweltfaktoren (Allergenexposition, Tabakrauch, Luftschadstoffe, respiratorische Infekte im frühen Kindesalter) – ein klassisches Beispiel einer multifaktoriellen, polygenen Erkrankung.

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Klinische Symptome

Leitsymptome sind Giemen, Husten (v.a. nachts/nach Anstrengung), Atemnot und thorakales Engegefühl mit typischerweise variablem, episodischem Verlauf und Verstärkung durch spezifische Trigger.

Warnzeichen der akuten Exazerbation

Leichte Exazerbation

Beherrschbar zuhause

Giemen, leichte Dyspnoe bei Belastung, normale Sprache in ganzen Sätzen; gutes Ansprechen auf Bedarfsmedikation (kurzwirksames Beta-2-Mimetikum).

Mittelschwere Exazerbation

Ärztliche Kontrolle erforderlich

Dyspnoe in Ruhe, Sprechen in kurzen Sätzen/Phrasen, Unruhe; verminderte körperliche Aktivität; unzureichendes Ansprechen auf mehrfache Bedarfsmedikation.

Schwere Exazerbation – Notfall

Sofortige Notfallbehandlung

Sprechdyspnoe (nur Einzelworte), Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, Tachykardie, Zyanose; "stille Lunge" (fehlendes Atemgeräusch) ist ein besonders alarmierendes Zeichen für drohende respiratorische Erschöpfung.

LEITSYMPTOME

  • Giemen (exspiratorisch, "wheezing")
  • Trockener, oft nächtlicher Husten
  • Anstrengungsinduzierter Husten/Dyspnoe
  • Thorakales Engegefühl
  • Episodischer, variabler Verlauf
  • Symptomfreiheit zwischen den Episoden möglich

ALARMZEICHEN – NOTFALL

  • Sprechdyspnoe (nur einzelne Worte)
  • Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
  • Interkostale/subkostale Einziehungen
  • "Stille Lunge" – fehlendes Atemgeräusch
  • Zyanose, Bewusstseinstrübung
  • Erschöpfung – sofortige Notfalltherapie!

TYPISCHE TRIGGER

  • Respiratorische Virusinfekte
  • Aeroallergene (Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare)
  • Körperliche Anstrengung
  • Kalte Luft, Wetterwechsel
  • Tabakrauch, Luftschadstoffe
  • Emotionale Erregung (Lachen, Weinen)

BEGLEITENDE ATOPIE-ZEICHEN

  • Allergische Rhinokonjunktivitis
  • Atopische Dermatitis (Anamnese/aktuell)
  • Nahrungsmittelallergie (Anamnese)
  • Familiäre Atopie-Belastung
  • Positive Allergiediagnostik
  • Saisonale Symptomverstärkung
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Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf die typische Anamnese in Kombination mit dem objektiven Nachweis einer variablen Atemwegsobstruktion, wo altersabhängig möglich mittels Spirometrie. Bei Kindern <5–6 Jahren ist die Diagnostik oft primär klinisch, da eine verlässliche Lungenfunktionsmessung meist erst ab dem Schulalter gelingt.

  1. Klinische Untersuchung & strukturierte AnamneseSymptommuster (Häufigkeit, Auslöser, zirkadiane Variation – v.a. nächtliche Verschlechterung); Auskultationsbefund (Giemen, verlängertes Exspirium); Familienanamnese für Atopie/Asthma; persönliche Atopie-Anamnese (AD, Nahrungsmittelallergie, allergische Rhinitis); Ansprechen auf vorherige Bedarfsmedikation; Passivrauchexposition; Wohnumfeld (Feuchtigkeit, Haustiere).
  2. Lungenfunktionsdiagnostik (ab Schulalter meist zuverlässig durchführbar)Spirometrie: FEV1/FVC-Quotient erniedrigt bei obstruktiver Ventilationsstörung; Reversibilitätstestung nach Bronchodilatator-Gabe (Anstieg FEV1 ≥12 % als Hinweis auf reversible Obstruktion); Peak-Flow-Variabilität im häuslichen Verlaufsprotokoll als ergänzendes Instrument.
  3. Bronchiale Provokationstestung (bei unauffälliger Basisspirometrie, aber klinischem Verdacht)Unspezifische bronchiale Provokation (Methacholin, Anstrengungstest) zum Nachweis einer bronchialen Hyperreagibilität bei Kindern mit typischer Anamnese, aber normaler Ruhespirometrie; v.a. bei Verdacht auf anstrengungsinduziertes Asthma hilfreich.
  4. Fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid (FeNO)Nicht-invasiver Marker der eosinophilen Atemwegsentzündung; erhöhte Werte unterstützen die Diagnose eines allergischen (Typ-2-hoch) Asthmas und können zur Therapiesteuerung sowie Einschätzung der Adhärenz gegenüber inhalativen Kortikosteroiden herangezogen werden; alleiniger Normalwert schließt Asthma nicht aus.
  5. Allergiediagnostik zur Trigger-IdentifikationSpezifisches IgE oder Hautpricktest gegen relevante Aeroallergene (Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare, Schimmelpilze) zur Identifikation individueller Trigger und zur Einschätzung des allergischen (Typ-2) Phänotyps; Ergebnis fließt in Therapieentscheidung (z.B. Allergenkarenz, spezifische Immuntherapie, Biologika-Auswahl) ein.

Asthma-Kontrollgrad nach GINA-Kriterien

Kriterium (letzte 4 Wochen)Gut kontrolliertTeilweise kontrolliertUnkontrolliert
Tagsymptome >2×/WocheNein1–2 von 4 Kriterien erfüllt = teilweise; 3–4 = unkontrolliert
Nächtliches Erwachen durch AsthmaNein
Bedarfsmedikation >2×/WocheNein
Aktivitätseinschränkung durch AsthmaNein

Wichtiger Hinweis zum Kleinkindalter: Bei Kindern <5 Jahren ist eine verlässliche Spirometrie meist nicht durchführbar. Die Diagnose stützt sich hier primär auf das klinische Muster, das Ansprechen auf einen Therapieversuch und den Ausschluss relevanter Differentialdiagnosen. Eine endgültige Asthma-Diagnose sollte in dieser Altersgruppe daher regelmäßig reevaluiert werden.

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Molekulargenetische Grundlagen

Asthma ist eine polygene, multifaktorielle Erkrankung mit deutlicher familiärer Häufung. Genomweite Assoziationsstudien haben zahlreiche Suszeptibilitätsloci identifiziert, die überwiegend Gene der Th2-Immunantwort und der Atemwegsepithel-Barrierefunktion betreffen.

Immunologische Schlüsselwege

Chromosom-17-Locus

ORMDL3/GSDMB

Der am stärksten und konsistentesten replizierte Asthma-Suszeptibilitätslocus (17q21) umfasst die Gene ORMDL3 und GSDMB, die in die Regulation des endoplasmatischen Retikulums und Atemwegsepithelfunktion involviert sind, mit besonders starker Assoziation zu früh beginnendem, viral-getriggertem Asthma.

Th2-Zytokin-Cluster

IL4/IL13/IL5-Locus

Der Zytokin-Genclusters auf Chromosom 5q31 (IL4, IL13, IL5) reguliert zentrale Th2-Effektorfunktionen; Polymorphismen sind mit erhöhtem Gesamt-IgE, Eosinophilie und Asthma-Suszeptibilität assoziiert und zugleich molekulare Zielstrukturen moderner Biologika.

Epitheliale Alarmine

TSLP/IL33-Signalweg

Epitheliale Alarmine (TSLP, IL-33) werden bei Atemwegsepithelschädigung (z.B. durch Virusinfekte oder Schadstoffe) freigesetzt und initiieren die Th2-Immunantwort – zentrale Verbindung zwischen Umweltreiz und allergischer Entzündungskaskade.

Gen / LocusChromosomFunktion / AssoziationKlassifikation
ORMDL3 / GSDMB17q21Am stärksten replizierter Asthma-Suszeptibilitätslocus in genomweiten Assoziationsstudien; ORMDL3 reguliert Sphingolipid-Synthese und ER-Stress-Antwort in Atemwegsepithelzellen; besonders starke Assoziation mit früh beginnendem, viral-assoziiertem KindheitsasthmaStärkster GWAS-Locus, früh beginnendes Asthma
IL33 / IL1RL1 (ST2)9p24 (IL33), 2q12 (IL1RL1)IL-33 ist ein epitheliales Alarmin, das bei Zellschädigung freigesetzt wird und über seinen Rezeptor ST2 (IL1RL1) Typ-2-Innate-Lymphoid-Zellen (ILC2) und Th2-Zellen aktiviert; Polymorphismen in beiden Genen mit erhöhter Asthma-Suszeptibilität assoziiert; Etokitug (Anti-ST2) als neuere Zielstruktur in ErprobungEpitheliales Alarmin-System
IL4 / IL13 / IL4RA5q31 (IL4/IL13), 16p12 (IL4RA)Zentrale Th2-Zytokine und gemeinsamer Rezeptor; Polymorphismen mit erhöhter IgE-Produktion, Eosinophilie und Asthma-Schweregrad assoziiert; IL4RA ist zugleich Zielstruktur des Biologikums Dupilumab bei schwerem Typ-2-AsthmaTh2-Signalweg, therapeutische Zielstruktur
ADAM3320p13Metalloprotease, die in glatter Bronchialmuskulatur und Fibroblasten exprimiert wird; an Atemwegs-Remodeling-Prozessen beteiligt; Polymorphismen mit Asthma-Suszeptibilität und beschleunigtem Lungenfunktionsverlust assoziiertAtemwegs-Remodeling
FLG (Filaggrin)1q21Hautbarriere-Gen (siehe atopische Dermatitis); Loss-of-Function-Mutationen sind zusätzlich mit erhöhtem Risiko für Asthma assoziiert, besonders im Kontext des atopischen Marsches bei Kindern mit vorausgehender atopischer DermatitisAtopischer Marsch, Barriere-Gen

Klinische Relevanz: Eine routinemäßige genetische Testung ist beim kindlichen Asthma nicht indiziert. Das Verständnis der Th2-Signalwege (IL-4, IL-5, IL-13) ist jedoch direkt therapeutisch relevant, da diese die molekularen Zielstrukturen der bei schwerem Asthma eingesetzten Biologika darstellen.

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Molekulare Diagnostik

Die Diagnostik dient der Phänotypisierung (allergisch/Typ-2-hoch vs. nicht-allergisch) und der Therapiesteuerung, insbesondere im Hinblick auf die Auswahl geeigneter Biologika bei schwerem Asthma.

Praxishinweis FeNO: FeNO-Werte können durch inhalative Kortikosteroide supprimiert werden – ein niedriger Wert unter laufender Therapie kann daher entweder gute Entzündungskontrolle ODER schlechte Adhärenz bedeuten und muss im klinischen Kontext interpretiert werden.

MethodeIndikationBedeutung / Besonderheit
Spirometrie mit ReversibilitätstestDiagnosesicherung ab Schulalter, VerlaufskontrolleFEV1/FVC-Erniedrigung + Reversibilität nach Bronchodilatator als objektiver Nachweis variabler Obstruktion
FeNO (fraktioniertes exhaliertes NO)Phänotypisierung (Typ-2-hoch), Therapiesteuerung, Adhärenz-EinschätzungNicht-invasiver Marker eosinophiler Atemwegsentzündung; erhöhte Werte sprechen für allergisches Asthma und gutes ICS-Ansprechen
Eosinophile im BlutbildPhänotypisierung, Biologika-IndikationsstellungErhöhte Bluteosinophile unterstützen Typ-2-Phänotyp; Grenzwerte für Biologika-Zulassung (z.B. Mepolizumab) definiert
Gesamt-IgE + spezifisches IgENachweis allergischer Sensibilisierung, Omalizumab-DosisberechnungGesamt-IgE-Spiegel als Grundlage der gewichtsadaptierten Omalizumab-Dosierung; spezifisches IgE zur Trigger-Identifikation
Bronchiale Provokationstestung (Methacholin)Unklare Diagnose bei normaler RuhespirometrieNachweis bronchialer Hyperreagibilität; sensitiv, aber nicht spezifisch für Asthma allein
Induziertes Sputum (spezialisierte Zentren)Phänotypisierung bei schwerem, therapierefraktärem AsthmaDifferenzierung eosinophiles vs. neutrophiles Entzündungsmuster; hilft bei Auswahl gezielter Biologika-Therapie
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Differenzialdiagnosen

Insbesondere im Kleinkindalter ist die Abgrenzung von transientem, viral-getriggertem Giemen und anderen Ursachen chronischen Hustens/Giemens von zentraler Bedeutung, um Über- und Unterdiagnostik zu vermeiden.

DifferentialdiagnoseÄhnlichkeitSchlüsselunterschiedDiagnostik
Transientes frühkindliches GiemenGiemen bei respiratorischen Infekten im KleinkindalterMeist <3 Jahre; nur bei Virusinfekten, keine Symptome im Intervall; fehlende Atopie-Familienanamnese; meist spontane Rückbildung ohne Asthma-PersistenzVerlaufsbeobachtung, Atopie-Anamnese, ggf. Asthma-Prädiktionsindex
Zystische Fibrose (Mukoviszidose)Chronischer Husten, rezidivierende AtemwegsinfekteGedeihstörung, fettige Stühle, positiver Schweißtest; CFTR-Genetik pathologisch; oft bereits im Neugeborenen-Screening auffälligSchweißtest, CFTR-Genetik, Neugeborenen-Screening
Primäre ziliäre Dyskinesie (PCD)Chronischer Husten, rezidivierende Atemwegsinfekte, GiemenSitus inversus bei ca. 50 %; chronische Rhinosinusitis; nasale NO-Messung erniedrigt; Beginn oft bereits im Neugeborenenalter mit AtemnotNasale NO-Messung, Ziliarschlag-Videomikroskopie, Genetik
Tracheo-/BronchomalazieGiemen, Stridor, rezidivierende Atemwegsinfekte im SäuglingsalterGiemen oft positionsabhängig; kein Ansprechen auf Bronchodilatatoren; Diagnose mittels BronchoskopieBronchoskopie, dynamische Bildgebung
FremdkörperaspirationPlötzlicher Husten, Giemen, AtemnotAkuter, oft beobachteter Beginn; asymmetrischer Auskultationsbefund; anamnestischer Hinweis auf ErstickungsereignisRöntgen-Thorax (Ex-/Inspiration), Bronchoskopie
Gastroösophagealer RefluxChronischer Husten, v.a. nächtlich, gelegentlich GiemenSymptome oft postprandial/im Liegen; begleitendes Sodbrennen/Regurgitation; kein typisches Ansprechen auf Asthma-TherapiepH-Metrie/Impedanzmessung, klinischer Therapieversuch mit Säurehemmern
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Therapie

Die Therapie folgt dem GINA-Stufenschema mit inhalativen Kortikosteroiden als Basis der Langzeittherapie und einer Eskalation über langwirksame Bronchodilatatoren bis hin zu Biologika bei schwerem, therapierefraktärem Typ-2-Asthma.

  • STUFE 1–2Bedarfsmedikation & niedrigdosierte ICS

    Bedarfsmedikation: Kurzwirksames inhalatives Beta-2-Mimetikum (SABA) bei Bedarf; bei häufigerem Bedarf (>2×/Woche) oder nächtlichen Symptomen Übergang zur Dauertherapie erwägen. Nach aktuellen GINA-Empfehlungen wird zunehmend auch im Bedarfsfall die Kombination mit niedrigdosiertem ICS bevorzugt (Reduktion des Risikos schwerer Exazerbationen).
    Niedrigdosierte inhalative Kortikosteroide (ICS): Basistherapie bei persistierendem Asthma; tägliche Anwendung auch im beschwerdefreien Intervall; korrekte Inhalationstechnik (Spacer bei Kindern) entscheidend für Wirksamkeit und Reduktion lokaler Nebenwirkungen (orale Candidiasis, Heiserkeit).
    Schulung: Strukturierte Asthma-Schulung für Kind und Familie (z.B. modularisierte Schulungsprogramme) zur Verbesserung von Selbstmanagement und Adhärenz; schriftlicher Asthma-Aktionsplan.

  • STUFE 3Mitteldosierte ICS / ICS-LABA-Kombination

    Mitteldosierte ICS oder ICS + langwirksames Beta-2-Mimetikum (LABA): Bei unzureichender Kontrolle unter niedrigdosiertem ICS; Kombinationspräparate erhöhen die Adhärenz; LABA nie als Monotherapie ohne ICS einsetzen (erhöhtes Risiko schwerer Exazerbationen).
    Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (Montelukast): Alternative oder Zusatztherapie, insbesondere bei begleitender allergischer Rhinitis oder anstrengungsinduziertem Asthma; orale Einnahme kann Adhärenz erleichtern; auf mögliche neuropsychiatrische Nebenwirkungen achten.
    Vor Therapieeskalation obligat: Überprüfung von Inhalationstechnik, Adhärenz und Trigger-Exposition (v.a. Tabakrauch, unzureichende Allergenkarenz) – häufigste Ursachen scheinbarer Therapieresistenz.

  • STUFE 4Hochdosierte ICS-LABA-Kombination & Zusatztherapien

    Hochdosierte ICS-LABA-Kombination: Bei unzureichender Kontrolle trotz mitteldosierter Therapie; Reevaluation der Diagnose und des Phänotyps vor weiterer Eskalation empfohlen.
    Add-on-Therapien: Langwirksames Anticholinergikum (Tiotropium) als Zusatztherapie ab bestimmtem Alter; allergenspezifische Immuntherapie (SCIT/SLIT) bei nachgewiesener Monosensibilisierung (v.a. Hausstaubmilben, Gräserpollen) als krankheitsmodifizierende Option.
    Überweisung an spezialisiertes Zentrum: Bei anhaltend unzureichender Kontrolle trotz hochdosierter Therapie sollte eine Vorstellung in einem pädiatrisch-pneumologischen/allergologischen Schwerpunktzentrum zur erweiterten Phänotypisierung und Biologika-Indikationsprüfung erfolgen.

  • STUFE 5Biologika bei schwerem Asthma

    Omalizumab (Anti-IgE): Bei schwerem allergischem Asthma mit erhöhtem Gesamt-IgE und relevanter Sensibilisierung; gewichts- und IgE-adaptierte Dosierung; subkutane Injektion alle 2–4 Wochen; ältestes und am längsten etabliertes Biologikum in der Pädiatrie.
    Mepolizumab / Benralizumab (Anti-IL-5/IL-5-Rezeptor): Bei schwerem eosinophilem Asthma mit erhöhten Bluteosinophilen; reduziert Exazerbationsrate und Kortikosteroidbedarf; zugelassen ab bestimmtem Alter (altersabhängige Zulassung beachten).
    Dupilumab (Anti-IL-4Rα): Bei schwerem Typ-2-Asthma, insbesondere bei begleitender atopischer Dermatitis oder chronischer Rhinosinusitis mit Polyposis; blockiert sowohl IL-4- als auch IL-13-Signalweg.
    Tezepelumab (Anti-TSLP): Neuere Option, die auch bei Nicht-Typ-2-hohem Asthma wirksam sein kann, da sie oberhalb der Th2-Kaskade am epithelialen Alarmin ansetzt; Zulassung altersabhängig.
    Therapieentscheidung: Individualisiert nach Phänotyp (IgE, Eosinophile, Komorbiditäten) in spezialisierten pädiatrisch-pneumologischen Zentren.

Monitoring unter Therapie – Übersicht

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Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Asthma-Kontrollgrad nach GINA-Kriterien bei jeder Kontrolle erfassen; Lungenfunktion (Spirometrie) regelmäßig ab Schulalter; Wachstumskontrolle unter Langzeit-ICS-Therapie (in üblichen Dosierungen meist unbedeutender Effekt).

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Inhalationstechnik-Überprüfung

Bei jeder Kontrolle Inhalationstechnik praktisch überprüfen und ggf. korrigieren; Spacer-Verwendung bei Dosieraerosolen im Kindesalter obligat; altersgerechte Inhalationshilfen auswählen.

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Exazerbations-Management-Plan

Schriftlicher, individualisierter Asthma-Aktionsplan mit Ampelsystem (grün/gelb/rot) für Familie und Schule; regelmäßige Aktualisierung; Notfallmedikation und Handlungsanweisungen klar dokumentiert.

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Biologika-Monitoring

Regelmäßige Erfassung von Exazerbationsrate und Kortikosteroidbedarf als Therapieerfolgsparameter; Infektionsscreening vor Therapiebeginn; Beobachtung möglicher Nebenwirkungen je nach Präparat (Injektionsreaktionen, Eosinophilie-assoziierte Symptome).

Prognose: Ein erheblicher Teil der Kinder mit transientem, viral-getriggertem Giemen im Kleinkindalter zeigt bis zum Schulalter eine spontane Remission ohne Asthma-Persistenz. Bei persistierendem, atopischem Asthma ist unter konsequenter, leitliniengerechter Therapie in den allermeisten Fällen eine gute Symptomkontrolle mit normaler körperlicher Leistungsfähigkeit und Lebensqualität erreichbar. Ein Teil der Kinder mit früh beginnendem, schwerem Asthma und deutlichem Airway Remodeling kann jedoch eine reduzierte Lungenfunktion bis ins Erwachsenenalter behalten – dies unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen, konsequenten antientzündlichen Therapie und guter Adhärenz.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Experten und spezialisierte Zentren für pädiatrisches Asthma bronchiale und Biologika-Therapie in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. Erika von Mutius
Pädiatrische Pneumologie / Asthma-Epidemiologie
Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU München – Asthma- und Allergiezentrum
MÜNCHEN
Asthma-Epidemiologie; frühkindliche Asthma-Phänotypisierung; Umweltfaktoren-Forschung (GABRIEL/PASTURE-Studien); internationale Leitlinienarbeit
Asthma-Epidemiologie MünchenPhänotypisierung
Prof. Dr. Eckard Hamelmann
Pädiatrische Pneumologie & Allergologie
Evangelisches Klinikum Bethel, Universitätsklinikum OWL Bielefeld – Kinderklinik
BIELEFELD
Kindliches Asthma; Biologika-Therapie; GPA-Leitlinienarbeit; atopischer Marsch-Forschung
Asthma BielefeldBiologika
Prof. Dr. Matthias Kopp
Pädiatrische Pneumologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck – Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
LÜBECK
Kindliches Asthma; Lungenfunktionsdiagnostik im Kindesalter; ERS-Leitlinienarbeit; schweres Asthma bei Kindern
Lungenfunktion LübeckERS
GPP – Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie
Nationales Fachnetzwerk
GPP e.V. – Arbeitsgruppe Asthma bronchiale
DEUTSCHLAND
Nationale Leitlinien pädiatrisches Asthma (NVL Asthma); Asthma-Schulungsprogramme; Kooperation mit GPA bei allergologischer Komponente
GPP-NetzwerkNVL Asthma
🇦🇹 Österreich
Prof. Dr. Zsolt Szépfalusi
Pädiatrische Pneumologie & Allergologie
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien
WIEN
Kindliches Asthma; Allergiediagnostik; Biologika-Therapie; österreichisches Referenzzentrum für pädiatrische Pneumologie
Asthma-Referenzzentrum WienBiologika AT
St. Anna Kinderspital – Pneumologie
Pädiatrische Pneumologie
St. Anna Kinderspital Wien
WIEN
Lungenfunktionsdiagnostik im Kindesalter; Asthma-Schulungsprogramme; interdisziplinäre Betreuung mit Allergologie
Lungenfunktion WienSchulungsprogramme
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. Alexander Möller
Pädiatrische Pneumologie
Universitäts-Kinderspital Zürich – Abteilung Pneumologie
ZÜRICH
Kindliches Asthma; Lungenfunktionsdiagnostik; schweres Asthma und Biologika-Therapie; Schweizer pädiatrische Pneumologie-Forschung
Asthma ZürichSchweres Asthma
Prof. Dr. Caroline Roduit
Pädiatrische Allergologie
Universitäts-Kinderspital Zürich – Abteilung Allergologie
ZÜRICH
Allergisches Asthma; atopischer Marsch; Präventionsforschung; Schweizer Kohortenstudien (BILD-Studie)
Allergie-Prävention ZürichBILD-Studie
aha! Allergiezentrum Schweiz
Nationale Patientenorganisation & Fachberatung
aha! Swiss Allergy Centre
SCHWEIZ
Asthma-Schulungsprogramme; Patientenberatung; nationale Aufklärungsarbeit zu Asthma und Allergien im Kindesalter
Patientenschulung CHAsthma-Aufklärung

Fachgesellschaften & Ressourcen: Global Initiative for Asthma (GINA) – Global Strategy for Asthma Management and Prevention · Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Asthma (Deutschland) · GPP (Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie) · GPA (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin) · ERS/ATS Task Force Reports zu pädiatrischem Asthma · aha! Swiss Allergy Centre