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Grundlagen & Pathophysiologie

Die allergische Kontaktdermatitis (AKD) ist eine T-Zell-vermittelte Hypersensitivitätsreaktion vom Spättyp (Typ IV nach Coombs & Gell), die nach wiederholtem Hautkontakt mit einem Kontaktallergen entsteht. Im Gegensatz zu IgE-vermittelten Sofortreaktionen erfordert die AKD eine primäre Sensibilisierungsphase von 10–15 Tagen und manifestiert sich bei Reexposition nach 24–72 Stunden.

Hapten-Konzept: Die meisten Kontaktallergene sind niedermolekulare Substanzen (< 1000 Da), sogenannte Haptene, die allein nicht immunogen sind. Sie penetrieren die Hautbarriere und binden kovalent an Trägerproteine (Filaggrin, Keratin, Albumin) → Hapten-Protein-Komplex = vollständiges Antigen → Aktivierung des adaptiven Immunsystems → T-Gedächtniszellen. Bei Barrierestörung (atopische Dermatitis, FLG-Mutationen) ist die Penetration erhöht → erhöhtes Sensibilisierungsrisiko.

Zweiphasiger Pathomechanismus

Sensibilisierungsphase (I)Erstexposition · 10–15 Tage · stumm
GedächtnisT-Eff./Mem.
Auslösungsphase (II)Reexposition · 24–72 h · Ekzem
ChronischDauerkontakt → Lichenif.
RemissionAllergenkarenz
15–20 %
Kontaktsensibilisierung bei Kindern
24–72 h
Latenz bis Ekzem bei Reexposition
Nickel
Häufigstes Kontaktallergen weltweit
Typ IV
Coombs & Gell – T-Zell-mediiert (Spättyp)

Pathophysiologische Grundlagen

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Hapten-Penetration & Bindung

Niedermolekulares Hapten durchdringt Hautbarriere. Kovalente Bindung an epidermale Proteine. Elektrophile Haptene (Isothiazolinone, Epoxide) binden direkt. Prohaptene (Nickel, DNCB) werden durch Metabolismus aktiviert. FLG-Barrierestörung erhöht Penetration.

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Sensibilisierungsphase (Afferenz)

Langerhans-Zellen der Epidermis (CD1a+, CD207+) nehmen Hapten-Protein-Komplex auf → Migration in regionale Lymphknoten → MHC-II-Präsentation → Aktivierung naiver CD4+ T-Zellen → Th1-Differenzierung (IFN-γ) + CD8+ CTL → T-Gedächtnis­zellen.

Auslösungsphase (Efferenz)

Reexposition → Aufnahme durch Langerhans-Zellen → Aktivierung sensibilisierter T-Gedächtniszellen in Haut → IFN-γ, TNF-α, IL-17-Freisetzung → Keratinozyten-Aktivierung → Spongiose, Vesikelbildung, Entzündungsinfiltrat → Ekzem nach 24–72 h.

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Chronisches Kontaktekzem

Dauerhafter Allergen-Niedrigkontakt → persistente schwache T-Zell-Aktivierung → Lichenifikation, Rhagaden, Hyperkeratose, trockenes Ekzem. Häufig bei ubiquitären Allergenen (Nickel, Duftstoffe). Prognose schlecht bei unvermeidbarem Allergen.

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Photoallergische Kontaktdermatitis

Photosensibilisator (UV-Filter in Sonnencreme, Promethazin) + UV-A → reaktive Verbindung → Hapten-Bildung. Nur lichtexponierte Areale betroffen. Diagnose: Photo-Patch-Test. Im Kindesalter: zunehmend UV-Filter-Allergene (Octocrylene, Benzophenon-3).

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DAMP-Aktivierung der Dendritischen Zellen

Haptene induzieren Stressreaktionen in Keratinozyten → ATP, HMGB1, Hitzeschockproteine (DAMPs) → Aktivierung von Langerhans-Zellen über TLR, P2X7-Rezeptoren, NLRP3-Inflammasom → Langerhans-Zell-Reifung und Migration. Erklärung für adjuvante Entzündungskomponente.

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Klinische Symptome

Die AKD ist initial auf die Kontaktstelle begrenzt, kann sich aber durch Streureaktionen ausbreiten. Intensiver Juckreiz ist das Leitsymptom. Morphologie und Lokalisation sind wegweisend für das auslösende Allergen.

Morphologie und Verlaufsformen

AKUTES KONTAKTEKZEM (1–7 TAGE)

  • Intensiver Juckreiz (Pruritus) an Kontaktstelle
  • Erythem und Ödem (Rötung, Schwellung)
  • Papulovesikel, nässende Bläschen
  • Exsudation und Krustenbildung nach Ruptur
  • Scharf begrenzt auf Kontaktbereich (initial)
  • Streureaktionen außerhalb der Kontaktstelle
  • Selbstlimitierend nach konsequenter Allergenkarenz

CHRONISCHES KONTAKTEKZEM

  • Trockenes, schuppendes Ekzem
  • Lichenifikation (vergröbertes Hautrelief)
  • Schmerzhafte Rhagaden (Einrisse)
  • Hyperkeratose, verdickte Hornschicht
  • Milder Juckreiz (vs. akut stärker)
  • Persistiert bei fortdauerndem Allergenkontakt
  • Schlechtes TCS-Ansprechen solange Kontakt besteht

STREUREAKTIONEN & ID-PHÄNOMEN

  • Ekzem außerhalb der primären Kontaktstelle
  • Via lymphatische / hämatogene Ausbreitung
  • Oft symmetrisch (systemische T-Zell-Aktivierung)
  • Häufig bei Nickelallergie (Streuherd-Phänomen)
  • Beweis für vollständige T-Zell-Sensibilisierung
  • Kann weit von Kontaktstelle entfernt auftreten

SONDERFORMEN

  • Photoallergisches Kontaktekzem: nur lichtexponiert
  • Proteinkontaktdermatitis: sofort + Spätreaktion
  • Systemische Kontaktdermatitis: oral/parenteral
  • Erythema-multiforme-artige Reaktion (topische Medikamente)
  • Henna-Tattoo-Reaktion (PPD): bulliöse Form
  • Baboon-Syndrom: Flexuralbefall bei system. Exposition

Wichtige Kontaktallergene im Kindesalter

AllergenExpositionsquellenTypische LokalisationBesonderheit Kinder
NickelsulfatModeschmuck, Gürtelschnallen, Jeansknöpfe, Piercings, Brillen, MünzenOhrläppchen, Bauchnabel, Handgelenk, HalsHäufigstes Allergen; Ohrpiercing Hauptursache; Mädchen 3× häufiger
Duftstoffe (Fragrance Mix I/II)Parfums, Körperpflege, Feuchttücher, Waschmittel, CremesGesicht, Hals, Hände; generalisiert möglichMCI/MI in Feuchttüchern → Kleinkinder; Fragrance Mix → Schulkinder
MCI / MI (Isothiazolinone)Feuchttücher (Babyfeuchttücher!), Kosmetika, Farben, ReinigungsmittelGesäß (Windel), Gesicht (perioral, periorbital), HändeHäufig bei Säuglingen + Kleinkindern; „Feuchttücher-Ekzem"; rapide Zunahme
KobaltMetall-Legierungen, Schmuck (oft zusammen mit Nickel), blaue Farben, HartmetallAnalog Nickel; Koexistenz mit NickelallergieHäufig gemeinsam mit Nickelallergie sensibilisiert; Cross-Reaktivität
Thiurame / DithiocarbamateGummi-Produkte: Schuhe, Handschuhe, Sportgeräte, Schnuller, FahrradgriffeFußsohlen (Schuh-Ekzem), Hände, peribuccal (Schnuller)Schnuller-Ekzem peribuccal; Schuh-Ekzem häufig; Sportallergene
Chromat (Kaliumdichromat)Leder (Schuhe, Gürtel, Handtaschen), Zement, bestimmte FarbenFußsohlen und -rücken, HändeSchuh-Ekzem an Fußsohlen; Prognose schlecht (ubiquitäres Allergen)
KolophoniumHeftpflaster, Klebstoffe, Geigen-Kolophonium, Pflasten nach EKG/OpUnter Pflaster; peristernale / EKG-Elektroden-StellenPflaster-Allergie nach Sport-Verletzungen, OP, EKG häufig
PPD (Paraphenylendiamin)Henna-Tattoos (schwarz gefärbt), Haarfärbemittel, GummiTattoo-Region; Kontakt-Stelle exaktSchwarz-Henna-Tattoos im Urlaub → schwere bulliöse AKD; persistente Sensibilisierung

Lokalisationstypik – diagnostisches Werkzeug

Ohrläppchen / Bauchnabel

Nickel-Kontaktdermatitis

Klassisch nach Ohrpiercing → Ekzem am Ohrläppchen. Jeansknopf → Bauchnabel-Ekzem. Armbanduhr → Handgelenk. Mädchen 3× häufiger. EU-Nickelrichtlinie schreibt vor: Schmuck < 0,5 µg Ni/cm²/Woche. Nickel-Schnelltest (Dimethylglyoxim) für Schmuck verfügbar.

Peribuccal / Fußsohlen

Gummi-Allergene (Thiurame)

Schnuller aus Naturgummi → periorales Ekzem beim Säugling. Schuh-Ekzem plantar → Thiurame, Mercaptobenzothiazol, Chromat. Handschuhe → Handflächen-Ekzem. Differenzialdiagnose: Tinea pedis (Pilznachweis, KOH-Präparat).

Gesäß / Feuchttücher-Region

MCI/MI (Isothiazolinone)

Babyfeuchttücher: MCI/MI als häufigstes Konservierungsmittel → Gesäß-Ekzem, peribuccal (beim Abwischen), Augenlider. Besonders Kleinkinder betroffen. Diagnose: Epikutantest mit MCI/MI. Karenz: Wechsel zu konservierungsmittelfreien Produkten.

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Diagnostik

Der Epikutantest (Patch-Test) ist der diagnostische Goldstandard der AKD. Er weist eine T-Zell-Sensibilisierung nach und muss immer im klinischen Kontext (Anamnese, Exposition, Lokalisation) beurteilt werden.

  1. Anamnese (zentral!)Beginn und Verlauf des Ekzems; Lokalisation (= Expositionshinweis); Expositionsanalyse: Schmuck/Piercings, Pflegeprodukte, Waschmittel, Feuchttücher, Schuhe, Gummiprodukte, Tattoos; atopische Eigenanamnese (erhöhtes Sensibilisierungsrisiko bei Barrierestörung / FLG-Mutation); Vorbehandlungen; Urlaub (Henna-Tattoo!); berufliche / schulische Exposition.
  2. Körperliche UntersuchungInspektion: Lokalisation, Morphologie (akut vesikulo-nässend vs. chronisch lichenifiziert), Ausbreitung, Streureaktionen. Körperschema zeichnen: Expositionsmuster ergibt sich oft direkt aus der Ekzem-Verteilung (Schmucklinie, Gürtellinie, Schuhkontur). DD: atopische Dermatitis, irritatives Kontaktekzem.
  3. Epikutantest (Patch-Test) – GoldstandardDKG-Standardreihe (Deutsche Kontaktekzem-Gruppe, 28 Allergene): Nickel, Duftstoffmix I/II, MCI/MI, Thiurame, Chromat, Kobalt, Kolophonium, Propolis, Lanolin u.a. Zusatzreihen: anamnestisch verdächtige Substanzen (Kosmetika, Textil, Schuh, Plastik, Medikamente). Durchführung: Aufkleben am Rücken (Kinder ab ~4 J.: Kooperation; jüngere: kleinere Kammern); 48 h Verweildauer; Ablesung nach 48 h (Entfernen), 72 h und 96 h. Kein Test bei akutem Ekzem (< 48 h alt) oder unter hochdosierten Kortikosteroiden.
  4. Relevanzbeurteilung (obligat!)Aktuelle klinische Relevanz: positives Allergen erklärt das aktuelle Ekzem bei nachgewiesener Exposition. Frühere klinische Relevanz: erklärt frühere Episoden. Mögliche Relevanz: Exposition plausibel. Keine Relevanz: Sensibilisierung ohne klinischen Bezug. Gebrauchstest / ROAT: bei fraglicher Relevanz → tägliche offene Applikation des Verdachtsallergens am Unterarm × 7 Tage → Reaktion bestätigt Relevanz.
  5. Ergänzende UntersuchungenPrick-Test + sIgE: bei Verdacht auf Protein-Kontaktdermatitis (Latex, Nahrungsmittelproteine) oder gleichzeitiger IgE-Allergie. Nickel-Schnelltest (Dimethylglyoxim-Spray): kolorimetrischer Test für Schmuck/Metalle → Rosarot = Nickel freigesetzt → praktische Expositionserfassung. Photo-Patch-Test: bei photoallergischem Verdacht (UV-Filter in Sonnenschutz). Abstrich / KOH-Präparat: Tinea-Ausschluss bei Schuh-Ekzem.

Epikutantest-Ablesekriterien (ICDRG)

ReaktionMorphologieBedeutung
— (negativ)Keine sichtbare ReaktionKeine Sensibilisierung nachgewiesen; Ausschluss nicht 100 % bei subkritischer Dosis
? + (zweifelhaft)Leichte Rötung ohne InfiltrationFragliche Reaktion; nicht beweisend; ROAT oder Wiederholungstest erwägen
+ (schwach positiv)Erythem + Infiltration + einzelne PapelnPositive Sensibilisierung; Relevanzbeurteilung obligat!
++ (stark positiv)Erythem + Infiltration + VesikelDeutliche Sensibilisierung; hohe Sensibilisierungsdichte; Relevanz wahrscheinlich
+++ (sehr stark positiv)Blasen, Ulzeration, Überschreiten der TestflächeAusgeprägte Sensibilisierung; immer klinisch relevant; Streureaktion möglich
IR (Irritation)Scharf begrenzte Rötung; früh (24 h); flachToxisch-irritativ; kein Beweis für Sensibilisierung; Überlappung möglich
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Molekulargenetische Grundlagen

Die AKD ist keine klassisch monogene Erkrankung, aber polygene Suszeptibilitätsfaktoren beeinflussen das Sensibilisierungsrisiko erheblich. Entscheidend sind Gene der Hautbarriere, der Antigenpräsentation (HLA) und der T-Zell-Immunregulation.

T-Zell-Immunologie der AKD

Effektorzellen

CD4+ Th1 & CD8+ CTL

Sensibilisierungs-Phase: naive CD4+ T-Zellen → Th1-Differenzierung (IL-12, IFN-γ). CD8+ zytotoxische T-Lymphozyten (CTL) spielen bei der Auslösungsphase eine wichtige Rolle: epidermotrope CD8+ CTL → Keratinozyten-Apoptose → Spongiose. Bei bestimmten Allergenen dominiert Th17-Antwort (IL-17A, IL-22).

Toleranz-Mechanismen

Regulatorische T-Zellen (Treg)

Treg (CD4+CD25+FOXP3+) modulieren die Intensität der Kontaktsensibilisierung. Dysbalance Treg/Th1 → erhöhte Sensibilisierungsneigung. Bei AD-Patienten: Treg-Funktion gestört → erhöhtes AKD-Risiko. IL-10 und TGF-β als regulierende Zytokine aus Tregs.

Keratinozyten-Aktivierung

Innate Immunity & TSLP

Haptene aktivieren Keratinozyten → IL-1β, TNF-α, TSLP-Freisetzung → co-stimulatorische Signale für Langerhans-Zellen. IL-18 → Th1-Polarisation. TSLP → Th2-Drift möglich (AKD + AD-Überlappung). CXCL8 → Neutrophilen-Rekrutierung bei starker Reaktion.

Suszeptibilitätsgene der allergischen Kontaktdermatitis

Gen / LocusChromosomFunktion / RelevanzAssoziation
HLA-DRB1 / HLA-DQB16p21MHC-II-Moleküle; Hapten-Peptid-Präsentation gegenüber CD4+ T-Zellen; HLA-DRB1*04 assoziiert mit Nickelallergie; HLA-Varianten modulieren Sensibilisierungswahrscheinlichkeit für spezifische AllergeneNickelallergie-Assoziation
FLG (Filaggrin)1q21Epidermale Barriere; Loss-of-function-Mutationen → gestörte Barriere → erhöhte Hapten-Penetration → erhöhtes AKD-Risiko; FLG-Mutationen assoziiert mit Nickel- und Duftstoff-Sensibilisierung unabhängig von atopischer DermatitisErhöhtes Sensibilisierungsrisiko
CLDN1 / CLDN43q28 / 7q11Tight-Junction-Proteine (Claudine); Barrierefunktion der Epidermis; reduzierte Claudin-1-Expression erleichtert Hapten-Penetration; Claudin-Polymorphismen assoziiert mit erhöhter KontaktsensibilisierungBarriere-Suszeptibilität
CD1a1q23Nicht-klassisches MHC auf Langerhans-Zellen; präsentiert lipophile Haptene (Urushiol, Farnesol, Balsam Peru) direkt an T-Zellen via lipidisches Antigen-Präsentationssystem; besonders relevant für pflanzliche und ölige AllergeneLipophile Haptene
IL12B5q33IL-12p40-Untereinheit; IL-12 polarisiert T-Zellen zu Th1 (IFN-γ); IL-12p40-Polymorphismen assoziiert mit verstärkter Kontaktsensibilisierung; IL-12-Signalung zentral für Langerhans-Zell-Reifung und DC-MigrationTh1-Polarisation
TNFA6p21TNF-α Promotor-Polymorphismus -308G/A: erhöhte TNF-α-Produktion assoziiert mit stärkerer Sensibilisierungsreaktion; TNF-α reguliert Langerhans-Zell-Migration und reifung; erhöhte Entzündungsintensität bei AuslösungsphaseEntzündungsstärke
GSTP1 / GSTT111q13 / 22q11Glutathion-S-Transferasen; Phase-II-Metabolismus; Detoxifikation reaktiver Haptene; GSTT1-Null-Genotyp → reduzierter Hapten-Abbau → erhöhte verfügbare reaktive Hapten-Konzentration → erhöhtes Sensibilisierungsrisiko bei bestimmten AllergenenHapten-Metabolismus
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Molekulargenetische Diagnostik

Routinemäßige Gendiagnostik ist bei AKD nicht indiziert. Die Diagnose basiert auf Epikutantest + Anamnese + Klinik. Molekulare Diagnostik hat ergänzenden Charakter bei spezifischen Fragestellungen.

FLG-Diagnostik als sinnvolle Ergänzung: Bei Kindern mit AKD + gleichzeitiger atopischer Dermatitis kann eine FLG-Mutationsanalyse die Barrierestörung erklären und intensivierte Basispflege begründen. FLG-Mutationen erhöhen das Risiko für Nickel- und Duftstoffallergie durch erleichterte Hapten-Penetration. Keine unmittelbare therapeutische Konsequenz für die AKD, aber wichtig für die Präventionsberatung (noch konsequentere Allergenkarenz, Hydrierungstherapie).

MethodeDurchführung / GrenzwertIndikation bei AKD
Epikutantest (Patch-Test)DKG-Standardreihe 28 Allergene + Zusatzreihen; Ablesung 48/72/96 h; ICDRG-BewertungGoldstandard; immer bei klinischem Verdacht auf AKD
Repeat Open Application Test (ROAT)Tägliche offene Applikation (Unterarm, Ellenbeuge) × 7 Tage; Ablesung täglichRelevanzüberprüfung bei schwach positivem Patch-Test; Gebrauchsgegenstände testen
Photo-Patch-TestParallele Testreihen; eine Seite mit UV-A (5–10 J/cm²) belichtet; Ablesung 48 h nach BestrahlungPhotoallergische Kontaktdermatitis; UV-Filter-Allergene; Sonnenschutzprodukte
FLG-MutationsanalyseSanger-Sequenzierung oder NGS; R501X, 2282del4 und weitereAKD + atopische Dermatitis + Barrierestörung; Risikostratifikation; Präventionsberatung
Prick-Test + sIgEStandardpanel + spezifische Allergene (Latex, Nahrungsmittel-Proteine)Protein-Kontaktdermatitis (Latex, Koch-/Bäcker-Berufsallergie); IgE-Sofortreaktion ausschließen
Nickel-Schnelltest (Dimethylglyoxim)Tropfen auf Schmuck → rosa Verfärbung = Ni²⁺-Freisetzung ≥ 0,5 µg/cm²/WocheAlltagsscreening für Schmuck/Metalle; Eltern/Kinder-Aufklärung; kostengünstig
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Differenzialdiagnosen

Kontaktekzeme müssen von anderen Ekzemformen und entzündlichen Dermatosen abgegrenzt werden. Besonders wichtig ist die Unterscheidung vom irritativen Kontaktekzem (negativer Patch-Test) und der atopischen Dermatitis.

ErkrankungWegweisende KlinikDiagnostikAbgrenzung zur AKD
Irritatives Kontaktekzem (IKD)Toxischer Hautkontakt (Seife, Detergentien, Feuchtigkeit, Säuren); kein oder milder Pruritus; sofortiger Beginn; scharf begrenzt auf Kontaktfläche; keine VorallergieAnamnese; Patch-Test negativ; Verlauf nach KarenzPatch-Test negativ; keine Sensibilisierungsphase; toxisch-direkt; kein Zeitverzug
Atopische Dermatitis (AD)Beugenlokalisation; atopische Familienanamnese; IgE erhöht; saisonale Verschlechterung; Beginn im SäuglingsalterKlinisch; IgE + Allergiediagnostik; Patch-Test (AKD als Komorbidität möglich!)Beugen-Lokalisation; Atopie-Anamnese; früher Beginn; AKD kann koexistieren!
Seborrhoisches Ekzem (Säugling)Gelblich-fettige Schuppen; Kopf, Axillen, Windelbereich; kein Pruritus; erstes Trimenon; keine Atopie-AnamneseKlinisch; Pilznachweis (Malassezia); Patch-Test negativKaum Juckreiz; typische Verteilung; fettig-schuppig; Säuglings-Alter; kein Expositionszusammenhang
Psoriasis vulgarisScharf begrenzte, silbrig-schuppende Plaques; Streckseiten; Tüpfelnägel; Auspitz-Phänomen; FamilienanamneseKlinisch; Auspitz-Phänomen; ggf. Biopsie; Patch-Test negativSilbrig-weiße Schuppung; Streckseiten-Befall; kein Expositionszusammenhang; Nägel betroffen
Tinea pedis (Fußpilz)Interdigitale Mazeration, Schuppung, Juckreiz; Fußsohlen; asymmetrisch; meist Jugendliche/junge ErwachseneKOH-Direktpräparat; Pilzkultur; Woodlicht (Fluoreszenz)Pilznachweis positiv; asymmetrisch; interdigital betont; Patch-Test für Schuhallergene negativ
Nummuläres EkzemMünzförmige scharf begrenzte nässende Plaques; Streckseiten, Unterschenkel; keine Beugenlokalisation; keine klare Allergen-ExpositionKlinisch; Patch-Test oft negativ; Allergiediagnostik; ggf. BiopsieMünzform charakteristisch; keine Beugen; oft kein Expositionszusammenhang; Patch-Test negativ
Skabies (Krätze)Intensiver nächtlicher Juckreiz; Milbengänge (Finger-Zwischenräume); familiäre Häufung; schlecht auf TCS ansprechendDermatoskopie; Milbengänge sichtbar; Tesafilmabklatsch; MilbennachweisMilbengänge; nächtlich betont; familiäre Häufung; kein Allergen-Kontakt-Zusammenhang
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Therapiemöglichkeiten

Die Therapie der AKD folgt der AWMF S1-Leitlinie Kontaktekzem (013-055, 2021). Die einzige kausale Maßnahme ist die konsequente Allergenkarenz. Pharmakologische Maßnahmen sind symptomatisch und unterstützend.

  • KAUSALAllergenkarenz — einzige kausale Maßnahme

    Vollständige Meidung des ursächlichen Allergens ist die einzige kausale Therapie. Ekzem heilt nach Allergenkarenz selbstlimitierend ab (Wochen). Konsequente Umsetzung: Nickel → nickelfreier Schmuck, Karabiner-Haken, Silikonschutzschichten auf Gürteln; Duftstoffe → duftstofffreie Kosmetik + Waschmittel; MCI/MI → konservierungsmittelfreie Feuchttücher; Schuhallergene → alternativer Schuh (Kunststoff statt Leder/Gummi). Produktberatung: Inhaltsstoffkennzeichnung lesen; INCI-Listen kontrollieren.

  • STUFE 1Akutes Kontaktekzem — Topische Kortikosteroide (TCS)

    Topische Kortikosteroide (TCS) 1.–2. Wahl: Hydrokortison 1 % (Klasse I, Gesicht/Intertrigines/Säuglinge), Methylprednisolonaceponat Klasse II (Rumpf, Extremitäten, Schulkinder), Mometasonfuroat Klasse III (schweres Ekzem, kurzzeitig). Stärke der Entzündung und Lokalisation bestimmen Klasse. Dauer: nur bis Abheilung (max. 2–4 Wochen ohne Pause); cave Hautatrophie bei Daueranwendung im Gesicht. Wichtig: TCS wirken nur symptomatisch – Ekzem kehrt zurück ohne Allergenkarenz!

    Hydrokortison 1 % · Methylprednisolonaceponat · Mometasonfuroat
  • STUFE 2Steroid-sparende Alternativen — Calcineurin-Inhibitoren (TCI)

    Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI): Tacrolimus 0,03 % (Kinder ab 2 Jahre), Pimecrolimus 1 % (ab 2 Jahre). Besonders geeignet für: Gesicht, Hals, Augenlider, Intertrigines (keine Hautatrophie). Anwendung bei Nickel-Ekzem im Gesicht/Hals sehr wirksam. Kein Atrophierisiko. Anfänglich Brennen/Juckreiz beim Auftragen. Antipruriginöse Zusatztherapie: Nicht-sedierende H1-AH oral (Cetirizin, Loratadin) bei starkem Juckreiz; v.a. bei akutem AKD.

    Tacrolimus 0,03 % · Pimecrolimus 1 % · + H1-AH bei Pruritus
  • STUFE 3Schweres / ausgedehntes AKD — Systemtherapie

    Systemische Kortikosteroide (kurzfristig): Prednisolon 0,5–1 mg/kg/d × 5–10 Tage bei ausgedehntem akutem AKD (z.B. schwere PPD-Reaktion, Henna-Tattoo-Reaktion); rasche Kontrolle der Inflammation. Ciclosporin A (off-label): bei chronisch schwerem AKD; 2–5 mg/kg/d; Monitoring Blutdruck/Nierenfunktion. Methotrexat (off-label): bei chronischer AKD mit starker Exposition (z.B. unvermeidbares berufliches Allergen); langfristig. Phototherapie NB-UVB: bei chronischem Handekzem durch Chromat/Nickel; 3×/Woche; reduzie­rend, nicht heilend.

    Prednisolon kurzfristig · Ciclosporin A · Phototherapie NB-UVB

Basistherapie & Prävention

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Emollienzien & Hautschutz

Regelmäßige Emollienzien (ceramidhaltig, duftstofffrei) stärken Hautbarriere → reduzierte Hapten-Penetration. Hautschutzpräparate (Barriere-Cremes) vor Allergenexposition. Besonders wichtig bei FLG-Mutation / AD-Komorbidität.

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INCI-Kennzeichnung & Produktberatung

Eltern auf INCI-Liste hinweisen. EU: Duftstoffe (26 deklarationspflichtige Allergene) müssen ab 0,001 % (leave-on) deklariert werden. MCI/MI ab 2017 in leave-on-Produkten EU-weit verboten. Nickelrichtlinie beachten. Verbraucherberatung: IVDK-Allergen-Datenbank.

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Patientenschulung

Strukturierte Schulung zu: Allergenkarenz-Strategien, INCI-Lesen, Alternativprodukte, Arbeitsschutz (bei Berufsallergenen). IVDK-Patienteninformationen. Dermatologische Schulungsprogramme. Aufklärung: Sensibilisierung ist dauerhaft (keine Heilung, nur Karenz).

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Berufliche Prävention & Schutzmaßnahmen

Bei bekannter Sensibilisierung: Berufsberatung (allergenarme Berufe), Schutzhandschuhe (nickelfreie Handschuhe bei Nickelkontakt), Hautschutzpläne, Arbeitsmedizinische Überwachung. EU-Biozid-Verordnung: MCI/MI-Beschränkungen.

Prognose: Bei konsequenter Allergenkarenz ist die Prognose gut – vollständige Abheilung möglich. Bei ubiquitären Allergenen (Nickel, Chromat, Duftstoffe) ist vollständige Karenz oft schwierig → chronisch-rezidivierender Verlauf. Sensibilisierung selbst ist dauerhaft; Re-Sensibilisierung nach Karenz und Reexposition ist möglich.

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Expertenzentren D-A-CH

Führende Experten und Zentren für allergische Kontaktdermatitis, Berufsdermatologie und Epikutantest-Diagnostik in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. Axel Schnuch
Kontaktallergologie / IVDK-Leiter
IVDK – Informationsverbund Dermatologischer Kliniken, Göttingen
GÖTTINGEN
IVDK-Leiter; epidemiologische Kontaktallergie-Forschung; MOAHLFA-Index; DKG-Standardreihe; S3-Leitlinie Epikutantest
IVDK-LeiterDKG-Standard
Prof. Dr. Wolfgang Uter
Dermatologie & Berufsdermatologie
Universitätsklinikum Erlangen
ERLANGEN
Kontaktallergie-Epidemiologie; IVDK-Daten; Berufsdermatologie; Kosmetika-Allergene; Duftstoff-Sensibilisierung
EpidemiologieDuftstoffe
Prof. Dr. Antonia Kienast
Pädiatrische Allergologie & Kontaktdermatitis
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (Kinderkrankenhaus)
DEUTSCHLAND
Führend in Kontaktekzemen bei Kindern (GPA-Publikationen); Epikutantest Kinder; Empfehlungen DKG für pädiatrische Testung
AKD KinderDKG Päd.
Prof. Dr. Werner Aberer
Dermatologie & Allergologie
Medizinische Universität Graz
GRAZ (AT / DE-Kooperationen)
Kontaktallergien; Arzneimittelallergien; Epikutantest-Leitlinie (Mitautor); pädiatrische Dermatologie; österr. Leitlinienarbeit
LeitlinienautorArzneimittelallerg.
Prof. Dr. Vera Mahler
Allergologie / Berufsdermatologie
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) / DDG
BERLIN
Kosmetika-Allergene; Regulatorik; EU-Biozid-Verordnung; MCI/MI-Problematik; Konservierungsmittel-Allergene; Präventionsarbeit
RegulatorikPrävention
Prof. Dr. Peter Elsner
Berufsdermatologie & Kontaktdermatitis
Universitätsklinikum Jena
JENA
Berufsdermatologie; Kontaktekzem Beruf; Hautschutz; Prävention beruflicher Hautkrankheiten; ABD-Leitlinien
Berufsdermatol.Hautschutz
🇦🇹 Österreich
Prof. Dr. Werner Aberer
Dermatologie & Allergologie
Medizinische Universität Graz
GRAZ
Kontaktallergien; Arzneimittelreaktionen; pädiatrische Dermatologie; Epikutantest-Leitlinie; österr. Allergie-Register
Kontaktallergol.Päd. Derm.
Univ.-Prof. Dr. Karin Schuch
Dermatologie & Allergologie
Universitätsklinik für Dermatologie, MedUni Wien
WIEN
Kontaktekzeme; Berufsdermatologie; Epikutantest; atopische Dermatitis + Kontaktallergie-Überlappung
KontaktekzemBerufsdermatol.
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. Andreas Bircher
Allergologie & Dermatologie
Universitätsspital Basel
BASEL
Kontaktallergien; Arzneimittelreaktionen; Epikutantest; systemische Kontaktdermatitis; Berufsdermatologie; EAACI-Arbeitsgruppe
Kontaktallergol.EAACI
Prof. Dr. Luca Borradori
Leiter Dermatologie
Inselspital Bern
BERN
Dermatologie; Kontaktekzeme; Epikutantest; Autoimmundermatosen; Differenzialdiagnose Ekzem-Formen
DermatologieEpikutantest
aha! Allergiezentrum Schweiz
Nationales Kompetenzzentrum
aha! Allergiezentrum Schweiz
BERN
Beratung für Kontaktallergiker; INCI-Beratung; Produkt-Überprüfung; Schulungen; Selbsthilfe; Nickel-Allergie-Informationen
BeratungSchulung

Fachgesellschaften & Ressourcen: DKG – Deutsche Kontaktekzem-Gruppe (Standardreihe) · IVDK – Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (ivdk.org) · DDG – Deutsche Dermatologische Gesellschaft · ABD – Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie · ESCD – European Society of Contact Dermatitis · AWMF S1-Leitlinie Kontaktekzem 013-055 · S3-Leitlinie Epikutantest 013-018 · aha! Allergiezentrum Schweiz